Freiwilligenarbeit in der Krise: Benevol Thurgau diskutiert über die Folgen von Corona

Am dritten Forum von Benevol Thurgau richtete Thomas Hauser, Geschäftsführer von Benevol Schweiz, den Fokus auf die Herausforderungen der Freiwilligenarbeit während der Coronakrise und der daraus erwachsenden Konsequenzen.

Werner Lenzin
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Thomas Hauser, Brigitta Kummer, Paul Engelmann (Präsident), Reto Schubnell, Hanu Fehr, Gabriela Siegenthaler und Geschäftsführerin Sabina Peter Köstli.

Thomas Hauser, Brigitta Kummer, Paul Engelmann (Präsident), Reto Schubnell, Hanu Fehr, Gabriela Siegenthaler und Geschäftsführerin Sabina Peter Köstli.

Bild: Werner Lenzin

«Wir müssen einen Umgang finden mit Covid-19 und nach dem Lockdown ist uns bewusst geworden, was auf uns zukommt», wandte sich Geschäftsführerin Sabina Peter Köstli an die Teilnehmer des Forums von Benevon Thurgau. Sie zeigt sich erfreut darüber, dass sich im Thurgau über 3000 Personen gemeldet haben, um eine freiwillige Aufgabe während der Coronakrise zu übernehmen.

Neue Formen der Freiwilligenarbeit

Thomas Hauser ist Geschäftsleiter von Benevol Schweiz und ist als Mitbegründer des alljährlich in Schaffhausen stattfindenden Musicals «Stars in Town» mit 550 freiwilligen Helfern für die Freiwilligenarbeit sensibilisiert worden. Und welche Erkenntnisse zieht Hauser nach dem Lockdown?

«Die erste Coronawelle wurde von einer grossen Solidarität begleitet und die professionellen Systeme haben gehalten, wobei deutlich die Wichtigkeit des Freiwilligenmanagements zum Ausdruck kam.»

Die Erfahrung zeigt, dass neue Hilfsplattformen keine Nachhaltigkeit zeigen und die Plattform für Freiwilligenjobs, benevol-jobs.ch, als sehr gut und hilfreich beurteilt wurden. «Die vielen neuen Einsatzwilligen sind längst nicht mehr verfügbar, viele Einsätze können immer noch nicht angeboten werden und viele Freiwillige, die zur Risikogruppe gehörten oder gehören sind nicht im Einsatz», bilanziert Hauser.

Beeindruckt hat ihn die neue Solidarität der direkten Nachbarschaftshilfe. Positive Erkenntnisse sind für ihn auch die Tatsache, dass die Freiwilligenarbeit da ist, wenn man sie braucht und dass sich die Krise zum Innovationstreiber entwickelt hat.

Erfahrungen während der Krise

Brigitta Kummer, Leiterin Aktivierung und IDEM-Verantwortliche des Alterszentrums Weinfelden, schildert die Situation und was es bedeutet, wenn mit einem Schlag alle freiwilligen Helfer wegfallen, da sie der Risikogruppe angehören. Glücklich zeigt sie sich über die Möglichkeit einer Koordinationsstelle der Stadt Weinfelden, die temporär Personen vermittelte, die ihre Hilfe anboten.

Hanu Fehr, Mitarbeiter des Sportamtes Thurgau, stellte dar, was es bedeutet, wenn plötzlich nichts mehr geht und alles abgesagt wird: «Die Corona-Pandemie forderte uns auch administrativ, Schulungen, Sitzungen und Workshops wurden kurzfristig reorganisiert und virtuell abgehalten.» Die Online-Schulungen würde er nach der Krise gerne beibehalten, wobei der persönliche Kontakt möglichst bestehen bleiben soll.

Gabriela Siegenthaler war Leiterin beim Jugendrotkreuz Thurgau. Sie bedauerte:

«Nach dem Lockdown mussten wir sämtliche Aktivitäten absagen oder einschränken und hatten keine Aufgaben mehr für unsere Freiwilligen.»

Als grosse Herausforderung bezeichnet sie das Aufrechterhalten des Kontakts zu den Freiwilligen. «Es machte grosse Freude, gemeinsam etwas in so kurzer Zeit auf die Beine zu stellen und eine 80 Prozent-Lösung ist besser als gar keine», stellt Reto Schubnell, Delegierter Wirtschaftliche Landesversorgung beim Kantonalen Führungsstab, fest. Die Kommunikation nennt er als Schlüssel zum Erfolg und versichert:

«Wir sind bereit für die zweite Welle».