Freisinnige aus Frauenfeld wollen ihre Flughöhe halten

Erstmals seit 2005 sitzen ab Juni wieder zwei Freisinnige im Frauenfelder Stadtrat. Auf dem Wahlerfolg vom Februar ausruhen will sich die FDP aber nicht. Im März will sie im Gemeinderat zumindest ihre sieben Sitze konsolidieren.

Samuel Koch
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Elf der 20 Kandidaten auf der FDP-Liste versammeln sich nach einem Referat von Publizist Jürg Raissig (3. v. .l.): Robin Goldinger, Andreas Ammann, Liliane Baumer, Ursula Duewell (bisher), Kaj Stokholm, Sandro Erné (bisher), Stadtpräsident Anders Stokholm, Urs Röthlisberger, Nazmije Ismaili, Philipp Geuggis (bisher), Andrea Ferraro (bisher) und Fabian Olivier. (Bild: PD)

Elf der 20 Kandidaten auf der FDP-Liste versammeln sich nach einem Referat von Publizist Jürg Raissig (3. v. .l.): Robin Goldinger, Andreas Ammann, Liliane Baumer, Ursula Duewell (bisher), Kaj Stokholm, Sandro Erné (bisher), Stadtpräsident Anders Stokholm, Urs Röthlisberger, Nazmije Ismaili, Philipp Geuggis (bisher), Andrea Ferraro (bisher) und Fabian Olivier. (Bild: PD)

Mit einem Paukenschlag ist das laufende Wahljahr für die FDP Frauenfeld gestartet. Für das freisinnige Ausrufezeichen sorgte Fabrizio Hugentobler am 10. Februar, als er es auf Anhieb überraschend im ersten Wahlgang in den Stadtrat schaffte. Nebst dem wiedergewählten Stadtpräsidenten Anders Stokholm sitzen somit erstmals seit 14 Jahren – damals mit Stadtrat Carlo Parolari und Stadtammann Hans Bachofner– wieder zwei FDP-Politiker in der Exekutive.

Diesen Höhenflug will die FDP Frauenfeld nun am 31. März aufrechterhalten, wenn das Volk die neue Zusammensetzung des Gemeinderates für weitere vier Jahre bestellt. «Unser Ziel ist klar, wir wollen unsere aktuell sieben Sitze im Gemeinderat mindestens halten», sagt Parteipräsident Roman Pulfer. Auch wenn er Exekutiv- und Legislativwahlen unabhängig voneinander betrachten will:

«Wir würden den Schwung aus den Stadtratswahlen natürlich gerne mitnehmen und einen Sitzgewinn realisieren.»

Vor vier Jahren gewann die FDP im Gemeinderat erstmals wieder einen Sitz, nachdem sie bei den zwei Wahlen zuvor jeweils ihre Sitze halten und davor gar zweimal ein Mandat einbüsste. 1999 politisierten noch neun Freisinnige im Gemeinderat, nebst den zwei FDP-Stadträten.

Schulterschluss mit SVP bleibt vorerst aus

Bei den 20 Namen auf ihrer Liste setzt die FDP auf Kontinuität. Präsident Roman Pulfer meint:

«Wir haben mit unseren sieben Bisherigen langjährige, erfahrene Kandidaten.»

Mit einigen Jungen – darunter der Sohn des Stadtpräsidenten, Kaj Stokholm – biete die FDP ihrer Wählerschaft «einen guten Mix an Personen mit unterschiedlichen Lebensläufen an». Pulfer macht aber keinen Hehl daraus, dass die FDP gerne noch mehr Jungpolitiker gelistet hätte.

Auf die Fahne schreibt sich der Freisinn, weiterhin auf sachpolitische Themen zu fokussieren. «Wir reichen nur Vorstösse ein, die realistisch sind, keinen Fantasien entspringen und der Stadt einen Mehrwert bringen», meint Pulfer auf die bescheidenen drei vom Stadtrat beantworteten Vorstösse während der laufenden Legislatur (eine Interpellation, zwei Einfache Anfragen). «Quantität ist nicht gleich Qualität», ergänzt er und kann sich eine Nebenbemerkung in Richtung einreichen-fleissige Parteien nicht verkneifen.

Liste 3 – FDP: Sieben Bisherige unter den 20 Kandidaten

Für die Liste 3 – FDP. Die Liberalen stellen sich insgesamt 20 Personen auf. Nebst den sieben bisherigen Gemeinderäten sowie Daniel Sidler und Liliane Baumer kandidieren elf für den Sprung ins Stadtparlament, die erstmals auf einer Liste vertreten sind. Parteipräsident Roman Pulfer befindet sich nicht auf der Liste, er kandidiert fürs Stadtpräsidium in Steckborn. Sämtliche 20 Kandidaten der Frauenfelder Freisinnigen sind kumuliert (doppelt) gelistet: Michael Lerch (Jahrgang 1971), Grundbuchverwalter (bisher); Ursula Duewell (‘61), Betriebsökonomin (bisher); Philipp Geuggis (‘77), Geschäftsführer (bisher); Sandro Erné (‘77), Polybau-Meister (bisher); Claudio Bernold (‘70), Schulleiter (bisher); Stefan Vontobel (‘67), Chief Financial Officer (bisher); Andrea Ferraro (‘65), Kauffrau (bisher); Daniel Sidler (‘62), Bankkaufmann; Liliane Baumer (‘72), kaufmännische Angestellte; Sebastian Eilinger (‘97), Polymechaniker; Kathrin Widmer Gubler (‘74), Rechtsanwältin/Unternehmerin; Hansjörg Ruh (‘57), Redaktor; Robin Goldinger (‘88), Bauführer; Stefan Dähler (‘60), Unternehmer; Fabian Olivier (‘70), Unternehmensberater; Urs Röthlisberger (‘65), Bankangestellter; Reto Brunschweiler (‘69), Berufsoffizier; Kaj Stokholm (‘95), Praktikant; Nazmije Ismaili (‘89), Produktmanagerin; Andreas Ammann (‘68), Unternehmensberater. (sko)

Wie vor vier Jahren geht die FDP eine Listenverbindung mit der CVP und der EVP ein. Pulfer versteht den Zusammenschluss als «konstruktive bürgerliche Mitte», fügt aber an, dass ihm auch eine gute Zusammenarbeit mit der SVP wichtig sei. Dass sich die Freisinnigen mit Fabrizio Hugentobler und die EVP mit Roland Wyss im Stadtratswahlkampf kannibalisierten, sei nicht ideal gewesen, zumal die Freisinnigen anfänglich eine gemeinsame bürgerliche Kandidatur anstrebten.

Weitsicht, Perspektiven oder Selbstbewusstsein

Im Wahlkampf stehen «Themen mit Hand und Fuss» im Zentrum. Als Slogan geben die FDP-Kandidaten der Stadt Weitsicht, Perspektiven oder auch Selbstbewusstsein. Dass freisinnige Themen zuletzt einen schwierigen Stand hatten, glaubt Pulfer nicht. Die Stadtfinanzen im Griff zu behalten, ohne dass dafür die Steuern erhöht werden müssten, bleibe zwar eine Herausforderung. Und auch die zentrumsnahe Stadtentlastung werde kein Selbstläufer.

Grossprojekte seien in Frauenfeld aber immer umstritten. Positiv beurteilt Pulfer den Landverkauf an Twerenbold: «Der Erfolg bei dieser emotionalen Vorlage zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Hinweis
Die TZ stellt die zehn Listen der Gemeinderatswahlen in der Reihenfolge der Listennummern vor.