Ganz im Sinne de Gaulles: Die Müllheimer Stimmbürger sagen Ja zum neuen Friedhofsgebäude

Für 1,4 Millionen Franken bekommt Müllheim auf dem paritätischen Friedhof eine neue Abdankungshalle. Manche hätten gerne mehr Holz statt Beton gesehen.

Stefan Hilzinger
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Die Visualisierung zeigt, wie das Friedhofsgebäude aussehen soll.

Die Visualisierung zeigt, wie das Friedhofsgebäude aussehen soll.

Bild: PD

Es war ein kleiner, feiner Wink auf der ersten Folie der Präsentation. Der Müllheimer Gemeindepräsident Urs Forster zitierte dort den einstigen französischen Präsidenten Charles de Gaulle:

«Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.»

In Bezug auf das Projekt «Friedhof 2020» sahen dies nicht nur Forster und der Gemeinderat so, sondern offensichtlich auch die klare Mehrheit der 110 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Drei Jahre Arbeit in einer Kommission

Urs Forster, Gemeindepräsident.

Urs Forster, Gemeindepräsident. 

Bild: Stefan Hilzinger

Das Sachgeschäft prägte die Budgetversammlung vom vergangenen Donnerstagabend. Für 1,23 Millionen Franken – einschliesslich Projektierung sind es knapp 1,4 Millionen – baut Müllheim nun auf dem paritätischen Friedhof eine neue Abdankungshalle samt Aufbahrungsräumen, WC-Anlage und Geräteraum für den Friedhofsgärtner. Drei Jahre hatte eine Kommission aus Gemeinde- und Kirchenvertreter, von Experten beraten, an dem Projekt gearbeitet. Den Architekturwettbewerb hatte das Müllheimer Büro Beat Schneider Architektur GmbH gewonnen. Ende August präsentierte der Gemeinderat das Projekt der Bevölkerung. Auf dem verputzten Mauerwerk ruht ein sanft geneigtes, begrüntes Dach aus Beton, darin gibt es zwei Oblichter, die Sonnenlicht gefiltert in die beiden Aufbahrungsräume scheinen lassen. Forster sagte:

«Auch die beiden Pfarrherren stehen hinter dem Projekt.»

Am Info-Anlass sei angeregt worden, dass Dach doch aus Holz statt Beton zu konstruieren. «Bei gleicher Qualität wird das nicht günstiger», sagte Forster. Ein Dach aus Holz wäre ausserdem wuchtiger als eines aus Beton, zudem sei die Ableitung von Wasser schwieriger zu gestalten, hielt Forster aus Sicht von Projektgruppe und Gemeinderat fest.

Budget rechnet mit Defizit, Steuerfuss bleibt

Eine weitere Investition im nächsten Jahr ist der Ersatz der Flurstrassenbrücke über den Beerenbach. An der alten Brücke hat der Zahn der Zeit genagt. Die für den Ersatz notwendigen 237'000 Franken bewilligte die Versammlung bei einer Gegenstimme deutlich. Ohne Diskussionen verabschiedeten die Müllheimerinnen und Müllheimer ferner das Budget 2020: Es rechnet bei einem Gesamtaufwand von gut 8,2 Millionen Franken mit einem Defizit von knapp 260'000 Franken. Der Steuerfuss bleibt bei unveränderten 48 Prozent. (hil)

Ein Stimmbürger fand nicht viele gute Worte für das Projekt. Er präsentierte dem Gemeinderat sechs Tage vor der Versammlung einen Alternativvorschlag, den er auch an der Versammlung vorstellen durfte. Seiner Meinung nach sei der überdachte Vorplatz für Abdankungen zu klein, sodass ein Teil der Trauergemeinde gegebenenfalls im Regen stehen müsse. Der Bau strahle eine schlechte Atmosphäre aus. Seine Verbesserungsvorschläge stiessen zwar kaum auf Resonanz. Eine Stimmbürgerin meinte aber, es könne ja nicht schaden, das Projekt nochmals an den Gemeinderat zurückschicken. Was dann schliesslich im Sinne der klaren Mehrheit nicht geschah.

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