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Winzer Karin und Roland Lenz erhalten Titel «Biowinzer des Jahres»

Ihren Erfolg verdanken sie unkonventionellen Lösungen. Für die beiden sind Rebsorten nicht einfach gottgegeben.
Thomas Vaterlaus
Biowinzer Roland Lenz steht in den ersten eigenen Jungreben. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Biowinzer Roland Lenz steht in den ersten eigenen Jungreben. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Sie produzieren mit ihrer Fotovoltaikanlage mehr Strom, als sie benötigen. Sie betreiben die erste Bio-Rebschule der Schweiz. Sie bringen mit neuartigen «Insektenhotels» mehr Nützlinge in ihre Rebberge. Und sie produzieren aus pilzwiderstandsfähigen Sorten absolute Topweine. Mit Karin und Roland Lenz in Iselisberg sichern sich die Vorreiter der helvetischen Biowein-Bewegung zum zweiten Mal nach 2015 den Titel «Biowinzer des Jahres».

Wer als Journalist mit Roland Lenz über sein Tun und seine Visionen spricht, hat ein Problem: Der Mann hat so viel zu sagen, dass man kaum nachkommt, mit seinen Notizen. Und ja, manchmal scheint der Vorreiter der heutigen Biowein-Bewegung mit seinem Metier zu hadern. Weil es ihm zu langsam geht. Aber man kann halt nur einmal im Jahr die Trauben ernten. Und wer neue Reben pflanzt, muss drei Jahre warten, bis er die ersten Trauben ernten kann. Obwohl Karin und Roland auch einen Pinot Noir der Spitzenklasse in die Flaschen bringen, also beweisen, dass sie auch im konventionellen Bereich zu den Besten gehören, trimmen sie ihr Weingut, dass Trauben von 26 Hektar einkellert, ganz klar in Richtung pilzwiderstandsfähiger Sorten, den «Piwi’s».

Noch namenlose Sorte gewinnt ersten Preis

«Ich bin überzeugt, dass der Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln langfristig nicht mehr toleriert wird, allein schon wegen der Trinkwasserproblematik. Darum hängt die Zukunft des Weinbaus von den pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen ab», sagt Lenz. Aus Sorten wie Souvignier Gris oder Cabernet Jura hat er in den letzten Jahren immer wieder fruchtbetont-elegante Crus gekeltert, die hoch benotet worden sind. Trotzdem sieht er die Entwicklung bei den Piwi’s noch lange nicht als abgeschlossen.

«Während bei den traditionellen Gewächsen im Bereich der Neuzüchtungen nicht mehr viel geschieht und die meisten Winzer mit Sorten arbeiten, die seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten bekannt sind, ist die Dynamik bei den Piwis’s ungebrochen hoch», sagt er.

So reüssierte er dieses Jahr beim Bioweinpreis mit einem Weisswein aus einer Neuzüchtung des jurassischen Rebzüchters Valentin Blattner, die noch nicht mal einen Namen hat, sondern unter der Züchtungsnummer Cal 32-7 geführt wird.

. So reüssierte er dieses Jahr beim Bioweinpreis mit einem Weisswein aus einer Neuzüchtung des jurassischen Rebzüchters Valentin Blattner, die noch nicht mal einen Namen hat, sondern unter der Züchtungsnummer Cal 32-7 geführt wird.

Auf dem Weingut in Iselisberg im Thurgau werden rund 40 verschiedene Weine kreiert und verkauft. (Bild: Mareycke Frehner)

Auf dem Weingut in Iselisberg im Thurgau werden rund 40 verschiedene Weine kreiert und verkauft. (Bild: Mareycke Frehner)

Noch robustere Sorten sind gefragt

Worauf Roland Lenz ungeduldig wartet, sind noch resistentere Sorten: «Die heutigen Piwi’s verfügen lediglich über ein Gen, das sie gegen Pilzerkrankungen schützt. In wenigen Jahren werden aber neue Sorten verfügbar sein, die eine zwei- oder mehrfache Resistenz aufweisen». Sobald diese Neuzüchtungen da sind, werden Karin und Roland Lenz ihren Sortenspiegel wieder umstellen. Während anderswo, etwa im Burgund oder Bordeaux, die Sorten quasi als von Gott gegeben, und deshalb als unveränderbar angesehen werden, agieren sie mit einer völlig anderen Einstellung: «Wenn wirkliche Verbesserungen möglich sind, egal auf welchem Gebiet, dann realisieren wir diese», sagt Roland Lenz und ergänzt: «Tradition ist ein edler Wert, wenn er nicht als Entschuldigung für Trägheit missbraucht wird.»

Eigener Strom und eigene Bio-Jungreben

Wer das Bioweingut von Karin und Roland Lenz besucht, realisiert rasch, dass hier visionäre Konzepte umgesetzt werden. Energiemässig wird hier nicht nur klimaneutral gearbeitet, sondern weil jährlich mehr als 20000 Kilowattstunden ans Netz abgegeben werden können (zu Spitzenzeiten, weil der Strom über eine netzdienliche Batterie zwischengespeichert wird), führen sie einen «Klima plus»-Betrieb. Substanzielle Qualitätsverbesserungen erhoffen sie sich auch von der eigenen Bio-Rebschule (der ersten dieser Art in der Schweiz), weil es ein Vorteil ist, wenn Jungpflanzen in dem Terroir aufgezogen werden, indem sie später auch Trauben produzieren. Und mit Insektenhotels optimieren sie laufend die Wirkung ihrer Ausgleichsflächen. Obwohl in der Schweiz Rebland knapp und teuer ist, halten sie zwölf Prozent davon, immerhin 2,5 Hektar, als Ausgleichsfläche frei um den Rebbau besser in ein ganzheitliches Ökosystem integrieren zu können. Wer mit Roland Lenz diskutiert, kann den Eindruck gewinnen, dass sich der Mann mit seinen 1001 Ideen überfordern könnte. Doch dem ist nicht so. Obwohl überall an den Schräubchen gedreht wird, behält er das Ganze im Auge. Aus 31 Traubensorten keltert er mehr als 40 Weine, neuerdings auch ungeschwefelte Naturweine.

Hinweis

Der Autor ist Chefredaktor der Fachzeitschrift «Vinum». Die Zeitschrift organisiert den Wettbewerb zum Biowinzer des Jahres unter dem Patronat von Bio Suisse. 36 Winzer nahmen 2018 teil.

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