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Anwohner wehren sich gegen einen geplanten Windpark auf dem Seerücken: «Wir sind für den Schutz der Landschaft»

Auf dem Seerücken bei Salen-Reutenen sind sieben Windräder geplant. Eine Gruppe von Anwohnern wehrt sich gegen dieses Vorhaben. Am Samstag absolvierte sie einen letzten Protestmarsch.
Florian Beer
Die Visualisierung der Windpark-Gegner zeigt, wie die Windkraftanlagen auf dem Seerücken mit Sicht von der Insel Reichenau aussehen könnten. (Bild: PD/Pro Salen-Reutenen)

Die Visualisierung der Windpark-Gegner zeigt, wie die Windkraftanlagen auf dem Seerücken mit Sicht von der Insel Reichenau aussehen könnten. (Bild: PD/Pro Salen-Reutenen)

Samstagmorgen, 9 Uhr. Draussen sind es frostige minus fünf Grad, der Nebel hängt tief über den Thurgauer Wäldern und die Wege sind verschneit. Viele Menschen nutzen den Morgen, um auszuschlafen oder gemütlich das Wochenende einzuläuten.

Aber nicht alle. Eine kleine Gruppe von 13 besorgten Anwohnerinnen und Anwohnern hat sich in die Kälte gewagt, um sich über den geplanten Bau von sieben Windkraftwerken auf dem Seerücken bei Salen-Reutenen zu informieren.

Die geführte Exkursion wurde vom neugegründeten Verein «Pro Salen-Reutenen» organisiert und durchgeführt. Am Samstag fand der letzte von insgesamt sechs Märschen statt.

«Ich wohne hier in Salenstein und möchte mir eine fundierte Meinung über den geplanten Bau der Windräder machen», sagt Christof Roell, «aber was ich bisher gesehen habe, stimmt mich wenig positiv.» Auch andere Menschen aus den umliegenden Dörfern wollen sich ein genaues Bild vor Ort machen.

Für mehr als einen Informationsanlass reiche die Exkursion aber nicht. Oskar Broziat aus Fruthwilen sagt:

«Erst wenn sich viele Menschen beteiligen und sich dieser Widerstand auf mögliche Wahlergebnisse auswirkt, kann unser Anliegen Gehör finden und vielleicht etwas bewirken.»

Auch die anderen Mitwanderer sind enttäuscht, dass der letzte Spaziergang mit nur 13 Personen den Teilnehmerrekord stellt.

«Die Lebensqualität wird leiden»

Der Unternehmer Broziat ist sehr für alternative Energie, aber das Projekt mit den Windrädern auf dem Seerücken sieht er kritisch. «Man sollte sich lieber auf die Nutzung der Wasserkraft fokussieren», sagt er. Der Rhein sei eine weitaus grössere Energiequelle als das Gebiet rund um Salen-Reutenen.

Das ist auch die gängige Meinung beim Rest der Exkursionsteilnehmer. Hansueli Bichsler, Vorstandsmitglied von «Pro Salen-Reutenen» sagt:

«Wir engagieren uns nicht gegen alternative Energie, sondern für den Erhalt und Schutz der Landschaft.»

Vor allem die Nähe zu den Wohnsiedlungen störe ihn. «Ich bezweifle, dass die Lebensqualität dieselbe sein wird, wenn die Windräder erst einmal stehen», meint Alex Philipp, Arzt und ebenfalls Mitglied des Vorstandes. Auch er plädiert für einen stärkeren Fokus auf alternative Energiequellen wie Wasserkraft, Solarenergie und die Nutzung von Biomasse.

Die besorgten Anwohnerinnen und Anwohner informieren sich über den geplanten Bau von sieben Windkraftwerken. (Bild: Florian Beer)

Die besorgten Anwohnerinnen und Anwohner informieren sich über den geplanten Bau von sieben Windkraftwerken. (Bild: Florian Beer)

Geplant sind sieben Windräder mit einer Höhe zwischen 82 und 132 Metern, der Durchmesser des Rotors soll jeweils 136 Meter betragen. Die Investitionskosten belaufen sich dabei auf rund 52,5 Millionen Franken, die Lebensdauer der Windkraftwerke wird auf 20 Jahre geschätzt. Hinter dem Projekt stehen der Kanton, der Bund und die Genfer Stadtwerke.

Der Verein «Pro Salen-Reutenen» bekämpft die Pläne wegen der Nähe zu den bewohnten Weilern, dem damit verbundenen Infraschall, dem Schattenwurf und der Sichtbarkeit. Ausserdem stellten die Windräder eine Gefahr für die Vogelpopulationen sowie der Fledermaus-Kolonien dar. Zudem befürchte man, dass die geplante Energieanlage den Bau von weiteren animieren könnte, beispielsweise in Braunau-Wuppenau oder in Thundorf.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Laut dem Bundesamt für Energie betrug der Anteil von Windstrom an der gesamten Strompopulation im Jahr 2017 0.23 Prozent. Die sieben Windräder würden diesen Anteil auf 0.253 Prozent anheben.

Urs Ruch, der Aktuar und das Sprachrohr des Vereins «Pro Salen-Reutenen», meint, das Vorhaben sei mit viel Aufwand und wenig Ertrag verbunden. «Wir bezweifeln, dass es hier oben auf dem Seerücken genug Wind gibt, um den geschätzten Wirkungsgrad von 25 Prozent zu erreichen», sagt Ruch. Deshalb sei der Bau von sieben Windrädern hier weder produktiv, noch wirtschaftlich. Ruch fügt hinzu:

«Am Ende geht es sowieso nicht um den Strom, es geht hier nur ums Geld.»

Profitieren würden vor allem der Hersteller der Windräder, der Projektentwickler, die Landbesitzer und die Betreiber.

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