Fünf weitere Millionen für den Sport und die Kultur

Um die Folgen der Coronakrise im Kultur- und Sportbereich abzufedern, öffnet der Thurgauer Regierungsrat den Lotteriefonds.

Sebastian Keller
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Regierungsrätin Monika Knill.

Regierungsrätin Monika Knill.

Reto Martin

Der Regierungsrat hat ein Musikgehör für die Coronanöte aus dem Kultur- und Sportbereich. Er spricht zusätzlich fünf Millionen Franken aus dem Lotteriefonds zur Milderung wirtschaftlicher Folgen in diesen Bereichen. Aber nicht nur das: Auch bleiben die Leistungsvereinbarungen gültig – im stolzen Umfang von ebenfalls fünf Millionen Franken pro Jahr. «Auch wenn Leistungen nicht erbracht werden können», sagt Regierungsrätin Monika Knill. Zu denken ist dabei etwa an ein Theater, in dem aktuell keine Aufführungen stattfinden. Weiter ausbezahlt werden bereits zugesicherte Projektbeiträge, auch die Sportförderung spielt weiter.

Grundsätzlich liegt der Ball beim Kanton, wenn die Finanzhilfe des Bundes nicht greift. Subsidiär ist hier das Stichwort. Das Geld soll für Soforthilfe oder Ausfallentschädigung für Kulturunternehmer oder Kulturschaffende im Kanton Thurgau verwendet werden. Beiträge können auch gesprochen werden, wenn die Weiterführung eines Sportangebots gefährdet ist.

Bei Randsportarten muss der Kanton selber helfen

Der Bund hat zwar für den Sport 100 Millionen Franken bereitgestellt. «Die Hürden sind aber sehr, sehr hoch», sagt Sportministerin Knill. «Wir kamen zum Schluss, dass Thurgauer Sportler eher weniger oder gar keine Unterstützung durch den Bund erfahren dürften.» Das liegt daran, dass der Thurgau zwar in gewissen Sportarten top ist, aber es sich dabei um Randsportarten handelt. Martin Leemann, Chef des Sportamtes, nennt etwa Volleyball oder Wasserball als Beispiele. Er weiss:

«Die Ausfälle der Clubs kommen vom fehlenden Meisterschaftsbetrieb.»

Sie nehmen kein Eintrittsgeld ein, die Festwirtschaft bleibt auf den Bratwürsten und dem Bier sitzen. «Unsicher ist auch, wie sich die Sponsoren verhalten», sagt Leemann. Wenn diese selber mit Geldproblemen zu kämpfen haben, könnten sie das Sponsoring streichen. Leemann sagt: «Man hofft natürlich, dass die grossen Sponsoren bleiben.» Auch auf Einzelsportlern, die etwa im Schiessen, in der Leichtathletik oder im Rudern ihre Brötchen verdienen, lasten die gestrichenen Wettkämpfe und die ausbleibenden Sponsoring-Einnahmen.

Spürbar ist die Not auch im Kulturbereich. Keine Konzerte, geschlossene Kinos, ein gefallener Vorhang im Theater. Martha Monstein, Chefin des Kulturamtes, sagt: «Wir haben plötzlich Anfragen von Künstlern, die bislang noch nie eine kantonale Förderung beantragt haben.» Es handle sich etwa um Künstler aus dem Bereich der Musik oder der bildenden Kunst, die sonst ohne Unterstützung der öffentlichen Hand auskommen.

Sie betont, dass sich die Coronahilfe auch an gewinnorientierte Unternehmen richtet. «Natürlich wird ihnen nicht der Gewinn finanziert», sagt Monstein. Als Beispiel nennt sie etwa Kinos. «Letztlich», sagt Kulturministerin Monika Knill, «geht es darum, ein Kulturgut wie die Filmtheater zu erhalten.» Sie geht davon aus, dass lokale Vereine wohl weniger Hilfe in Anspruch nehmen werden. «Unsere Dorfvereine sind robust, wenn sie einmal eine Abendunterhaltung nicht durchführen können, ist es für sie noch nicht existenzbedrohend.»

Der Kanton verteilt auch das Geld des Bundes

Im Kulturbereich ist das Kulturamt dafür zuständig, dass das Geld an die richtigen Empfänger gelangt. Für Soforthilfe stehen im Kanton Thurgau 2,4 Millionen Franken bereit. Dabei handelt es sich um rückzahlbare und zinslose Darlehen. Mit diesem Geld soll die Liquidität sichergestellt werden. Es fliesst zu 100 Prozent vom Bund. Anders die Ausfallentschädigung: Dort teilen sich Kanton und Bund die Kosten hälftig. Hier kommen 3,5 Millionen aus Bern. Dieses Geld ist dafür da, wenn finanzieller Schaden entsteht aufgrund von Absagen oder Verschiebungen von Veranstaltungen und Projekten oder Betriebsschliessungen.

Bedingung: Der Schaden muss durch die staatlichen Massnahmen zur Bekämpfung des Virus verursacht worden sein. Maximal 80 Prozent des Schadens wird vergütet. Auch diese Hilfe ist subsidiär, andere staatlichen Angebote müssen ausgeschöpft sein. Regierungsrätin Monika Knill hält fest, dass ab nächster Woche auf den Websites der jeweiligen Ämter alle Informationen auffindbar sind. Auch Formulare für Gesuche werden aufgeschaltet. «Dann sammeln wir zuerst einmal die Anträge und schauen, ob das Geld reicht.»

sportamt.tg.ch und kulturamt.tg.ch