Für die SVP Thurgau geht der Wahlkampf schon wieder von vorne los: Sie muss einen Regierungsratssitz verteidigen

Für die SVP gibt es keine Pause. Schon diese Woche sondiert die Parteispitze die Regierungsratskandidaten. Das sagen in Frage kommende Persönlichkeiten zu ihren Ambitionen.

Larissa Flammer
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SVP-Parteipräsident Ruedi Zbinden (rechts) muss einen Nachfolger für Jakob Stark im Regierungsrat suchen. (Bild: Reto Martin)

SVP-Parteipräsident Ruedi Zbinden (rechts) muss einen Nachfolger für Jakob Stark im Regierungsrat suchen. (Bild: Reto Martin)

Die Anstandsfrist ist vorbei, Jakob Stark wurde am Sonntag in den Ständerat gewählt. Der SVP-Regierungsrat hatte zwar schon Mitte August verkündet, dass er nicht mehr zu den Erneuerungswahlen der Kantonsregierung antreten wird. Bisher hat sich allerdings noch niemand öffentlich zu seiner Nachfolge geäussert. Jetzt wird es Zeit, der nächste Wahlkampf beginnt bereits.

«Ganz bestimmt», wird die SVP Thurgau den frei werdenden Sitz im Regierungsrat für sich beanspruchen, sagt Parteipräsident Ruedi Zbinden. «Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.» Diese Woche trifft sich die Parteispitze zur Sitzung und wird entscheiden, welche Kandidaten sich am 14. November an der SVP-Delegiertenversammlung zur Nomination stellen.

Vorgespräche wurden schon geführt, Namen will Zbinden allerdings keine nennen. Nur so viel verrät er:

«Die Delegierten werden an der Versammlung eine interessante Auswahl an mehreren Kandidaten haben.»

Die Partei habe schliesslich eine sehr gut aufgestellte Personaldecke. Der Parteipräsident lässt keinen Zweifel daran, dass die Delegierten Mitte November SVP-Regierungsrätin Monika Knill erneut nominieren werden. Zusätzlich wird die Versammlung einen Kandidaten ins Rennen um den Sitz von Jakob Stark schicken.

Andreas Wirth nimmt sich aus dem Rennen

Urs Martin. (Bild: Andrea Stalder)

Urs Martin. (Bild: Andrea Stalder)

Unsere Zeitung hat sich bei möglichen Regierungsratskandidaten umgehört. Urs Martin und Hermann Lei, beide seit 2008 im Grossen Rat, wollen keine Auskunft geben.

Hermann Lei. (Bild: Andrea Stalder)

Hermann Lei. (Bild: Andrea Stalder)

Gemeinsam mit der Partei sei er übereingekommen, zurzeit nichts zu sagen, heisst es bei Martin. Der Romanshorner ist Leiter Public Affairs bei der Hirslanden AG und hat Jahrgang 1979. Lei (Jahrgang 1972) wohnt in Frauenfeld und ist Rechtsanwalt.

Pascal Schmid. (Bild: Reto Martin)

Pascal Schmid. (Bild: Reto Martin)

Den gleichen Beruf übt auch Pascal Schmid aus. Der Weinfelder ist zudem seit 2008 Bezirksgerichtspräsident und seit 2016 Kantonsrat. Schmid (Jahrgang 1976) hat bereits für den Nationalrat kandidiert und am Sonntag auf der SVP-Hauptliste mit 20932 Stimmen den fünften Platz gemacht. Jetzt nach den Nationalratswahlen werde er sich ernsthaft überlegen, für die SVP-interne Nomination des Regierungsratskandidaten anzutreten.

Urs Schrepfer. (Bild: Reto Martin)

Urs Schrepfer. (Bild: Reto Martin)

Gedanken machen würde sich auch Kantonsrat Urs Schrepfer, falls der Vorstand der Kantonalpartei sich ihn als Regierungsrat vorstellen könne. Das sagt der Busswiler mit Jahrgang 1971 auf Anfrage. Schrepfer sitzt seit 2012 im Grossen Rat, ist Schulpräsident in Sirnach und Schulleiter der Sekundarschule Wängi.

Vico Zahnd. (Bild: Reto Martin)

Vico Zahnd. (Bild: Reto Martin)

Er stehe nicht zur Diskussion, sagt Vico Zahnd. Der Projekt- und Bauleiter aus Weingarten verweist auf die Delegiertenversammlung im November. Zahnd hat Jahrgang 1980 und politisiert seit 2008 im Grossen Rat.

Andreas Wirth. (Bild: Donato Caspari)

Andreas Wirth. (Bild: Donato Caspari)

Auch Andreas Wirth nimmt sich aus dem Rennen. Die SVP Thurgau habe andere gute Kandidaten und werde gut aufgestellt sein. Wirth ist Präsident der Schulen Frauenfeld, hat Jahrgang 1963 und ist ebenfalls seit 2008 im Grossen Rat.

Gegenkandidaten könnten von GP und GLP kommen

Im Thurgauer Regierungsrat ist die SVP seit Jahren mit zwei Personen vertreten. Die übrigen drei Sitze halten die CVP, die SP und die FDP. Diese drei Parteien werden kaum nach einem zweiten Mandat streben. Wahrscheinlicher ist, dass der SVP-Kandidat sich gegen den Vertreter einer Nichtregierungspartei wird durchsetzen müssen.

Nach dem Wahlerfolg vom Sonntag müssten die Grünen die Gunst der Stunde nutzen. Zugpferd und Parteipräsident Kurt Egger ist künftig allerdings in Bern engagiert. Möglich wäre es, dass Fraktionspräsident Peter Dransfeld Ambitionen hat.

GLP-Präsident Robert Meyer hatte bereits im Juli angekündigt, seine Partei werde sowieso antreten. Ob allerdings Fraktionspräsident Ueli Fisch nach seiner Niederlage von Sonntag bereits wieder Lust auf Wahlkampf hat, bleibt abzuwarten.

Ein Mann muss es sein

Die SVP hat das Sesselrücken aufgegleist: Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird im kommenden Herbst Jakob Stark Ständerat Roland Eberle beerben. Wer aber folgt auf Stark in der Kantonsregierung?
Christian Kamm