Matzingen weiht die revidierte Orgel ein

Zum Abschluss der umfangreichen Orgelrevision lud die evangelische Kirchgemeinde zu einem Konzert zum Thema Arche Noah ein. Zur Musik gab es Erläuterungen von Historikerin Margrit Früh.

Christof Lampart
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Organistin Julia Gemperle spielt und singt ihre Komposition «The Promise». (Bild: Christof Lampart)

Organistin Julia Gemperle spielt und singt ihre Komposition «The Promise». (Bild: Christof Lampart)

Ein volles Gotteshaus an einem Sonntagabend. Und das erst noch während eines Orgelkonzertes. Was vielerorts heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist, war am Sonntagabend in Matzingen für einmal ganz anders. Und die zahlreich gekommene Zuhörerschaft musste ihr Erscheinen nicht bereuen. Denn «50 Jahre Orgel Matzingen» – so der Titel der Veranstaltung – war weit mehr als «nur» ein schönes Konzert. Es war darüber hinaus ein Gemeinschaftswerk aller als Kirchenmusiker bei der Evangelischen Kirchgemeinde Matzingen Beschäftigten, und zum anderen auch ein kunst- und kulturhistorischer Vortrag, den die frühere Konservatorin des Historischen Museums Thurgau, Margrit Früh, anhand diverser Kunstwerke, die sich mit der Arche Noah auseinandersetzen, auf eine ebenso charmante wie interessant-lehrreiche Art und Weise hielt. Der Anlass bildete den feierlichen Abschluss der mehrwöchigen Orgelrevision.

Eine Geschichte und viel Musik

Das rund 75 Minuten dauernde Erzählkonzert folgte chronologisch der biblischen Geschichte von Noah und seiner Arche. Die Bilder und Musikstücke fingen beim Gebot Gottes an, dass Noah eine Arche bauen soll, um sich, seine Familie und die Tierwelt zu retten. Und sie endeten beim Dankesopfer und dem Regenbogen am Ende der 40 Tage währenden Sintflut. Letzteres wurde sehr schön durch eine passende Eigenkomposition von Organistin Julia Gemperle (*1991) untermalt, die den Titel «The Promise» trägt und sich auf das Versprechen Gottes bezieht, die Menschheit nie wieder durch eine Sintflut auslöschen zu wollen.

Gemperle spielte das Stück nicht nur auf der Orgel, sondern sie sang auch gleich selbst dazu. An ihrer Seite musizierten alternierend Andrea Hofmann, Marc Bührer, Esther Sigg, Esther Müller, Ernst Ammann und Roger Ruffieux. Sie spielten Werke von Carl Czerny, Markus Frank Hollingshaus, Johann Pachelbel, Felix Mendelsohn Bartholdy und Remigio Nussio.

Kein Mensch, aber ein Salamander

Margrit Früh wiederum ging auf die verschiedenen Deutungen und damals durchaus ernsten, heute jedoch ziemlich skurril anmutenden Fragestellungen ein, mit denen sich die Theologen seit der Niederschrift der Bibel beschäftigt hatten. Musste Noah Fische mit auf die Arche nehmen? Wie viele Schafe waren notwendig, um die wilden Tiere und die Menschen im Schiff zu ernähren? Und schliesslich: Gab es die Sintflut überhaupt? Die Frage – welche Früh übrigens nicht beantwortete – war im 18. Jahrhundert für manche Gelehrte geklärt, welche in der Region Schaffhausen gefundene Versteinerungen Menschen zuschrieben, die in der Sintflut umkamen.

Laut Früh handelte es sich bei dem Fund tatsächlich um einen Leichnam – jedoch nicht um jenen eines Menschen. «Nach dem heutigen Stand der Forschung», so Margrit Früh lächelnd, «handelt es sich dabei um einen Riesensalamander».

MATZINGEN: Der Pfeifen-Kontrolleur

Ein Orgelbauer nimmt aktuell das Instrument in der evangelischen Kirche unter die Lupe. Dass die Orgel nach 50 Jahren noch so gut in Form ist, sei aussergewöhnlich und liege unter anderem an der Sauberkeit.
Christof Lampart