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Für Herdemer Heumilch ist weniger mehr

Drei Milchbauern im Dorf setzen auf das Label Heumilch mit Kühen, die hauptsächlich Gras fressen. Abnehmer ist die Schlosskäserei.
Christine Luley
Käser Arnold Bänteli mit seinen Heumilchlieferanten Peter Furger, Franz Frey und Roman Regenscheit. (Bild: PD)

Käser Arnold Bänteli mit seinen Heumilchlieferanten Peter Furger, Franz Frey und Roman Regenscheit. (Bild: PD)

Um weiterhin im Markt bestehen zu können, suchen Landwirte nach Nischen, denn Milch ist heute nicht einfach nur Milch: Peter Furger, Franz Frey und Roman Regenscheit sind deshalb Mitglieder im Verein «Heumilch Schweiz» und beliefern die zertifizierte Schlosskäserei Herdern. Armin Strom, der Geschäftsleiter von Schloss Herdern, freut sich, dass die drei Landwirte sich seit bald einem Jahr für das Projekt engagieren.

Käsermeister Arnold Bänteli verarbeitet aktuell 1,2 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr. Nebst Tilsiter stellt er auch Schlosskäse, Kümmelkäse und Mutschli her. Aus einem Teil der Heumilch entsteht Joghurt und Pastmilch. Die Produkte fänden im Schlossladen und bei den Wiederverkäufern guten Absatz, sagte er. Die Nachfrage nach Joghurt etwa könne nicht abgedeckt werden, weil die Käserei nur begrenzte Verarbeitungskapazitäten bietet. Das soll sich aber ändern. «Wir wollen in den nächsten drei Jahren die Käserei erweitern», sagt Strom.

Schlosskäserei seit mehr als 130 Jahren

Die Käserei im Schloss besteht seit 1897. Die Familien Frey und Regenscheit liefern seither Milch. Freys Vater und Grossvater waren Präsidenten der Käsereigenossenschaft. Mit Peter Furger, Leiter des schlosseigenen Gutsbetriebes, sind sie die letzten drei von einst über 40 Milchlieferanten der Schlosskäserei. Sie setzen nicht auf Milchwirtschaft allein, sondern auch auf Acker- oder Gemüsebau. Peter Furger bewirtschaftet eine Fläche von 112 Hektaren. Dazu gehören 70 Kühe.

Derzeit vier Thurgauer Heumilch-Produzenten

Nachdem Heumilch in Österreich und Deutschland bereits seit über zehn Jahren erfolgreich vermarktet wird, gründeten im Jahr 2016 Schweizer Milchbauer und Käsereien den Verein «Heumilch Schweiz». Die Mitglieder, zurzeit etwa 280 Landwirte, vier davon aus dem Thurgau, beliefern die angeschlossenen Käsereien. Im Thurgau sind das die Chäsi Pfyn und die Schlosskäserei Herdern. Die Heumilchbauer und Verarbeiter produzieren nach dem Heumilch-Regulativ. Das Reglement stellt Anforderungen in Bezug auf den Tierschutz. Gemäss diesen Richtlinien hat eine Kuh viel Auslauf, im Sommer monatlich mindestens 26 Tage beim Grasen auf der Weide, und im Winter mindestens 13 Tage im Laufhof. Der präventive Einsatz von Antibiotika ist verboten und Medikamente werden zurückhaltend eingesetzt. (clu)

Roman Regenscheit bewirtschaftet 36 Hektaren Land und hat 38 Milchkühe. Er setzt auf robustere Tiere mit angepasster Leistung. Franz Frey bebaut 47 Hektar Land. Er hat 21 Kühe. Er züchtet nicht auf hohe Leistung. Ihm ist Langlebigkeit wichtig. Er sagt:

«Eine Kuh ist kein Wegwerfprodukt.»

Er bezeichnet Heumilch als ökologisch und verweist auf die kurzen Transportwege in die Käserei: «So wird die Milch nicht erst durch die halbe Schweiz gekarrt».

Einsatz von Kraftfutter ist begrenzt

Eine Kuh frisst im Sommer pro Tag bis zu 80 Kilogramm Gras, im Winter 15 bis 20 Kilogramm Heu. Für das Gütesiegel Heumilch dürfen maximal zehn Prozent Kraftfutter verwendet werden. Die Herdemer verwenden dafür eine Getreidemischung. Furger, Frey und Regenscheit säen in den Wiesen inländische Gras-Samen an und verwenden eine angepasste Düngung mit etwas Stickstoff. Dank Gülle aus der Biogasanlage braucht das Schloss kaum Kunstdünger. «Natur pur» lautet der Werbeslogan für Heumilch von Käser Arnold Bänteli:

«Ihr Gehalt ist nicht standardisiert wie der in der Industrie».

Es würden beide Seiten profitieren. Die Konsumenten erhielten gehaltvollere Milch mit mehr Geschmack. Und die Käserei bezahle den Bauern einen Nachhaltigkeitszuschlag für Heumilch.

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