Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Für Thurgauer Regierung ist Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg zurzeit kein Thema

Der Thurgauer Regierungsrat ist der Auffassung, dass keine weiteren Schritte zur Aufarbeitung der Thurgauer Flüchtlingspolitik während der Nazizeit erforderlich sind. Er verweist auf bisherige Forschungen und fehlende Quellen. Für die Vermittlung vertraut er den Lehrern.
Thomas Wunderlin
Hier war die Flucht oft zu Ende: Grenzzaun Kreuzlingen/Konstanz. (Bild: Susann Basler)

Hier war die Flucht oft zu Ende: Grenzzaun Kreuzlingen/Konstanz. (Bild: Susann Basler)

Der Thurgauer Regierungsrat muss sich nicht vorwerfen lassen, die kantonale Flüchtlingspolitik während des Naziregimes unter den Tisch kehren zu wollen. Der Romanshorner EDU-Kantonsrat Daniel Frischknecht wollte dazu genauere Auskunft. In der Überschrift seiner Einfachen Anfrage fragte er: «Ehrliche Aufarbeitung oder verdrängendes Schweigen?»

Dass die erste Antwort die richtige ist, dazu leistete unter anderem der frühere SP-Regierungsrat Claudius Graf-Schelling einen wichtigen Beitrag. So äusserte er sich am 17. November 2005 kritisch zur Aktenvernichtung des früheren Thurgauer Polizeikommandanten Ernst Haudenschild. Der Historische Verein des Kantons Thurgau publizierte das Referat in Zusammenhang mit der Jahresversammlung 2006.

Polizeiakten wurden gesetzeswidrig vernichtet

Zuvor schon gab der Regierungsrat am 12. September 2002 eine Grundsatzerklärung zum staatlichen Umgang mit Geschichte ab. Dabei bezog er sich auf den Schlussbericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg, der Bergier-Kommission. Darin hob er die Bedeutung eines unvoreingenommenen Umgangs mit Forschungsresultaten hervor, auch dann, wenn sie wenig schmeichelhaft seien.

Im Falle des Kantons Thurgau sei solches namentlich wegen dessen restriktiver Flüchtlingspolitik zwischen 1933 und 1945 der Fall. Gemäss dieser Erklärung wurden die Fremdenpolizeiakten Ende der 1950er-Jahre gesetzeswidrig vernichtet. Damit fehlen die wichtigsten Quellen, mit denen die Thurgauer Flüchtlingspolitik während des Holocausts hätte untersucht werden können.

Der Regierungsrat erwähnt die beiden Stellungnahmen in seiner Antwort auf Frischknechts Anfrage.

Thurgau unterstützt Jüdisches Museum

Weiter führt er darin das Forschungsprojekt von Gregor Spuhler über den jüdischen Flüchtling Rolf Merzenbacher auf, das der Regierungsrat 2002 mit 50'000 Franken unterstützte. Ausserdem sprach er dem Jüdischen Museum in Gailingen und dem angegliederten Dokumentationszentrum 2010 einen Kredit von 30'000 Franken zu, wie es in der regierungsrätlichen Antwort heisst, «nicht zuletzt im Bewusstsein darum, dass die Erforschung des jüdischen Lebens am Hochrhein und die verschiedenen Beziehungen der ehemals dort ansässigen jüdischen Gemeinschaften zum Kanton Thurgau durch die erwähnte Aktenvernichtung erschwert sind».

Nach Auffassung des Regierungsrats erscheinen deshalb in Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik während der Nazi-Zeit keine weiteren Schritte mehr erforderlich.

Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg ist Teil des Lehrplans

Was die Vermittlung in den Thurgauer Schulen betrifft, so ist der Regierungsrat überzeugt, dass die Lehrer «dieses Thema im Unterricht gebührend und mit kritischer Distanz würdigen». Im Fachbereich «Räume und Zeiten» gebe es keine Lehrmittelobligatorien, und der Kanton Thurgau produziere zudem keine eigenen Geschichtslehrmittel. Die kritische Betrachtung der Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs habe aber durchaus Eingang in die gängigen Lehrmittel gefunden.

Sie gehöre auch zu den Kompetenzzielen des Lehrplans der Sekundarstufe. Im digitalen Lehrmittel «Thurgau du Heimat» werden am Rande auch geschichtliche Themen behandelt. Bei einer Überarbeitung könnten «gegebenenfalls auch neue geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse mit Bezug zum Kanton Thurgau berücksichtigt werden».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.