Fusion im Stillen: Zahl der Fischinger Werke massiv reduziert

Fünf Fischinger Wasser- und Elektrizitätswerke haben sich zu einer neuen Genossenschaft zusammengeschlossen.

Roman Scherrer
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E&W Dussnang: Eines der fünf Werke, die sich vereinen.

E&W Dussnang: Eines der fünf Werke, die sich vereinen.

Bild: Roman Scherrer

Was 2017 in weite Ferne gerückt schien, ist nun Tatsache: Fünf Fischinger Wasser- und Elektrizitätswerke haben sich zusammengeschlossen und bilden die Genossenschaft Energie Fischingen (siehe Kasten). Dies hatte sich schon eine Projektgruppe zum Ziel gesetzt, die sich im Frühling 2017 aufgelöst hatte, weil sie sich nicht auf eine Gesellschaftsform einigen konnte.

Roman Kaiser

Roman Kaiser

(Bild: Olaf Kühne)

Die Projektgruppe, welche vergangenes Jahr einen neuen Anlauf nahm, hat dagegen bereits Nägel mit Köpfen gemacht: Die neue Werk-Genossenschaft hat sich am 7. September gegründet. Das geschah quasi im Stillen: im überschaubaren Kreis von 22 Personen, den Vorständen der beteiligten Werke. «Hauptsächlich wegen Corona», erklärt der frisch gewählte Präsident der Genossenschaft, Roman Kaiser. Ziel sei es aber, die Genossenschaft möglichst bald den Mitgliedern sowie Strom- und Wasserbezügern zu öffnen. «Bisher ist viel im Hintergrund passiert», sagt Kaiser. «Es ist nun wichtig, dass wir die Bezüger und Grundeigentümer abholen.» Deshalb findet am 19.Oktober eine öffentliche Infoveranstaltung statt. Dabei möchte man auch Genossenschafter gewinnen, um das Unternehmen breit abzustützen. Roman Kaiser versichert allerdings, dass Genossenschafter gegenüber einfachen Bezügern keine monetären Vorteile haben werden. «Bei den Tarifen gibt es gewisse Vorgaben, da kann man nicht jemanden bevorzugen.»

Positiv überrascht über Interesse an Mitarbeit

Die Genossenschaftsverwaltung habe man ohne Probleme zusammensetzen können, erklärt Kaiser. So ist je eine Person der fünf bisherigen Werke vertreten. Hinzu kommen drei Leute aus der Bevölkerung. «Das haben wir in der Absichtserklärung festgelegt.» Auf den Aufruf, sich für den Einsitz in der Verwaltung zu melden, habe man sogar aus mehreren Bewerbungen aussuchen können. «Ganz anders als zum Beispiel bei öffentlichen Ämtern wie bei der Politischen oder Schulgemeinde», stellt Kaiser fest. «Wir waren positiv überrascht.» Auf der anderen Seite habe man von den bisherigen Werken niemanden zum Aufhören drängen müssen. «Wir hatten keine Kampfwahlen in die Verwaltung», berichtet Kaiser. Die bisherigen und abtretenden Vorstandsmitglieder nehmen nun eine Botschafterrolle ein. «Sie sollen die Idee des neuen Werks in ihrem Gebiet verkaufen.» Das sollte ihnen nicht schwerfallen, denn: «Alle bisherigen Vorstände stehen vorbehaltlos hinter dem Zusammenschluss und der Genossenschaft.»

Neues Werk kann Mitarbeiter übernehmen

Per Anfang 2021 soll die Genossenschaft Energie Fischingen ihre operative Arbeit aufnehmen. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun, wie Kaiser erklärt: «Der Versorgungsauftrag muss noch abschliessend definiert werden.» Zudem müssen der Wassertarif festgelegt, Reglemente erlassen und die Organisation der Geschäftsleitung bestimmt werden. Die drei Mitarbeiter des E&W Dussnang kann die Genossenschaft ebenso übernehmen wie den Brunnenmeister der Gemeinde.

Noch ist die Gründung der Genossenschaft Energie Fischingen aber nicht in trockenen Tüchern. Denn die Mitglieder der bisherigen Werke müssen der Fusion noch zustimmen. Das soll im Frühling 2021 passieren. Angesichts der Unterstützung, welche das Vorhaben geniesst, hat Roman Kaiser diesbezüglich aber keine Bedenken: «Wir gehen davon aus, dass es klappt.»

Ab 2021 sind in der Gemeinde noch drei Werke tätig

Auf dem Fischinger Gemeindegebiet sind derzeit noch sieben Werke als Wasser- und Stromversorger tätig. Fünf von ihnen werden sich ab Anfang 2021 in der Genossenschaft Energie Fischingen vereinen: die Wasserversorgung Fischingen, das E&W Dussnang, die Elektra Fischingen, die Elektra Au und die Wasserversorgung Berggebiet (als Teil der politischen Gemeinde keine eigene Institution). Kein Thema bei der Fusion ist die Wasserversorgung Turbenthal, welche für die Weiler Speck und Hamberg an der Grenze zum Kanton Zürich zuständig ist. Sie gehört zum Turbenthaler Gemeindewerk. Auch die Elektra-Genossenschaft Vogelsang ist nicht an der Fusion beteiligt. «Momentan können wir den Aufwand noch selber stemmen», erklärte Genossenschaftskassier Walter Falk vergangenes Jahr. Längerfristig schliesse man einen Zusammenschluss jedoch nicht gänzlich aus. (rsc)

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