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Funde aus der Spätbronzezeit, der Römerzeit und dem Mittelalter: Taucharchäologen haben den Mäuseturm vor Güttingen enträtselt

Die Archäologen des Kantons Thurgau beenden die Untersuchungen im Bodensee vor dem Hafen Güttingen. In jährlichen Kampagnen fanden sie seit 2017 in der Umgebung vom sogenannten Mäuseturm Hinweise auf Pfahlbauer, Römer und das Mittelalter.

Larissa Flammer
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Video des Thurgauer Amts für Archäologie mit Erklärungen (Ton).

Etwa 240 Meter vor dem Güttinger Ufer liegen knapp unter der Oberfläche des Bodensees die Reste des Mäuseturms. Das Thurgauer Amt für Archäologie schickte im Winter 2017 Taucher dorthin, um zu sehen, was überhaupt noch zu finden ist.

Untersuchungen der massiven Eichenpfähle von der 15 mal 15 Meter grossen Untiefe ergaben dann, dass der Mäuseturm aus dem 11.Jahrhundert stammt. Er war von mehreren Palisaden umgeben. Funde von mittelalterlichen Gefässen bezeugen, dass der Turm bewohnt war.

Ein Taucharchäologe bei der Arbeit unter Wasser.

Ein Taucharchäologe bei der Arbeit unter Wasser.

Bild: PD

«Dann fanden wir plötzlich auch Holz aus der Spätbronzezeit», sagt Simone Benguerel vom Amt für Archäologie. In jährlichen Tauchkampagnen konnte seither in der Umgebung des Mäuseturms ein grosses Pfahlfeld aus der dieser Zeit dokumentiert werden. Benguerel sagt:

«Es gab dort mehrere Pfahlbaudörfer.»

In einer Medienmitteilung schreibt das Amt, dass die taucharchäologischen Untersuchungen Ende April abgeschlossen wurden. Über 2300 Hölzer von Pfahlbausiedlungen aus der Zeit von etwa 1100 bis 930 vor Christus wurden vermessen und beprobt.

Beile aus der Spätbronzezeit.

Beile aus der Spätbronzezeit.

Bild. PD

Zu den wichtigsten Funden gehören mehrere Lappenbeile aus Bronze oder bronzene Schmucknadeln. Ein kleines Stück Goldblech, das vielleicht ursprünglich als Dekor eines anderen Gegenstandes diente, wird derzeit noch genauer untersucht. Anhand der gesammelten Daten versuchen die Archäologen nun herauszufinden, wie die Siedlungsstrukturen aussahen.

Das Goldblech wird noch untersucht.

Das Goldblech wird noch untersucht.

Bild: PD

Die Römer haben dort vielleicht Waren umgeladen

Neben Funden aus der Spätbronzezeit und dem Mittelalter brachten die Archäologen auch Gegenstände aus der Römerzeit zu Tage. Es gibt ein weiteres Pfahlfeld mit Hölzern aus dem 2. oder 3.Jahrhundert nach Christus. Von der römerzeitlichen Nutzung der Untiefe beim Mäuseturm zeugen zudem Gefässscherben und Ziegelfragmente, ist der Medienmitteilung zu entnehmen.

Schwellhölzer des Mäuseturms.

Schwellhölzer des Mäuseturms.

Bild: PD

Gemäss Benguerel gab es um den Bodensee mehrere Siedlungen der Römer. «Und die waren sicher durch Schiffsverkehr verbunden.» Auch habe im ganzen römischen Reich der Handel grosser Warenmengen über das Wasser stattgefunden. Vielleicht habe es bei Güttingen eine Umladestelle vom Schiff- auf den Landverkehr gegeben. «Wir können es nicht beweisen», sagt Benguerel.

Häfen der Römer habe man am Bodensee noch keine gefunden und auch Wracks aus dieser Zeit seien bisher nicht aufgetaucht. Die Archäologin erklärt:

«Das kann damit zu tun haben, dass der Bodensee sehr dynamisch ist.»

Der über die Jahre schwankende Pegelstand und die Sedimente könnten das Holz fast gänzlich abgeschliffen oder begraben haben.

In diesem Jahr wurden die Arbeiten aufgrund der regelmässigen Bise unter erschwerten Bedingungen durchgeführt. Trotzdem sind die taucharchäologischen Arbeiten beim Mäuseturm nun vorläufig beendet. Das Amt möchte weitere solche Fundstellen entdecken.

Über den Fundstellen wird ein Floss verankert, zu dem die Taucher ihre Funde bringen.

Über den Fundstellen wird ein Floss verankert, zu dem die Taucher ihre Funde bringen. 

Bild: Gian Ehrenzeller/KEY (11.April 2019)

Für weitere Eindrücke der taucharchäologischen Untersuchungen beim Mäuseturm stehen auf der Homepage des Amts für Archäologie ab dem 11.Mai Filme zu Verfügung. (www.archaeologie.tg.ch).

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