Garten
Degustieren bis der Gaumen streikt: Urbane Gärtnerinnen und Gärtner laden zum Probieren der eigenen Physalis ein

Im Klösterligarten gedeihen prächtige Andenbeeren. Die Samen entstammen der eigenen Zucht des Vereins Offenes Gärtnern in Frauenfeld.

Evi Biedermann
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«Sagezu»-Initiant Robert Zollinger und Ogif-Präsidentin Fiona Käppeli während der Degustation.

«Sagezu»-Initiant Robert Zollinger und Ogif-Präsidentin Fiona Käppeli während der Degustation.

Bild: Evi Biedermann

Von der Pflanze direkt in den Mund – nie ist das Aroma von Früchten intensiver und der Vitamingehalt grösser, als wenn sie unmittelbar nach dem Pflücken verzehrt werden. Hobbygärtnerinnen und -gärtner wissen das längst. Weil das aber nicht alle sind, haben etwa zehn Frauen und Männer vor sechs Jahren in Frauenfeld einen Gemeinschaftsgarten angelegt.

Mittlerweile bewirtschaften die Vereinsmitglieder von «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» (Ogif) zwischen Badi und Walzmühlestrasse einen 4000 Quadratmeter grossen Gemeinschaftsgarten. Zudem ist der Verein Teil einer nationalen Studie, die sich mit dem Erhalt von Saatgut in einer gemeinschaftlich geführten Samenzucht (Sagezu) befasst. Dazu bepflanzen die Gartenfreunde auf der Klösterliwiese der katholischen Kirchgemeinde einen Naschgarten mit Knackerbsen, Snackgurken und Andenbeeren. 2020 konnte erstmals eigener Samen von Andenbeeren ausgesät werden. Die tropische Frucht, besser bekannt unter dem Namen Physalis, lag kürzlich im Klösterligarten zum Verkosten auf. Anwesend war auch «Sagezu»-Initiant Robert Zollinger.

Erfrischender Versuch und Verlangen nach mehr

Bereit liegen 19 pralle Früchtchen, allesamt von der gleichen Samenmutter und von Ogif-Präsidentin Fiona Käppeli in Miniportionen zerschnitten. Man kann also nachlangen und das Aroma sich entfalten lassen. Der erste Versuch ist erfrischend und verlangt nach mehr. Der zweite schmeckt leicht bitter, schnell zum dritten, fünften, achten. Kein Zweifel, die exotische, leicht säuerliche Beere mundet, aber nach etlichen Müsterchen erkennt der Gaumen die Aromanuancen nicht mehr.

Fiona Käppeli zerschneidet die Früchte in Miniportionen.

Fiona Käppeli zerschneidet die Früchte in Miniportionen.

Bild: Evi Biedermann

Auch die Konsistenz wird zum Einheitsbrei. Dennoch wird am Ende eine Siegerin erkürt. Rangierungen seien wichtig, sagt Robert Zollinger, der im Wallis mit seinen Söhnen die gleichnamige Biosamengärtnerei betreibt.

«Sie helfen uns, die besten Samen zu finden und weiterzuentwickeln.»

Zollinger engagiert sich seit vielen Jahren schweizweit für eine souveräne Samengemeinschaftszucht. Der Saatgutbereich werde heute von wenigen multinationalen Konzernen dominiert. Er sagt: «Wer unabhängig Pflanzen anbauen will, braucht eigenes Saatgut.»

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