Für das Frauenfelder Kulturlokal Kaff könnte ein Kulturpavillon die Lösung des Standortproblems sein

Der Mietvertrag des Kulturlokals Kaff läuft aus, ein neuer Standort fehlt. Nun steht ein Modularbau zur Diskussion. Als Vorbild dient das Kino Cameo in Winterthur.

Mathias Frei
Hören
Drucken
Teilen
Vorbild fürs «Kaff» in Frauenfeld: das Winterthurer Kino Cameo in Elementbauweise.

Vorbild fürs «Kaff» in Frauenfeld: das Winterthurer Kino Cameo in Elementbauweise.

Bild: PD/Lea Reutimann

Im «Kaff» war es zuletzt Wochenende für Wochenende voll – bis zum Coronavirus. Mittlerweile ist aber auch das Kulturlokal an der Grabenstrasse geschlossen. Das Abschlussfest-Wochenende ist abgesagt. Der Mietvertrag läuft per Ende April aus. Seit längerem wird nach einer neuen, langfristigen Lokalität gesucht. Dafür hat sich vergangenen Sommer die Gruppe «‹Kaff› auf Dauer» gebildet, fünf Veteranen des Kulturvereins, zu denen auch Johannes Eiholzer gehört.

Johannes Eiholzer.

Johannes Eiholzer.

(Bild: Donato Caspari)

Der Immobiliensuche war bislang kein Erfolg beschert. Nun steht aber seit kurzem eine Lösung zur Diskussion, die einerseits relativ zeitnah umgesetzt werden könnte und sich andererseits zu einem Teil eines langfristigen Standortkonzepts wandeln könnte.

«Konkret steht die Idee eines Pavillons in Elementbauweise im Raum.»

Das sagt Eiholzer. Abgeschaut hat er sich diese Möglichkeit vom Kino Cameo in Winterthur, das seit Herbst 2015 auf dem Lagerplatz im Sulzerareal Filme zeigt.

Auf Wanderschaft

2004 gründete sich in Frauenfeld der Verein Projekt Kaff. Zuerst kam man kurz im ehemaligen Cinema Pax an der Rheinstrasse unter. Bedeutend länger blieb der Verein im vormaligen Restaurant Schwarzes Schäfli gegenüber vom Regierungsgebäude. Dort löste der Eigentümer den Mietvertrag 2013 auf. Sodann konnte der Verein kurz in der «Linde» an der Murgstrasse einziehen. Zugleich ergab sich die Möglichkeit, die Liegenschaft Rheinstrasse 14 in Gebrauchsleihe zu übernehmen, die bis auf weiteres als Vereinshaus genutzt wird. Ende 2014 bezog man das Clublokal an der Grabenstrasse 57. (ma)

Kein Geld in ein nächstes Provisorium stecken

Die Gruppe habe sich mit einer Vielzahl möglicher Immobilien beschäftigt, erklärt Eiholzer. Mal habe es gepasst betreffend Anforderungen an einen Gastrobetrieb, aber das Raumprogramm war nicht optimal. Ein anderes Mal sei es umgekehrt gewesen.

«Für uns war von Anfang an klar, dass wir kein Geld investieren in ein nächstes Provisorium, das man nach vier Jahr wieder aufgeben muss.»
Ein Konzert im Kulturlokal Kaff.

Ein Konzert im Kulturlokal Kaff.

(Bild: Beni Blaser)

Langfristig gehöre das «Kaff» in den Planungsperimeter des Stadtkasernenareals, sagt Eiholzer. Auch kurz- bis mittelfristig bieten sich einige zivile Teile dieses Gebietes als mögliche Pavillonstandorte an. Es sei der Gruppe bewusst, dass die Stadt dem «Kaff» noch keine konkreten Räumlichkeiten in der Stadtkaserne versprechen kann. Betreffend Kulturpavillon sei man jedoch in Kontakt mit den zuständigen städtischen Stellen, sagt Eiholzer. Grosse Hoffnungen für einen Teil der Finanzierung setzt er in den Ideenwettbewerb für die Verwendung der 127 TKB-Millionen.

«Wir müssen uns mit unserer Projekteingabe nicht verstecken.»
Poetry Slam im «Kaff».

Poetry Slam im «Kaff».

(Bild: Donato Caspari)

Sie muss bis Ende Mai erfolgen. Danach soll es gemäss erstem groben Zeitplan an die konzeptionelle Feinarbeit gehen. Später folgt eine Crowdfunding-Phase von maximal drei Monaten. Nochmals so lange dauern der Bau und das Einrichten. «Unser Zeitplan ist ehrgeizig. Denn wir wollen den Pavillon im Frühling 2021 in Betrieb nehmen», sagt Eiholzer. In dieser Zeit werde es aber nicht still ums «Kaff». Kooperationen mit anderen Frauenfelder Kulturveranstaltern seien angedacht.

Konzertsaal mit Gastro und 80 Quadratmetern

In einer ersten Etappe soll laut Eiholzer dieser Modularbau realisiert werden. In einem nächsten Schritt gehe es darum, einen langfristigen Standort zu finden, in den der Pavillon integriert werden kann. Bauexperten aus dem «Kaff»-Umfeld halten dieses Vorhaben für realisierbar. Die Gruppe «‹Kaff› auf Dauer» hatte für ihre Suche Rahmenbedingungen definiert. Ein Konzertsaal mit Gastro bräuchte mindestens 80 Quadratmeter, nochmals so viel Raum müsste man für WC, Backstage und Büro haben. Das würde eine leichte Erhöhung der Kapazität auf bis zu 150 Personen bedeuten. Der nun angedachte Pavillon müsste in Sachen Raumprogramm sicher den Konzertsaal beinhalten.

Am Daydance im Rahmen von «15 Jahre Kulturlokal Kaff».

Am Daydance im Rahmen von «15 Jahre Kulturlokal Kaff».

(Bild: Reto Martin)

Eiholzer glaubt an diese zeitnah realisierbare Idee. Nicht zuletzt gehe es auch darum, die aktuell sehr aktive «Kaff»-Generation mit ihrem Engagement halten zu können. Er sagt: «Ein solcher Kulturort ist unabhängig vom Verein Projekt Kaff ein Versprechen für die nächste und übernächste Generation. Denn das Bedürfnis nach kulturellem Freiraum wird es auch in Zukunft geben.»

Mehr zum Thema:

Frauenfelder «Kaff» feiert Geburtstag

Am Wochenende feierte der Frauenfelder Kulturverein Kaff sein 15-jähriges Bestehen. Der «Daydance» am Samstag lud zum gemütlichen Beisammensein auf der Dachterrasse des Vereinshauses.
Maria Keller