Interview

Gastro-Thurgau-Präsident Ruedi Bartel ist mit dem Entscheid aus Bern nicht glücklich: «Das ist weder Fisch noch Vogel»

Zwar weiss die Thurgauer Gastrobranche nun, wann es wieder losgehen kann. Aber vieles bleibt unklar.

Larissa Flammer
Drucken
Teilen
Ruedi Bartel weiss noch nicht, ob es sich lohnt, seine «Krone» in Balterswil am 11. Mai aufzumachen.

Ruedi Bartel weiss noch nicht, ob es sich lohnt, seine «Krone» in Balterswil am 11. Mai aufzumachen.

Bild: Reto Martin

Restaurants dürfen bereits am 11. Mai wieder öffnen. Allerdings sind nur vier Personen pro Tisch erlaubt – mit Ausnahme von Eltern mit eigenen Kindern – alle Gäste müssen sitzen und zwischen den Gruppen müssen zwei Meter Abstand eingehalten werden. Der Balterswiler Wirt und Gastro-Thurgau-Präsident Ruedi Bartel sieht da einige Schwierigkeiten.

Was sagen Sie zur Lockerung im Gastrobereich?

Ruedi Bartel: Das ist weder Fisch noch Vogel. Für kleine Betriebe wird das schwierig zu händeln. Wenn man nur so und so viele Gäste reinlassen darf, hat man den Umsatz am Abend nicht.

Dann werden am 11.Mai eher noch nicht alle Thurgauer Restaurants aufmachen?

Ja, das wird wohl der Fall sein. Ich weiss auch noch nicht, ob ich wieder öffnen kann. Ich muss zuerst ausrechnen, ob sich das lohnt. Auch allen Wirten, die sich jetzt bei mir melden, sage ich das gleiche: Du musst für dich die Rechnung machen.

Was muss ein Wirt nun alles bedenken?

Viele Restaurants haben in den letzten Wochen einen Take-Away-Betrieb eingerichtet, der zum Teil sehr gut läuft. Einige von ihnen stehen vermutlich besser da, wenn sie noch eine Weile weiter nur Take-Away anbieten. Denn auch wenn die Restaurants öffnen, können weiterhin keine Bankette angenommen werden. Auch wurde nichts dazu gesagt, ob das Personal Masken tragen muss. Und wenn wir die Mitarbeiter wieder arbeiten lassen, fällt auch der Versicherungsschutz weg, falls es sich dann doch nicht auszahlt.

Rechnen Sie mit einem Gästeansturm, wenn die Restaurants wieder öffnen?

Bei den älteren Gästen, die gerne zu zweit oder zu viert kommen, ist die Hemmschwelle wegen des Virus wohl noch hoch. Und auch die Vereine kommen nicht, wenn sie nur in Gruppen von vier Personen sitzen dürfen. Ausserdem sind zwei Meter ein ziemlicher Abstand. Da ist auch das Ambiente nicht das gleiche, wenn immer so viel Platz oder leere Tische dazwischen sind. Wir können hoffen, dass es im Mai schönes Wetter gibt, dann können die Gäste zumindest drinnen und draussen sitzen. Wenn es weiter regnet, laufen auch Gartenwirtschaften nicht.

Hätten Sie sich eine andere Lösung gewünscht?

Für mich kam es überraschend, dass wir am 11.Mai wieder öffnen dürfen. Ich hätte gesagt, besser Ende Mai oder am 8.Juni. Dann wüssten wir auch besser, wo wir in der Pandemie stehen.

Mehr zum Thema