Für Hinterthurgauer Bezirksparteien geht es bei Listenverbindungen um mehr als nur Arithmetik

Mit FDP und GLP geben die ersten Hinterthurgauer Bezirksparteien ihre Listenverbindung bekannt. Auch Grüne und SP spannen zusammen. Weitere Parteien sind noch in Gesprächen.

Olaf Kühne
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Standesgemäss in der Münchwiler Villa Sutter: Die GLP- und FDP-Vorstände Hanspeter Wehrle, Alexander Sigg (stehend), Robert Meyer, Harry Stehrenberger, Michael Haldemann und Bruno Lüscher besiegeln ihre Listenverbindung.

Standesgemäss in der Münchwiler Villa Sutter: Die GLP- und FDP-Vorstände Hanspeter Wehrle, Alexander Sigg (stehend), Robert Meyer, Harry Stehrenberger, Michael Haldemann und Bruno Lüscher besiegeln ihre Listenverbindung.

Bild: PD

Um Arithmetik geht es schon auch. Aber nicht nur. Oder besser: Nicht mehr nur. Dies erklärt der Aadorfer FDP-Kantonsrat und -Vorstand Bruno Lüscher, angesprochen auf einen bemerkenswerten Satz in der gemeinsamen Medienmitteilung von FDP und GLP Hinterthurgau: «Im Nachgang zu den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2019 ist die FDP des Bezirks Münchwilen über die Bücher gegangen.»

Damals ging die FDP eine Listenverbindung mit SVP und EDU ein – mit dem bekannten Resultat: Der Wallenwiler FDP-Nationalrat Hansjörg Brunner verpasste die Wiederwahl. Bruno Lüscher, selten um markige Worte verlegen, sagt denn auch:

«Es war die falsche Listenverbindung!»

Lieber hätte man – wie 2015 – mit CVP und GLP zusammengespannt, erhielt jedoch von den Christdemokraten einen Korb. Gar einen Auftrag erhielt der Vorstand der Freisinnigen im November von seiner Parteibasis: Für die anstehenden Kantonsratswahlen keine Listenverbindung mehr mit SVP und EDU eingehen.

«Wir hörten an der Parteiversammlung vor allem, dass man mit diesen beiden Parteien inhaltlich zu wenig übereinstimme», sagt Bruno Lüscher. Arithmetische, sprich wahltaktische Überlegungen spielten hingegen kaum eine Rolle.

Nun also mit den Grünliberalen. Klar gehe es auch in dieser Liaison um Rechnerisches, sagen Lüscher und GLP-Präsident Michael Haldemann übereinstimmend – aber eben nicht nur. «Wir sind beide liberal-ökologisch», sagt Haldemann. «Wir setzen gegen den Klimawandel auf Anreize anstatt auf Verbote.»

Zwar hätten bezüglich Listenverbindung auch Gespräche mit CVP, EVP und Grünen stattgefunden. «Aber mit der im Hinterthurgau sehr starken CVP wären wir bloss Juniorpartner gewesen, deshalb hatten wir auch zuerst die FDP angefragt.»

Zweiter Sitz «im Bereich des Möglichen»

In dieser Konstellation erachte man nun sogar einen zweiten Sitz für die Hinterthurgauer Grünliberalen – der Eschliker alt Gemeindeammann Robert Meyer ist derzeit der einzige Kantonsrat – als «im Bereich des Möglichen». Mehr um Sitzerhalt denn um Sitzgewinn macht sich hingegen FDP-Mann Lüscher Gedanken. Gilt es doch für die Freisinnigen, auf den Verzicht des zurücktretenden Münchwiler Gemeindepräsidenten Guido Grütter zu reagieren.

Um dessen Sitz zu verteidigen, rangiert gleich hinter den beiden bisherigen Bruno Lüscher und Cornelia Hasler-Roost Bezirkspräsident Harry Stehrenberger auf der FDP-Liste; gefolgt vom Münchwiler Schulpräsidenten Lukas Weinhappl und vom Wängemer Gemeindepräsidenten Thomas Goldinger.

Bei den Grünliberalen wiederum spekulieren hinter dem bisherigen Robert Meyer Bezirkspräsident Haldemann sowie der Eschliker Gemeinderat Alexander Sigg auf den besagten erhofften Sitzgewinn.

Noch bleibt Zeit für Listenverbindungen

Noch bis am kommenden Montag bleibt den Bezirksparteien Zeit, hinsichtlich der Kantonsratswahlen vom 15. März ihre Listenverbindungen bei der Thurgauer Staatskanzlei einzureichen. Entsprechend lautet die Antwort der meisten Hinterthurgauer Bezirksparteipräsidenten denn auch: Wir sind noch in Gesprächen.

Cornel InauenVorstandsmitglied SVP Bezirk Münchwilen

Cornel Inauen
Vorstandsmitglied SVP Bezirk Münchwilen

(Bild: Reto Martin)

So sagt beispielsweise SVP-Vorstand und Kantonsrat Cornel Inauen, dass man noch mit EDU und FDP am Sprechen sei. Wie sehr indes die Freisinnigen – nach der Bekanntgabe der Verbindung mit der GLP – noch an einer Zusammenarbeit mit der SVP interessiert seien, bleibe allerdings fraglich. Ebenfalls noch «in Gesprächen» steckt die CVP. Vornehmlich mit der EVP, wie Interimspräsident Paul Rutishauser auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt – und: «Eventuell auch mit der EDU.»

Zu unterschiedliche Interpretation

Eine Listenverbindung mit der EDU – wie noch vor vier Jahren – kommt hingegen heuer für die Hinterthurgauer EVP nicht mehr in Frage. Zwar muss die EVP im Gegensatz zur EDU mit Iwan Wüst erneut ohne Bisherigen antreten. EVP-Bezirkspräsident Mathias Dietz sagt aber: «Viele von uns sind der Meinung, dass wir ‹christliches Gedankengut› doch zu unterschiedlich interpretieren.»

Noch nichts kommuniziert bezüglich Zusammenarbeit haben auch SP und Grüne. Allerdings sind just die beiden Linksparteien die einzigen, die auf den gestern durch den Kanton veröffentlichten Kandidatenlisten mit einer offiziellen Listenverbindung figurieren.

Dies bestätigt Grünen-Bezirkspräsident Beat Imhof auf Anfrage. «Grüne und SP ist eine seit Jahrzehnten gepflegte Koalition», sagt er, «mal mehr, mal weniger.» Inhaltlich stimme man sowieso stark überein, «insbesondere bei sozialen Themen». Imhof sagt aber unumwunden, dass für ihn Listenverbindungen rein arithmetisches Kalkül sind:

«Es geht in allererster Linie um die Restmandate, wenn wir ehrlich sind.»
Beat ImhofBezirkspräsident Grüne Münchwilen

Beat Imhof
Bezirkspräsident Grüne Münchwilen

(Bild: PD)

Für ihn wären deshalb auch Listenverbindungen mit weit mehr Parteien als nur mit der SP in Frage gekommen: «Ausser mit den ganz Rechten natürlich. Ein bisschen Glaubwürdigkeit gehört nebst aller Arithmetik halt schon auch dazu.»

Trotz grüner Welle und der überraschenden Wahl von Kurt Egger in den Nationalrat will sich Imhof nicht allzu euphorisch geben. «Es wäre schön, wenn wir unsere zwei Sitze halten können», sagt er. Immerhin steht für dieses Ziel der für Kurt Egger nachrückende Bernhard Braun bereits als Bisheriger auf der offiziellen Liste.