Für die Frauenfelder Igelstation heisst es Hochsaison. Viele Stacheltierchen finden einen sicheren Schlafplatz

Er trägt ein bedrohliches Stachelkleid, ist grundsätzlich nachtaktiv und verlässt sich bei der Futtersuche auf seinen hervorragenden Geruchssinn.

Laura Sachers
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Die Igeljungtiere geniessen ihr sicheres und warmes Zuhause in der kalten Jahreszeit. (Bild: Reto Martin)

Die Igeljungtiere geniessen ihr sicheres und warmes Zuhause in der kalten Jahreszeit. (Bild: Reto Martin)

Es ist Igel- und somit Herbstzeit. Seit fünf Jahren betreiben ehrenamtliche Mitarbeiterinnen im Schichtbetrieb die Igelauffangstation in Frauenfeld. Margareta Schlumpf, Mitverantwortliche der Station, sagt:

«Momentan befinden sich zirka 25 Jungtiere bei uns.»
Margareta Schlumpf, Leiterin Igelstation Frauenfeld (Bild: Laura Sachers)

Margareta Schlumpf, Leiterin Igelstation Frauenfeld (Bild: Laura Sachers)

Das seien um einiges mehr als in den vergangenen Jahren. Das habe vermutlich mit dem Klimawandel zu tun. «Früher brachten die Igel einen Wurf im Sommer zur Welt», sagt Schlumpf. «Durch die Klimaerwärmung verschiebt sich die Paarungszeit und die Weibchen kriegen schon im Frühling ihren Wurf, und deshalb bekommen die einige Weibchen Ende Sommer ein zweites Mal Igelbabys.» Die Neugeborenen hätten dann fast keine Chance zu überleben, meint Schlumpf.

Rund um die Uhr erreichbar

Nebst der Auffangstation, in der sich die Mitarbeiterinnen um das Wohl der Igel kümmern, gibt es eine 24–Stunden–Hotline. «Oft rufen Passanten oder Autofahrer an, die einen Igel entdeckt haben und uns um Rat fragen», meint Schlumpf. Wenn ein Igel ein Gewicht von zirka 500 Gramm erreicht hat, könne man diesen einfach laufen lassen, meint Schlumpf. Im Durchschnitt sind etwa 70 Prozent Beratungstelefonate. In 30 Prozent der Fälle nehmen die Mitarbeiterinnen die Igel in der Auffangstation auf, da sie den kalten Winter alleine nicht überleben würden. «Ein Jungtier wird erst wieder ausgesetzt, wenn es ein Gewicht von 500 Gramm erreicht», meint Schlumpf. Es gibt auch immer wieder Interessenten, welche Igel bei sich in einem Aussengehege aufnehmen, damit die Überlebenschance im Winter möglichst hoch bleibt.

Margareta Schlumpf mit einem Jungtier in der Hand. (Bild: Laura Sachers)

Margareta Schlumpf mit einem Jungtier in der Hand. (Bild: Laura Sachers)

«Wir führen über jeden Igel eine Entwicklungs- und Verhaltensstatistik», meint Schlumpf. Finanziell wird die Station von den Ostschweizer Igelfreunden und dem Tierschutzverein Frauenfeld und Untersee unterstützt. Für Schlumpf ist vor allem eines wichtig:

«Wenn es sich beim Igel um ein untergewichtiges Tier handelt, sollte man zuerst schauen, ob sich andere Igel in der Nähe befindet. Falls nicht, kann man uns jederzeit kontaktieren.»

Hinweis

Die Igelstation ist rund um die Uhr erreichbar unter: 0799446532. Weitere Informationen:  www.tierschutz-frauenfeld.ch

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