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Für den Menschen hinter den Schulden: Wenn Frauenfelder ihre Krankenkassen-Prämien nicht mehr bezahlen

Säumige Krankenkassen-Prämienzahler: Die Stadt Frauenfeld verstärkt ihre Bemühungen im Case-Management – unter anderem mit mehr Personal.
Mathias Frei
Immer im Portemonnaie dabei, nebst ID und Swisspass: die persönliche Krankenversicherungskarte. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Immer im Portemonnaie dabei, nebst ID und Swisspass: die persönliche Krankenversicherungskarte. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die nackten Zahlen sind das eine, die Schicksale hinter den unbezahlten Krankenkassenprämien das andere. Derzeit stehen in Frauenfeld 580 Personen (davon 100 Kinder) auf der schwarzen Liste. Sie haben ihre Krankenkassenprämien schon länger nicht mehr bezahlt. Wer auf der schwarzen Liste steht, wird nur im Notfall behandelt.

«Klassisch sind Beträge in der Grössenordnung von 5000 Franken. Aber wir hatten auch schon Fälle mit 25'000 Franken.»

Das sagt Urban Kaiser. Er leitet das städtische Amt für Alter und Gesundheit, dem die Abteilung Krankenkasse und AHV angegliedert ist.

Die Stadt hatte 2018 Ausgaben für Übernahmen von Verlustscheinforderungen und ungedeckten Krankheitskosten von 412'000 Franken. Derweil betrugen die Rückerstattungen 308'000 Franken: ein Minus von 104'000 Franken. Für heuer rechnet man mit Nettokosten von 200'000 Franken.

Für Krankenkassenbelange an den Rathausplatz 1

Bis zur Schaffung der Abteilung Krankenkasse und AHV im Jahr 2011 unter dem Dach des Departements für Alter und Gesundheit waren Belange im Bereich der Krankenversicherung auf mehrere Stellen in der städtischen Verwaltung verteilt. Involviert waren die Einwohnerdienste, das Finanzamt oder die Sozialen Dienste, eben etwa bei Prämienrückständen. Die Abteilung Krankenkasse und AHV war anfangs direkt der Departementsvorsteherin, Stadträtin Elsbeth Aepli, unterstellt. Seit es das Amt für Alter und Gesundheit gibt, ist die Abteilung Amtschef Urban Kaiser unterstellt. Seit kurzem leitet Sonja Dietrich die Abteilung Krankenkasse und AHV, die am Rathausplatz 1 domiziliert ist. Der Eingang ist an der Mittelgasse. (ma)

Der Betroffene muss den ersten Schritt machen

Das sind die Finanzen. Zu den Menschen sagt Urban Kaiser: «Ich habe in meinem Arbeitsalltag noch keinen einzigen Fall erlebt, bei dem ein säumiger Prämienzahler den Steuerzahler belasten wollte.» Und genau bei diesen Schicksalen setzt das Case-Management an. Basis bildet die schwarze Liste, die der Thurgau 2012 als erster Kanton eingeführt hat. Die schwarze Liste sei ein Dauerthema, komme auch immer wieder in Verruf, sagt Stadträtin Elsbeth Aepli als zuständige Departementsvorsteherin.

«Dabei ist das System an sich gut – aber nur, wenn auch richtiges Case-Management betrieben wird.»

Es werde versucht, jedem Betroffenen zu helfen, «wenn er auf uns zukommt». Das heisst: Der säumiger Prämienzahler muss eigenverantwortlich und kooperativ handeln, er muss den ersten Schritt machen. «Die Fälle werden immer mehr, die neuen Fällen werden immer komplexer, die Frankenbeträge steigen», stellt Stadträtin Aepli fest. Deshalb sei man zum Schluss gekommen, dass die personellen Ressourcen nicht mehr ausreichen. Im Budget 2020 ist nun eine neue 60-Prozent-Stelle fürs Case-Management beantragt. «Der Stadtrat steht hinter dem Antrag», sagt Aepli.

Schon vor 2020 gibt es eine neue Strategie für das Case-Management. «Unser vorrangiges Ziel ist es, die Fallzahlen zu senken, indem wir mehr Fälle abschliessen», sagt Kaiser. In der Tendenz sinken so auch die Kosten, mittel- und langfristig. Denn wie Aepli sagt, könne man nachhaltiges Case-Management auch als vorgelagerte Soziale Dienste betrachten, einfach niederschwelliger.

Neue Abteilungsleiterin mit Fachwissen

Die neue Strategie bildet sich zum einen in einer neuen Personalie ab. Nach einer längeren Vakanz konnte die Abteilungsleitung Krankenkasse und AHV mit einer Fachfrau neu besetzt werden: Sonja Dietrich. Sie hat ein 80-Prozent-Pensum, wovon sie 60 Prozent ins Case-Management investiert. Dietrich hat bisher im Case-Management einer kleineren Thurgauer Gemeinde gearbeitet. Sie sagt:

«Viele Fälle bedeutet auch viel Know-how.»

Zum anderen werden bei der Fallbewirtschaftung nebst der geplanten personellen Aufstockung auch die Prozessabläufe mittels Software-Nutzung verbessert. Man will enger mit den Sozialen Diensten zusammenarbeiten. Zudem sollen auch die Schnittstellen, etwa zum Steueramt oder den Einwohnerdiensten, gewinnbringender genutzt werden.

Stadträtin Elsbeth Aepli in der Diskussion mit Urban Kaiser, Amtsleiter Alter und Gesundheit, und Sonja Dietrich, Abteilungsleiterin Krankenkasse und AHV. (Bild: Mathias Frei)

Stadträtin Elsbeth Aepli in der Diskussion mit Urban Kaiser, Amtsleiter Alter und Gesundheit, und Sonja Dietrich, Abteilungsleiterin Krankenkasse und AHV. (Bild: Mathias Frei)

Wie Urban Kaiser aufzeigt, funktioniert das Case-Management aber bereits heute. 470 Personen sind aktuell eingebunden, erhalten Hilfestellung oder haben eine Rückzahlungsvereinbarung mit der Stadt. Die entsprechenden Kosten werden der Stadt vom Kanton teils rückvergütet. Anders sieht es bei den renitent unkooperativen, säumigen Prämienzahlern aus. Dort muss die Stadt letztlich 85 Prozent der Forderungen übernehmen. Und den Betroffenen ist trotzdem nicht geholfen.

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