Frauenfelds urbane Gärtner haben nun ganz viel Platz für ganz viel Gemüse

Ein wichtiger Meilenstein für den Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld»: Der Gemeinschaftsgarten am Kanalweg kann auf die neue Saison um ein X-Faches wachsen. Die beiden Kirchgemeinden, das Wohnheim Adler, das Solinetz und HEKS gärtnern mit.

Mathias Frei
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Hier entsteht der neue Gemeinschaftsgarten. Das freut Urban-Gardening-Pionierin Judith Degen, Sabina Ruff vom Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung, die zukünftige Gartenkoordinatorin Katharina Portmann und Fiona Käppeli, OGiF-Copräsidentin. (Bild: Andrea Stalder)

Hier entsteht der neue Gemeinschaftsgarten. Das freut Urban-Gardening-Pionierin Judith Degen, Sabina Ruff vom Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung, die zukünftige Gartenkoordinatorin Katharina Portmann und Fiona Käppeli, OGiF-Copräsidentin. (Bild: Andrea Stalder)

90 Meter. Oder: Ein grosser Wurf ist den urbanen Gärtnern in Frauenfeld gelungen. 90 Meter misst die Diagonale der grossen Wiesland-Parzelle am Kanalweg. Bislang weideten hier Schafe. In Zukunft wird es gleichenorts gemüsig, fruchtig und blumig. Ab März kann der Verein «Offenes Gärtnern in Frauenfeld» (OGiF) das Land mit verschiedenen Körperschaften zusammen als Biogarten bewirtschaften.

Seit Frühling 2015 unterhält OGiF auf einem kleinen Spickel dieser städtischen Parzelle grad bei der Alterssiedlung Kesselstrasse der Genossenschaft Alterssiedlung Frauenfeld einen Gemeinschaftgarten. Auf einer Fläche von 123 Quadratmetern gedeihen seither Früchte, Gemüse und Kräuter. Und das kommt an. «Immer wieder kamen Leute, die auch mitgärtnern wollten. Aber uns fehlten die freien Beete», erklärt OGiF-Copräsidentin Fiona Käppeli. Sie hätten mit der Stadt schon um zwei, drei Quadratmeter mehr diskutieren können. Aber das Platzproblem hätte sich langfristig nicht gelöst.

Im ersten Jahr gibt’s viele Blumen

Nun muss OGiF nicht mehr über zwei, drei Quadratmeter diskutieren. Nun kann der Verein ein 4534 Quadratmeter grosses Stück Land bewirtschaften, vertraglich gesichert für zehn Jahre. Im Endausbau werden es 3800 Quadratmeter kultivierte Gartenfläche sein. Daneben sind ein kleiner Kiesplatz in der Mitte geplant, worauf ein Bauwagen zu stehen kommt für das Werkzeug sowie ein Pagodenzelt als Aufenthaltsort. Wiesflächen und ein Kompost sind vorgesehen.

«Diese Gartensaison wird voraussichtlich die Hälfte der möglichen Gartenfläche bewirtschaftet.»

Das erklärt Fiona Käppeli. Heuer jedenfalls sind 1000 Quadratmeter Blumen vorgesehen.

Grad noch rechtzeitig erfolgt der Saisonstart Anfang März. Einerseits wird der bisherige Gemeinschaftsgarten zurückgebaut. Dort entsteht eine Magerwiese. Andererseits geht’s ans Einpflanzen einer Beerenhecke als Abgrenzung zur Alterssiedlung Kesselstrasse. Am 19. März fahren dann Werkhof, Stadtgärtnerei und Werkbetriebe auf. Die Wiesenschicht muss abgeschält werden, dann wird der Boden gefräst. Weiter wird eine neue Wasserleitung installiert, die vier Wasserstellen versorgt. Vorerst können die Gärtner ein Toitoi-WC auf dem hinteren Badiparkplatz nutzen.

Für alle: Jung und Alt, Schweizer und Migranten

Der Verein OGiF hat zu wenig personelle Ressourcen, um den neuen Gemeinschaftgarten alleine zu bewirtschaften. So wirken die Sozialdiakonien der beiden Kirchgemeinden aktiv beim Gärtnern mit. Auch das Wohnheim Adler ist mit Man-Power dabei. Dasselbe gilt für das Solidaritätsnetz, den Frauenfelder Treffpunkt für Menschen aus dem Asylbereich und Einheimische. Und HEKS wird zukünftig Seniorengärtnern anbieten. Weiter soll es später Platz haben für das Gartenkind-Projekt von Bioterra und die Samengemeinschaftszucht, die derzeit noch im Klösterligarten angesiedelt ist.

«Pa-Radiesli» und mehr

Der Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld (OGiF) will urbane Gartenkultur in Frauenfeld etablieren und pflegen. Seit Frühling 2015 unterhält der Verein am Kanalweg den öffentlichen Gemeinschaftsgarten «Pa-Radiesli». 2017 hat sich eine zweite Gruppe gebildet, die das urbane Gärtnern im öffentlichen Raum vorantreiben will und mittlerweile an sechs Standorten in der Stadt Beete bewirtschaftet. Seit Frühling 2018 betreiben die urbanen Gärtner im Rahmen einer nationalen Studie ein mehrjähriges Samenzuchtprojekt im Klösterligarten. (ma)

Die Stadt trägt viel zum Gelingen bei. Sabina Ruff, Bereichsleiterin soziokulturelle und sozialraumorientierte Stadtentwicklung im Amt für Stadtentwicklung und Standortförderung, konnte sich schnell fürs Nutzungskonzept begeistern. Dank des städtischen Zutuns fand man mit dem Pächter der Wiese eine einvernehmliche Lösung. Was erst ermöglichte, dass nun das Projekt im ersten Jahr mit 10'000 Franken (inklusive Arbeit von Werkhof, Stadtgärtnerei und Werkbetriebe) unterstützt wird.

Weiteres Geld fliesst OGiF von den Kirchgemeinden und vom kantonalen Migrationsamt zu. So kann der Verein die Arbeitsagogin Katharina Portmann in einem 10-Prozent-Pensum als Gemeinschaftsgarten-Koordinatorin anstellen. Sie wird besorgt sein, dass alles seine Ordnung hat. «Auch wenn die Natur gerne mal wild ist», wie Portmann am Donnerstag an einem gut besuchten, positiv verlaufenen Anwohner-Infoabend gesagt hat.

Weitere Infos:
www.offenesgaertnerninfrauenfeld.com

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