Für Normalo-Kunden soll’s günstiger werden, und ein bitzeli Biogas wird Standard: So will der Frauenfelder Stadtrat das Gas-Tarifreglement anpassen

Die Gasmarktöffnung im Visier: Mit einer Reglementsrevision will der Stadtrat Gaskunden verursachergerechter und damit fairer zur Kasse bitten.

Mathias Frei
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Am Eingang des Areals der Werkbetriebe Frauenfeld.

Am Eingang des Areals der Werkbetriebe Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Es wird nicht einfacher, das Gasgeschäft – das gilt auch für die Werkbetriebe Frauenfeld (WBF). Der Stadtrat legt dem Gemeinderat deshalb das teilrevidierte Reglement «über den Tarif für die Abgabe von Erdgas und Biogas» vor. Biogas ist neu Teil der Reglementsbezeichnung. Wie der Botschaft zu entnehmen ist, soll das angepasste Reglement auf kommenden Juli in Kraft treten – und damit vor dem seit Anfang Juli 2019 in Form einer Botschaft vorliegenden neuen Werkbetriebe-Reglement rechtskräftig werden.

Von heute drei zu neu 24 verschiedenen Tarifen

Aktuell gibt es in Frauenfeld drei Tarife für Gasbezüger. Einziges Kriterium ist die Bezugsmenge pro Jahr: bis 2160 Kilowattstunden (kWh), über 2160 kWh und über 100'000 kWh. Neu gibt es insgesamt 24 Tarife. Für Kleinbezüger (bis 1 Million kWh/Jahr) ist es der Tarif A, ohne Messung der Leistungsspitze. Grossbezüger (über 1 Millionen kWh/Jahr) fallen in den Tarif B. Beide Tarife werden zudem unterteilt in eine Anwendung Heizen mit einem Zusatz von zehn Prozent Biogas und in «alle Anwendungen ausser Heizen» ohne Biogas. Bei Tarif A gibt nur die jährliche Bezugsmenge den Ausschlag für den Endtarif. Bei Tarif B sind die Bezugsmenge und die Leistungsspitze relevant. Im Tarif B gibt es zwei Sonderfälle. 1. Die Bezugsmenge liegt unter 1 Million kWh/Jahr, die Leistungsspitze ist aber hoch. 2. Die Bezugsmenge liegt unter 1 Million kWh/Jahr, die Anlage ist aber durch die Werke abschaltbar. (ma)

Das teilrevidierte Erd- und Biogas-Tarifreglement bereite die WBF auf die bevorstehende Öffnung des Schweizer Gasmarkts vor. Zudem würden die Werke befähigt, ihre Versorgungsleistungen verursachergerechter zu verrechnen. Und so schreibt es der Stadtrat in der Botschaft an den Gemeinderat:

«Im Weiteren bedeutet das neue Reglement in Einklang mit den Legislaturschwerpunkten auch einen ersten Schritt zur Ökologisierung des gasversorgten Wärmemarktes für Gebäude.»
Leitungsrohre auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld.

Leitungsrohre auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Freie Wahl ab 100'000 Kilowattstunden pro Jahr

Der Bundesrat sieht im Entwurf eines Gasversorgungsgesetzes (Stand: Oktober 2019) vor, dass Gasbezüger von mehr als 100'000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr den Lieferanten frei wählen dürfen. Eine rudimentäre Regelung in Form einer Pflicht von Durchleitung für Dritte gibt es aber bereits. Mit dem Bundesgesetz soll eine «gesetzliche Unsicherheit» aus dem Weg geräumt werden.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werkbetriebe Frauenfeld. .

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werkbetriebe Frauenfeld. .

(Bild: Andrea Stalder)

In Frauenfeld gibt es laut Botschaft rund 400 Bezüger von mehr als 100'000 kWh/Jahr. Die WBF respektive das Departement für Werke, Freizeitanlagen und Sport können heute schon mit marktberechtigten Kunden individuelle Lieferverträge abschliessen. Ebenfalls ist es ihnen erlaubt, Netze Dritter zu nutzen oder Dritten ihr Netz zur Verfügung zu stellen. Indes besteht Handlungsbedarf bei der korrekten Abrechnung von Netznutzung und Energielieferung. Die strukturelle Zweiteilung in ein Entgelt für die Energie und ein Entgelt für die Netznutzung kommt nun im teilrevidierten Reglement. Eine weitere Änderung soll es mit der Leistungsmessung als Tarifkriterium geben. Bislang war nur die bezogene Menge tarifrelevant. In der Botschaft heisst es dazu:

«Die Kosten des Versorgungsnetzes werden aber massgeblich durch seine Dimensionierung bestimmt, das heisst: durch die Leistungsspitze, die an den kältesten und verbrauchsintensivsten Wintertagen garantiert werden muss.»

Die heute noch geltenden Tarife würden Bezüger mit unregelmässigem Verbrauch bevorzugen.

Ein neuer Umstand, dem durch das teilrevidierte Reglement Beachtung geschenkt wird, ist der zukünftig beabsichtigte Zusatz von zehn Prozent Biogas als Standard bei der Heizanwendung. Heute gibt es keine Frauenfelder Standardprodukt mit Biogas-Zusatz.

Gasflaschen auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld.

Gasflaschen auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Ein Drittel des Biogases wird lokal produziert

Peter Wieland, Geschäftsführer Werkbetriebe Frauenfeld.

Peter Wieland, Geschäftsführer Werkbetriebe Frauenfeld.

(Bild: PD)

Einen Drittel des neu benötigten Biogasbedarfs liefern die Kompogas AG in Oberwinterthur, an der Frauenfeld beteiligt ist, und die Zuckerfabrik. Zwei Drittel werden auf dem europäischen Markt zertifiziert eingekauft. Biogas kostet im Einkauf mehr als konventionelles Erdgas. 2020 rechnen die WBF mit 6.7 Rappen/kWh Biogas. Bei zehn Prozent Zusatz liegt der Aufpreis also bei 0.67 Rappen.

Die neue Staffelung der Tarife hat unterschiedliche Auswirkungen für die Bezüger. Bei der Heizanwendung zahlt man zwischen 46 Prozent weniger bis 23 Prozent mehr. Bei allen anderen Anwendungen wird die kWh zwischen 46 Prozent günstiger bis 16 Prozent teurer. In beiden Fällen kommen Kleinbezüger besser weg als bisher.

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