Freude bei der SVP, Enttäuschung bei SP, CVP, FDP und GLP: So beurteilen die Parteipräsidenten ihr Abschneiden bei den Thurgauer Grossratswahlen

Von «Proporzpech» bis zum nationalen Trend, der sich im Thurgau niederschlägt: Nach den Wahlen folgen die Deutungen. 

Larissa Flammer und David Grob
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In Weinfelden feiert die SVP am Sonntagabend im Restaurant Thurberg.

In Weinfelden feiert die SVP am Sonntagabend im Restaurant Thurberg.

Bild: Donato Caspari
SVP-Parteipräsident Ruedi Zbinden.

SVP-Parteipräsident Ruedi Zbinden.

Bild: PD

Bei der SVP kann wegen des Corona-Virus zwar nicht die grosse Sause stattfinden, aber die Kandidaten stossen trotzdem an. Zwei Sitze hat die Partei im Grossen Rat dazugewonnen und kommt damit neu auf 46. Parteipräsident Ruedi Zbinden ist «sehr zufrieden». Die bisherigen Sitze zu halten sei das Minimalziel gewesen.

«Wahltag ist Zahltag: Die Stimmbürger haben gezeigt, dass sie mit unserer Arbeit zufrieden sind.»

Das gute Resultat der wählerstärksten Partei im Kanton erklärt Zbinden einerseits damit, dass die Umweltthemen, die der anderen Seite zum Erfolg verholfen haben, bei der SVP schon immer präsent gewesen seien: «Das haben wir den Wählern in Erinnerung gerufen.» Andererseits sei die Partei in allen Bezirken mit starken Listen angetreten.  

Die SP verliert drei Sitze

SP-Kantonspräsidentin Nina Schläfli.

SP-Kantonspräsidentin Nina Schläfli.

Bild: PD

Grosse Ernüchterung herrscht bei den Thurgauer Sozialdemokraten. «Es ist ein bitteres Resultat», sagt Parteipräsidentin Nina Schläfli, obschon der Wahltag für sie persönlich erfreulich verlaufen ist: Schläfli erzielt in ihrem Wahlbezirk Kreuzlingen das bessere Resultat als alle acht gewählten SVP-Vertreter. Umso schlechter dafür das Parteiergebnis: Die SP verliert drei Sitze. Schläfli meint:

«Wir hatten sicherlich auch etwas Proporzpech.»

Die Liste der SP und Gewerkschaften kommt zwar auf über 1000 Stimmen mehr als die Grünen, hat aber mit ihren 14 Sitzen einen weniger als die Grünen. «Natürlich ist das kantonale Ergebnis auch ein Nachvollzug der nationalen Wahlen», sagt Schläfli. Vier Sitze verlor die SP schweizweit bei den Nationalratswahlen im Herbst.

Die FDP ist wieder auf dem Stand von 2011: Zwei Sitze weniger

FDP-Fraktionschef Anders Stokholm.

FDP-Fraktionschef Anders Stokholm.

Bild: PD

Der nationale Trend, der sich auf den Thurgau niederschlage – diesen Grund nennt auch FDP-Fraktionspräsident Anders Stokholm für das Abschneiden seiner Partei. Zwei Sitze verliert die FDP, darunter denjenigen von Kantonalpräsident David H. Bon im Bezirk Arbon. Wie die Stimmung sei? Stokholm lacht nur bitter.

«Wir sind in gewissem Sinne mit einem blauen Auge davongekommen.»

Man sei nun wieder auf dem Stand von 2011. Damals hatte die FDP ebenfalls 18 Sitze im Grossen Rat.

Auch die CVP verliert zwei Sitze

Auch die Stimmung bei CVP-Präsident Paul Rutishauser könnte besser sein. Seine Partei hat zwei Sitze verloren – obwohl sie Stimmen dazugewonnen hat.

CVP-Kantonspräsident Paul Rutishauer.

CVP-Kantonspräsident Paul Rutishauer.

Bild: Donato Caspari
«Wir hatten Proporzpech. Aber man muss sagen, dass wir vor vier Jahren eigentlich schon nur Stimmen für 18 Sitze geholt haben, damals hatten wir Proporzglück.»

Als schade bezeichnet Rutishauser die Tatsache, dass der Fraktionspartner EVP im Bezirk Münchwilen keine Listenverbindung mit der CVP eingegangen sei. «Sonst hätten wir dort den Sitz nicht verloren.»

Die Grünliberalen gewinnen einen Sitz – und sind enttäuscht

Zwei eigentlich kleinere Parteien gewinnen je einen Sitz im Grossen Rat hinzu – dennoch fällt die Reaktion völlig unterschiedlich aus: grosse Freude bei der EVP, Enttäuschung hingegen bei der GLP.

GLP-Kantonspräsident Robert Meyer.

GLP-Kantonspräsident Robert Meyer.

Bild: PD

Acht Sitze im Grossen Rat belegen die Grünliberalen nach dem Wahlsonntag neu. «Wir hätten mehr erwartet und uns mehr erhofft», sagt GLP-Parteipräsident Robert Meyer. Das erklärte Ziel der Partei im Wahlkampf war: zehn Sitze oder mehr. Zwei Sitze weniger als angepeilt – was sind die Gründe dafür? «Wenn ich das wüsste», sagt Meyer. Eine erste Vermutung äussert er dennoch:

«Wir hätten vermutlich mehr aus den Listenverbindungen rausholen können.»

Mit dem Ausscheiden der BDP verliert die GLP auch ihren Fraktionspartner. «Wir werden vermutlich eine eigene Fraktion bleiben», sagt Meyer.

Die EVP und die EDU sind zufrieden

EVP-Präsident Wolfgang Ackerknecht.

EVP-Präsident Wolfgang Ackerknecht.

Bild: Andrea Stalder

Die EVP ihrerseits ist nach dem Sitzgewinn im Bezirk Münchwilen «sehr zufrieden», wie Parteipräsident Wolfgang Ackerknecht sagt.

«Wir haben mit dem Sitz gerechnet.»

Doch man müsse dieses Ziel auch erst erreichen.

EDU-Kantonspräsident Hans Trachsel.

EDU-Kantonspräsident Hans Trachsel.

Bild: PD

EDU-Präsident Hans Trachsel wäre gerne selber in den Grossen Rat gewählt worden. Dass ihm dies verwehrt blieb, sei aber nicht so schlimm. Er ist trotzdem «sehr glücklich»: Die EDU konnte ihre fünf Sitze halten und hat damit weiter Fraktionsstärke. Auch deshalb wäre er gerne selber gewählt worden, um die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen zu können. Dass die EDU ihre Sitze habe halten können, zeige, dass die Partei eine sehr treue Wählerschaft habe.

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