Gastronomie in der Altstadt

Das Bistro La Trouvaille in der Frauenfelder Altstadt schliesst: Die umtriebige Wirtin Brigitte Bianchi legt Ende Februar 2021 ihren Traum vorerst auf Eis

Ihr Lokal an der Zürcherstrasse in der Altstadt ist einfach zu klein. Das wusste Brigitte Bianchi schon lange. In den letzten Monaten nun ist der Entscheid gereift, dass sie aufhört, solange es sich für sie noch gut anfühlt. Klar ist, dass sie sich noch gebührend von ihren Gästen verabschieden will. Sie hofft, dass ihr dafür der kommende Februar bleibt.

Mathias Frei
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Wirtin Brigitte Bianchi vor ihrem Bistro La Trouvaille, das derzeit wie die ganze Gastronomie auch geschlossen ist.

Wirtin Brigitte Bianchi vor ihrem Bistro La Trouvaille, das derzeit wie die ganze Gastronomie auch geschlossen ist.

Bild: Donato Caspari

Es fühlt sich an, als wäre Brigitte Bianchi schon ewig da. Dabei führt sie das Bistro La Trouvaille in der Altstadt erst seit viereinhalb Jahren. Das liegt wohl daran, dass die bald 59-Jährige eine Gastgeberin par excellence ist: herzlich, fröhlich, empathisch. Bianchi hat die Gastroszene in der Altstadt in dieser Zeit geprägt wie wenige andere vor ihr. Ideen für Aktionen und Veranstaltungen sprudeln auch jetzt noch bei ihr. Jetzt, da pandemiebedingt alle Gastronomiebetriebe wieder schliessen müssen. Und wenn sie dann nach dem 22. Januar wieder aufschliessen darf, will sie einfach noch einen Monat für ihre Stammgäste da sein. Ende Februar ist dann aller Voraussicht nach aber endgültig Schluss.

«Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich am 1. März ein neues Restaurant aufmachen.»
Sommer 2020: Das Gartenbeizli des «La Trouvaille» vor dem Restaurant Cittadella.

Sommer 2020: Das Gartenbeizli des «La Trouvaille» vor dem Restaurant Cittadella.

Bild: Andrea Stalder

Man hat Brigitte Bianchi einfach gern. Am Dienstagmorgen, am ersten Tag des neuerlichen Gastro-Lockdowns klingelt das Telefon, winken Leute durch das Fenster rein, bedanken sich, bringen sogar kleine Geschenke vorbei. Die Dankbarkeit ist gegenseitig.

«Ich nehme unendlich viel mit, nämlich all die wunderbaren Begegnungen.»

Und man merkt ihr an, dass sie gern noch offen hätte, um auch wirklich allen Gästen schöne Festtage und ein gutes neues Jahr zu wünschen. Eben ein Begegnungsort mitten in der Frauenfelder Begegnungszone.

Schon vor Corona zu wenige Sitzplätze

Das Lokal ist einfach zu klein. Das war Bianchi schon lange vor der Coronapandemie bewusst. Normalerweise hat sie 32 Sitzplätze, zuletzt waren es noch knapp 20. Und dann noch der Tagescafé-Betrieb, den es in Frauenfeld auch immer seltener gibt. Obwohl das Bistro so klein sei, müsste man es eigentlich zu zweit führen, sagt sie. Sie habe zwar immer unglaublich viele helfende Hände um sich gehabt, ihre Kinder, ihre vier Schwestern, ihr tolles Aushilfspersonal, hilfsbereite Nachbarn und oft auch Stammgäste.

Dezember 2019: Pepe Lienhard erzählt im Bistro La Trouvaille Weihnachtsgeschichten.

Dezember 2019: Pepe Lienhard erzählt im Bistro La Trouvaille Weihnachtsgeschichten.

Bild: Andrea Stalder

Vor allem gegen Ende 2019 habe sie einfach zu viel gearbeitet. Eine gangbare Lösung war Anfang 2020 gefunden, nämlich abends nur noch einmal wöchentlich zu öffnen. Doch dann kam der Lockdown im März. Im Sommer betrieb Bianchi erfolgreich die Gartenbeiz der damals verwaisten «Cittadella». Gleichwohl reifte der Entscheid, unter dieses Kapitel ihres Lebens vorerst auf Eis zu legen, so sagt es Brigitte Bianchi.

«Ich will aufhören, solange es sich gut anfühlt, wirtschaftlich, aber vor allem auch emotional.»

Dabei war ein eigenes Lokal ihr Traum, seit sie vor bald 40 Jahren die Wirtenschule gemacht hat.

Frauenfelds erstes griechisches Restaurant

Seit dem Lockdown im März war das Restaurant Cittadella in der Altstadt an der Ecke Freie Strasse/Kirchgasse geschlossen. Im Frühsommer öffnete die Sozialfirma ORS ihr Integrations-Gastroprojekt nicht mehr. Seit vergangener Woche herrscht aber wieder Betrieb in den Räumlichkeiten. Unter dem Namen «Taverna Bar – der Grieche» darf Frauenfeld nun die griechische Küche kennen lernen. Dahinter steht der Deutsch-Grieche Leonidas Fotiadis, der zuletzt in Berlin und Stuttgart mehrere griechische Lokale führte. Das Restaurant in Frauenfeld betreibt mit seinem Cousin Dennys Schulz als Geschäftspartner, wie dem Gratisblatt «Frauenfelder Woche» zu entnehmen ist. Angeboten werde eine Küche mit Produkten aus der Region respektive direkt aus Griechenland. (ma)

Auf Jobsuche und in Ausbildung zur Fusspflegerin

Sommer 2018: Schaukäsen mit Werner Knöpfli vor dem Bistro La Trouvaille. Wirtin Brigitte Bianchi hilft tatkräftig mit.

Sommer 2018: Schaukäsen mit Werner Knöpfli vor dem Bistro La Trouvaille. Wirtin Brigitte Bianchi hilft tatkräftig mit.

Bild: Reto Martin

Brigitte Bianchi hat den Menschen viereinhalb Jahre lang zugehört. Das ist viel wert. Zuvor war im vor 18 Jahren umgebauten Altstadthaus eine Weinbar daheim. Bianchi hat mehr daraus gemacht, mit einem kleinen Mittagsangebot, mit kreativen Events. Oft fand man nur schwerlich noch einen Sitzplatz, alle waren da, der Büezer und der Banker, Jung und Alt. Der Vermieter habe noch keinen Nachmieter gefunden. Sie selber macht sich nun auf die Suche nach einem Job, etwas in der Gastronomie, im Verkauf oder eventuell im Büro, wo sie früher schon tätig war. Daneben macht sie eine Ausbildung zur diplomierten Fusspflegerin, vor 15 Jahren hatte sie sich bereits in Fussreflexzonentherapie ausbilden lassen und eine Zeit lang Teilzeit darauf gearbeitet.

«Ich habe keine Angst vor der Zukunft», sagt Brigitte Bianchi. Sie habe dieses Urvertrauen, dass alles gut komme.

«Mit meinem Traum der Eventgastronomie bin ich noch nicht fertig. Aber ich lasse ihn momentan ruhen.»