Für Marcel Hug ist die Topform nicht mehr entscheidend

Der Thurgauer Rollstuhl-Leichtathlet Marcel Hug muss wegen des Coronavirus in den eigenen vier Wänden trainieren. Das verlangt nach neuen Ideen. Besonders, wenn es um die Regeneration geht.

Jörg Greb
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Der Thurgauer Rollstuhlsportler Marcel Hug musste wegen des Coronavirus seinen Trainingsalltag anpassen.

Der Thurgauer Rollstuhlsportler Marcel Hug musste wegen des Coronavirus seinen Trainingsalltag anpassen. 

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Für die Rollstuhlsportler haben sich Alltag und Gedankenwelt mit dem Coronavirus einschneidend verändert. Auch der Pfyner Marcel Hug ist von der Pandemie und ihren Folgen betroffen. Am Marathon in Tokio Ende Februar hat er wegen der unsicheren Lage nicht teilgenommen und die zwei weiteren Frühlings-Marathons in Boston und London sind auf den Herbst verschoben worden.

Der Trainingsalltag erfuhr mittlerweile strikte Vorgaben. Die Indoor-Möglichkeiten, insbesondere in der neuen Trainingshalle in Nottwil, sind geschlossen worden. Ebenso ist die Leichtathletikbahn gesperrt, die Fitnessstudios sind zu. Und zu guter Letzt sind nun die Olympischen Spiele in Tokio und damit auch die Paralympics verschoben worden.

Ungewohnte Umgebung: Marcel Hug trainiert von zu Hause aus weiter.

Ungewohnte Umgebung: Marcel Hug trainiert von zu Hause aus weiter.

Bild: Marcel Hug/Facebook

«Wir suchten frühzeitig nach Alternativen»

Von Panik, Resignation oder gar Depression ist bei Hug aber nichts zu spüren. «Uns geht es gut und im Vergleich zu anderen haben wir es geradezu vorzüglich», sagt der Thurgauer. Zum Nichtstun veranlasst sieht er sich nicht. «Die Entwicklung hat sich abgezeichnet und wir suchten frühzeitig nach Alternativen.» Unter der Federführung von Trainer Paul Odermatt wurden die Rollen für das Indoor-Training bereits vor den Massnahmen des Bundesrates in den Wohnungen diverser Leistungssportler gebracht und installiert. Gleiches geschah mit anderen Trainingsgeräten wie Handkurbeln oder Ercolina, eine Art Kabelzug, wie es die Langläufer nutzen.

So fordert sich Hug vorwiegend in den eigenen vier Wänden – nach den Plänen seines Coachs. Schwierigkeiten, sich zu motivieren, hat er nicht. «Ich staune selber, wie hoch sich mein Motivationslevel befindet», sagt Hug. Er hofft, das halte so an. «Vom zeitlichen Aufwand her hat sich wenig geändert.» Zwei Einheiten je anderthalb Stunden pro Tag stehen an sechs Wochentagen auf seinem Programm. Natürlich gibt es Nachteile durch die neue Konstellation. Zum Beispiel fallen direkte persönliche Kontakte weg. Doch damit kann Hug umgehen. «Sport ist unser Beruf, ist unsere Passion», sagt er. «Langweilig geworden ist mir noch nie und das Gefühl, die Decke falle mir auf den Kopf, habe ich sowieso nicht.» Problematisch werden könnte allenfalls, dass auch die Möglichkeiten zur Regeneration wie etwa Physiotherapie wegfallen. Diesen Nachteil versucht Hug mit Eigenmassage und sonstigen Massnahmen zu kompensieren.

Vorfreude auf Herbst-Marathons treibt an

Plötzlich verändert hat sich mit den neuen Umständen der Fokus. «Es geht jetzt nicht darum, sich in Hochform zu bringen und ein letztes Prozent herauszukitzeln. Gefragt ist, den Stand und die gute Basis zu konservieren», so Hug. Dabei erachte er es als willkommen, dass er auch in die Natur hinauskönne, in Velobegleitung seines Trainers Odermatt – natürlich in gebührendem Abstand.

Der Thurgauer setzt nun grosse Hoffnungen auf die Marathons – darauf, dass sie im Herbst durchgeführt werden können und dass dann London und Boston wie angedacht nachgeholt werden. Diese ferne Perspektive treibt ihn an, nährt seine Motivation – und die Hoffnung, die finanziellen Einbussen liessen sich dann kompensieren.