Für mehr Sicherheit auf dem Hochrhein entfernen Behörden einzelne Wiffen, testen neuartige Boje und setzen auf Prävention

Nach etlichen Unfällen auf dem Hochrhein zwischen Eschenz und Schaffhausen, teils mit tödlichen Folgen, ergreifen die zuständigen Behörden Massnahmen. 

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Die Thurgauer Seepolizei während der Bergung eines mit einer Wiffe kollidierten Bootes.

Die Thurgauer Seepolizei während der Bergung eines mit einer Wiffe kollidierten Bootes.

(Bild: PD, März 2018)

(red/sko) Der Rhein ist nicht nur schön und idyllisch, sondern er stellt für Schwimmer und Bootsführer auch ein anspruchsvolles und gefährliches Gewässer dar. In den vergangenen Jahren haben sich auf dem Fliessgewässer zwischen Eschenz und Schaffhausen etliche Unfälle ereignet, teils mit tödlichen Folgen.

Nun treffen die Behörden der Kantone Schaffhausen, Thurgau und des Landkreises Konstanz zusammen mit der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) neue Massnahmen zugunsten der Verkehrssicherheit auf dem Hochrhein, wie sie in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben.

Drei Massnahmen für mehr Sicherheit

Auf die kommende Bade- und Schifffahrtssaison hin – vorausgesetzt die Corona-Krise lässt eine solche zu – wird eine neue Präventionskampagne gestartet. Zudem wird die Anzahl Schifffahrtszeichen – sogenannte Wiffen – reduziert. Auf die Saison 2021 hin wird zudem ein Praxistest mit einer neuen Versuchsboje lanciert, heisst es weiter.

Mobile Transparente an bestimmten Standorten am Rheinufer.

Mobile Transparente an bestimmten Standorten am Rheinufer.

(Bild: PD)
  1. Prävention ist eine Daueraufgabe. Auf die bevorstehende Sommersaison hin sind neue Präventionsmassnahmen geplant. So sind an einzelnen Standorten am Rheinufer gut sichtbare Transparente mit Verhaltenshinweisen vorgesehen. «Auch die Kursschiffe der URh sollen als Informationsträger genutzt werden», teilen die Behörden mit.
  2. Fahrwasserzeichen – starre Wiffen aus Eichenpfählen – sind für die Schifffahrt auf dem Rhein unverzichtbare Navigationshilfen. Die Kapitäne der Kursschiffe müssen aufgrund von Untiefen und Strömungsänderungen metergenau navigieren können, dies auch bei schlechten Sichtverhältnissen und in der Nacht. «Im Fliessgewässer Rhein kann die Sicherheit ohne Fahrwasserzeichen nicht gewährleisten werden», heisst es in der Mitteilung. Sie bergen jedoch ein gewisses Gefahrenpotenzial für den Freizeitverkehr auf dem Fluss. Deshalb haben Experten von Tiefbau Schaffhausen und der URh die Notwendigkeit jeder einzelnen Wiffe zwischen Eschenz und Schaffhausen neu beurteilt. In Abwägung der Risiken kommen die Experten zum Schluss, dass von den insgesamt fünfzig Wiffen voraussichtlich deren sechs entfernt werden können. «Vier Wiffen, die Nummern 41, 71, 73 und 79, können ohne Begleitmassnahmen kurzfristig entfernt werden.» Bei weiteren zwei Wiffen, den Nummern 47 und 53, müssen vorgängig noch Abklärungen zu Hindernissen am Grund (Findling oder Fels) gemacht werden, weshalb die Entfernung voraussichtlich erst im nächsten Winter erfolgen kann.
  3. Weiter ist auf die Saison 2021 ein neuer Praxistest mit einer Boje mit ovaler Form zur besseren Stabilität geplant. Der Bojentest ist über eine Dauer von mindestens zwei Saisons vorgesehen, um die Praxistauglichkeit bei Nieder- und Hochwasser nachzuweisen. Die Behörden haben bereits in den vergangenen Jahren alternative Schifffahrtszeichen geprüft, unter anderem auch eine Wiffe mit Drehkörper. Die Versuche waren allerdings nicht erfolgreich. Entweder haben sich die Alternativen in der Praxis nicht bewährt oder sie führten zu anderen, mit Wiffen vergleichbaren Risiken.
Vorgesehener Versuchsbojentyp (Abmessungen von L/B/H 140/70/260 cm, Farben werden angepasst, weiss-grünes und reflektierendes Signal wird angebracht).

Vorgesehener Versuchsbojentyp (Abmessungen von L/B/H 140/70/260 cm, Farben werden angepasst, weiss-grünes und reflektierendes Signal wird angebracht).

(Bild: PD)

Untiefen, Hindernisse und starke Strömungen

Auf dem Rheinabschnitt gibt Untiefen und natürliche Hindernisse unter Wasser, die eine Gefahr darstellen. Insbesondere bei hoher Wasserführung gibt es auch starke Strömungen, die ein beachtliches Gefahrenpotenzial aufweisen können. Zu beobachten ist, dass der Nutzungsdruck auf dem Rhein in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Die zuständigen Behörden gehen von einer Verdoppelung der Freizeitboote auf dem Rhein gegenüber vor zehn Jahren aus.

Auch die Anzahl Schwimmerinnen und Schwimmer ist angestiegen. «Mit der intensiveren Freizeitnutzung des Hochrheins ist leider auch die Wahrscheinlichkeit von Boots- und Badeunfällen grösser geworden», schreiben die Behörden. Umso wichtiger sei es, die Schwimmerinnen und Schwimmer und Bootsführerinnen und -führer immer wieder auf die Gefahren aufmerksam zu machen und an die Eigenverantwortung zu appellieren.

An den Schifffahrtszeichen auf dem Hochrhein scheiden sich nach einem tödlichen Unfall die Geister

In diesem Jahr haben sich auf der Hochrheinstrecke zwischen Öhningen und Büsingen zahlreiche Unfälle ereignet. Häufiger Grund für die Zwischenfälle waren die 50 grün-weissen Schifffahrtszeichen, welche motorisierten Gefährten den Weg vorbei an Untiefen und Steinen weisen. Als Folge einer Kollision mit einer sogenannten Wiffe verlor zuletzt ein 25-Jähriger sein Leben.
Samuel Koch