Führungswechsel
«Es braucht starke Gewerkschaften im Thurgau, heute und morgen»: Auf Edith Graf-Litscher folgt Lukas Auer

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher tritt als Präsidentin des Thurgauer Gewerkschaftsbundes zurück. Die Delegierten wählten den bisherigen Vize Lukas Auer neu ins Amt. 2020 wurden beim Thurgauer Gewerkschaftsbund 1061 Beratungen durchgeführt, hauptsächlich in den Branchen Verkehr und Handel sowie im Gastgewerbe.

Judith Schuck
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Lukas Auer ist neuer Präsident des Thurgauer Gewerkschaftsbundes.

Lukas Auer ist neuer Präsident des Thurgauer Gewerkschaftsbundes.

Bild: Donato Caspari

«Es braucht starke Gewerkschaften im Thurgau, heute und morgen», gibt die scheidende Präsidentin den Delegierten mit auf den Weg. Nach acht Jahren möchte Edith Graf-Litscher ihr Amt abgeben. Sie habe es mit Elan und viel Freude ausgeführt, aber jetzt sei der ideale Zeitpunkt für einen Neuanfang: «Wir sind in ein neues Büro gezügelt und der Vorstand ist gut aufgestellt.» Ausserdem werde die Sekretärin, Rita Kägi, in zwei Jahren zurücktreten, begründete sie weiter. Graf-Litscher findet es wichtig, dass Personalwechsel nicht zu abrupt vollzogen würden.

Lukas Auer übernimmt das Steuer

An ihre Stelle wählten die 23 Stimmberechtigten Lukas Auer von der Unia. Im vergangenen Jahr übernahm er bereits den Posten des Vizepräsidenten. Der 30-jährige Arboner steht für eine moderne Gewerkschaftspolitik mit traditionellen Gewerkschaftsgedanken. Erfahrungen bringt er mit: Lukas Auer ist bereits Präsident des Gewerkschaftsbundes Arbon-Romanshorn sowie des Internationalen Gewerkschaftsrats Bodensee. «Seit 2015 bin ich im Stadtparlament politisch aktiv. Zunächst auf einer CVP/EVP-Liste.» Im Juni 2020 trat er zur SP über. Aktuell ist er Präsident des Arboner Stadtparlamentes.

Intensives Bemühen um eine Verbesserung bei der Kurzarbeit

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher

Bild: Reto Martin

Ein letztes Mal moderierte die SP-Nationalrätin Graf-Litscher die Delegiertenversammlung des Thurgauer Gewerkschaftsbundes, die am 31. März pandemiebedingt per Zoom abgehalten wurde. Bei der Vorstellung des Geschäftsberichts betonte sie, dass sich in der Pandemie die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet habe:

«Bei den Stellensuchenden haben wir Höchstzahlen und die Arbeitslosenquote im Thurgau ist von 2019 auf 2020 deutlich gestiegen, von 2,1 Prozent auf 2,8 Prozent.»

Dass starke Gewerkschaften vor allem in diesen Krisenzeiten wichtig seien, zeige die grosse Nachfrage an Beratungsgesprächen, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurden. Davon fanden allein 725 zum Thema Arbeitsrecht und 225 bezüglich Arbeitslosenversicherung statt. Insgesamt gab es 1061 Beratungen beim Thurgauer Gewerkschaftsbund, hauptsächlich in den Branchen Verkehr und Handel sowie im Gastgewerbe. «Wir bemühen uns intensiv um eine Verbesserung bei der Kurzarbeit, darum, Arbeitsplätze zu erhalten, die Lebensgrundlage der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gewährleisten. Ausserdem setzen wir uns ganz gezielt für einen guten Gesundheitsschutz ein, vor allem bei denen, die jetzt an der Front arbeiten», fasst Graf-Litscher die zentralen Punkte der aktuellen Gewerkschaftsarbeit zusammen.

Am 1. Mai kommt Gewerkschaftspräsident Pierre-Yves Maillard

Ein weiteres wichtiges Traktandum für die Gewerkschafter war der 1. Mai. Im Jahr 2020 wurde der Feiertag digital begangen. 2021 sollte der Tag der Arbeit ursprünglich grenzüberschreitend gemeinsam mit den deutschen Kollegen begangen werden. «Wir waren schon intensiv am Planen, doch die Situation ist zu unsicher. In Deutschland sind die Coronaregeln viel strenger als bei uns», sagt Auer. «Dass viele Besucherinnen in der Regel 60 Jahre und aufwärts sind, ist ein weiteres Risiko.» Falls möglich, soll die diesjährige Feier im Murg-Auen-Park in Frauenfeld stattfinden. «Als Redner konnten wir unter anderen den nationalen Gewerkschaftspräsidenten Pierre-Yves Maillard gewinnen.» Ob dieser Plan aufgeht, sei abhängig vom nächsten Bundesratsentscheid. «Das können wir nur kurzfristig publik machen», schliesst der neue Präsident.