Gartenbeizli, umgebauter Linienbus und Riesenrad – Frauenfeld startet Grossoffensive für lebendige Innenstadt

Das Projekt «Miteinander Frauenfeld gestalten» verleiht einer lebendigen Innenstadt noch mehr Glanzpunkte. Zudem steht für Detaillisten und Liegenschaftseigentümer eine Innovationsveranstaltung bevor.

Samuel Koch
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Sie spannen nicht nur an der Medienkonferenz im Küng Gartencenter zusammen: Christian Wälchli, Präsident IG Fit, Detailhandelsexperte und Jurist Chalid ElAshker, «MFG»-Projektleiterin Martina Pfiffner, Stadtpräsident Anders Stokholm, Brigitte Fürer, Geschäftsführerin Regio Frauenfeld, sowie Sabina Ruff, Leiterin ad interim Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Sie spannen nicht nur an der Medienkonferenz im Küng Gartencenter zusammen: Christian Wälchli, Präsident IG Fit, Detailhandelsexperte und Jurist Chalid ElAshker, «MFG»-Projektleiterin Martina Pfiffner, Stadtpräsident Anders Stokholm, Brigitte Fürer, Geschäftsführerin Regio Frauenfeld, sowie Sabina Ruff, Leiterin ad interim Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Bild: Andrea Stalder

MFG. Für einmal hat dieses Kürzel mit der Grussformel «Mit freundlichen Grüssen» und dem populären Lied der deutschen Band Die Fantastischen Vier wenig zu tun. Vielmehr lautet die Prämisse beim Projekt MFG: «Miteinander Frauenfeld gestalten».

Der Startschuss ist längst gefallen. Trotzdem hat die Stadt zusammen mit der Interessengemeinschaft Frauenfelder Innenstadt (IG Fit) und der Regio Frauenfeld am Montagmorgen detaillierter über «MFG» informiert. «Wir wollen die Frauenfelder Innenstadt attraktiv halten und weiter stärken», sagte Stadtpräsident Anders Stokholm.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Denn in den vergangenen Jahren sei unter anderem mit Fahnen, Bänkli oder Sitzsäcken schon viel zu Gunsten einer lebendigen Innenstadt gegangen. Stokholm sagte:

«Es ist ein anspruchsvoller Prozess.»

Deshalb sei es umso wichtiger, auf bisherigen Erkenntnissen aufzubauen und Detailhändler, Gastronomen, aber auch Liegenschaftseigentümer für die erste Innovationsveranstaltung am 2.Juli zu gewinnen.

Gartenwirtschaften, Märkte und andere Buvetten

Als MFG-Projektleiterin fungiert Martina Pfiffner. «Wir wollen das Potenzial ausschöpfen, das Frauenfeld zu bieten hat», sagte sie. Als Initialzündung der Umsetzung hat der Gemeinderat im vergangenen Sommer einen Kredit über 470'000 Franken für die Attraktivierung der Innenstadt für die nächsten vier Jahre bewilligt, womit Kanton und IG Fit weitere 300'000 Franken besteuern. Christian Wälchli, Präsident der IG Fit, sagte:

Christian Wälchli, Präsident der IG Fit.

Christian Wälchli, Präsident der IG Fit.

Bild: PD
«Jetzt haben wir die finanziellen Mittel, um etwas zu bewegen.»

Dass vielerorts initiative Menschen am Werk seien, zeige die während der Coronakrise gestartete Plattform «Die Region Frauenfeld liefert». Über 140 Gewerbetreibende haben sich gemeldet. «Deshalb wollen wir die Seite weiterführen und noch optimieren», sagte er.

Neue Belebungsmassnahmen gibt’s einige, Sabina Ruff konnte gar nicht alle aufzählen. Bei der Leiterin ad interim des neuen Amtes für Kommunikation und Wirtschaftsförderung sind auf Anfrage viele Ideen und Konzepte eingegangen. Ruff sagt:

Sabina Ruff, Leiterin a.i. Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Sabina Ruff, Leiterin a.i. Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung.

