Für Ramadan braucht es im Thurgau keinen Jokertag

Muslimische Kinder bekommen beim Fastenbrechen schulfrei. SVP-Politiker sehen christliche Schüler im Nachteil.

Silvan Meile
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SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen.

SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen.

Bild: Andrea Stalder

Die Thurgauer Volksschulen akzeptieren hohe religiöse Feiertage andersgläubiger Kinder als entschuldigte Absenzen. Betroffen sei meistens das Fastenbrechen des Ramadans, schreibt die Thurgauer Regierung in der Beantwortung einer Einfachen Anfrage der SVP-Kantonsräte Andrea Vonlanthen (Arbon) und Hermann Lei (Frauenfeld).

Für solch hohe religiöse Ereignisse, die nicht als christliche Feiertage im offiziellen Kalender berücksichtigt sind, müssen die Schüler keinen ihrer beiden Jokertage beziehen, mit denen sie zweimal im Jahr unbegründet dem Unterricht fernbleiben können.

Für Andrea Vonlanthen werden dadurch Kinder mit christlichem Glauben benachteiligt. Sie haben an diesen Tagen keinen Grund für eine entschuldigte Absenz.

«Gewisse Religionen und Volksgruppen geniessen dadurch Sonderrechte.»

In der damaligen Debatte im Grossen Rat, als über die Einführung der Jokertage diskutiert wurde, sei den Skeptikern versichert worden, dass Absenzen aufgrund religiöser Feste ausserhalb der offiziellen Feiertage als Jokertage bezogen werden müssen, sagt Vonlanthen.

Für die Klimademo ist ein Jokertag nötig

Die Regierung verweist in ihrer Argumentation auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie auf die Rechtssprechung des Bundesgerichts, wonach beispielsweise das Fastenbrechen Ramadan als entschuldigte Absenz gelte. Andernfalls seien Rechtsmittel möglich. Eine Benachteiligung für andere Schüler sieht der Regierungsrat durch die Gewährung einer entschuldigten Absenz für einen wichtigen religiösen Feiertag nicht, heisst es in der Beantwortung des Vorstosses.

Keine entschuldigte Absenz bekommen die Schüler für andere Anlässe.

«Für die Teilnahme von Klimademonstrationen gilt die Regel, dass dafür ein Jokertag einzusetzen ist.»

Die Jokertage gehen auf eine Motion aus dem Jahr 2013 zurück. Darin wurde die Regierung beauftragt, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit von Abwesenheit ohne Begründung einzuräumen. In seinem Vorstoss bemängelt Vonlanthen auch, dass die einzelnen Schulgemeinden die Jokertage unterschiedlich handhaben würden. Dem widerspricht der Regierungsrat. Die Unterschiede seien geringfügig und unproblematisch.

Zwei «Jokertage» für Thurgauer Schulkinder

FRAUENFELD. Thurgauer Schülerinnen und Schüler dürfen künftig an zwei Tagen pro Schuljahr ohne Angabe von Gründen im Unterricht fehlen. Der Grosse Rat hat die sogenannten «Jokertage» und weitere Änderungen des Volksschulgesetzes am Mittwochnachmittag diskutiert.

Ein Joker für Schüler und Eltern

FRAUENFELD. Schüler im Thurgau sollen für eine bestimmte Anzahl Tage ohne Begründung frei nehmen dürfen. Das fordert ein Vorstoss im Grossen Rat. Heute ist das nicht erlaubt. Es gibt aber Schulgemeinden, die solche Jokertage trotzdem eingeführt haben.
Christof Widmer