Bild: Andrea Stalder
«Auch deshalb hat der Stadtrat beschlossen, alle öffentlichen Räume in der Innenstadt für das ganze Jahr gratis zur Verfügung zu stellen.»

Das Resultat aus einer innovativen Idee befindet sich in der Kirchgasse vor dem ehemaligen Ristorante Cittadella, wo Brigitte Bianchi als «La Trouvaille»-Betreiberin mit «La Terrassse» neuerdings ein Gartenbeizli führt. Weiter bringt sich in den nächsten Wochen der Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld (OGiF) ein, der Crêpe-Wagen zügelt vom Burstel- in den Lindenpark, Anlässe wie das Open-Air-Kino oder «Musig idä Stadt» sollen ebenso in die Innenstadt locken. Die Stadt stellt eine mobile Bestuhlung zur Verfügung. Und auch der Tourismus zieht mit, wenn es etwa um Spezialangebote «3 für 2» geht.

«Fründeskreis» auf dem Mätteli und ein Riesenrad

Als persönlichen Höhepunkt bezeichnete Ruff den umgebauten Linienbus, den der Verein «Fründeskreis» ab August auf dem Unteren Mätteli aufstellt, dort für Kultur sowie Speis und Trank sorgt. Zudem soll das Riesenrad von HP Maier für eine andere Perspektive auf Frauenfeld ermöglichen. «Wo es aufgestellt wird, ist noch unklar», sagte Ruff. Klar ist, dass alle zusätzlichen Angebote an Buvetten bewilligungspflichtig sind. «Es kann nicht kommen, wer will», sagte Ruff mit Rücksicht auf die Gewerbetreibenden. «Wir wollen Synergien nutzen.»

Laut Detailhandelsexperte und Jurist Chalid El Ashker bevorzugten noch viele Menschen trotz zunehmender Digitalisierung, physisch in einem Laden einzukaufen. Er sagte:

Chalid El Ashker, Detailhandelsexperte und Jurist.

Chalid El Ashker, Detailhandelsexperte und Jurist.

Bild: Andrea Stalder
«Das Leben in Innenstädten ist eng verbunden mit dem Handel.»

Deshalb sei es wichtig, in Gesprächen über Ängste von Veränderungen zu sprechen. Betroffen seien auch Eigentümer, die am 2.Juli ebenfalls eingeladen sind. Denn auch Anpassungen bei Mietzinsen oder Co-Existenzen von Gewerbe und Wohneinheiten müssten diskutiert werden.

In und um Frauenfeld wohnen über 50'000 Menschen. Deshalb macht sich auch die Regio für ein «Mitenand» stark. «Ein attraktiver Wohnraum mit kurzen Wegen ist auch für die ganze Region wichtig», sagte Regio-Geschäftsführerin Brigitte Fürer und zählte den Winzer­apéros oder den Herbstmarkt als erfolgreiche Anlässe auf. Jetzt freuen sich jedenfalls alle auf eine noch lebendigere Innenstadt. Nur fehlen noch mehr Menschen. Ruff forderte: «Lassen Sie sich verführen!»

Partizipation aller Beteiligten erwünscht

(sko) Als weitere Massnahme des Projektes «Miteinander Frauenfeld gestalten» (MFG) steht am Donnerstag, 2. Juli, eine Innovationsveranstaltung für Detaillisten und Liegenschaftseigentümer in der Innenstadt auf dem Programm. Der Eintritt für den Anlass von 19 bis 21 Uhr in der Konvikthalle ist frei, im Anschluss ist ein Austausch geplant. Am Abend mit dabei ist Detailhandelsexperte und Jurist Chalid El Ashker, der zunächst über Trends im Einzelhandel referiert und Ideen liefert, wo Potenzial brach liegt. Ein Folgeanlass zum Thema Optimierung der Flächenproduktivität ist im August vorgesehen.

Innovationsveranstaltung, Do, 2. Juli, 19 bis 21 Uhr, Konvikthalle.

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