Glosse

Freiheitlich beschildert in Tobel-Tägerschen, freiheitlich gerast in Sirnach

Südsicht auf allerlei Verkehrsprobleme im Hinterthurgau und unterschiedliche Lösungsansätze zu deren Bekämpfung.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

(Bild: Peter Pfistner)

«Freie Fahrt für freie Bürger» war einst das Motto einer trümmligen Rechtsaussenpartei. Die Partei gibt’s (fast) nicht mehr, ihr Slogan hingegen hat im Hinterthurgau überlebt.

In Sirnach hat einer dieser freien Bürger mit 130 Stundenkilometern über die Hochwacht den Geschwindigkeitsrekord inne. Was sich auf der Autobahn mit viel Wohlwollen, zwei zugedrückten Augen und einem schlecht justierten Tacho grad noch so im legalen Bereich bewegt, ist hoch oben zwischen Busswil und Sirnach halt scho huere schnäll; auch wenn dort aus unerfindlichen Gründen – noch – Tempo 80 gilt.

Der Gemeinderat will nun runter auf Tempo 60. Dann kann der freie Bürger – und natürlich auch die freie Bürgerin – zwar weiterhin mit 130 über die Hochwacht blochen. Es ist dann aber noch illegaler. Immerhin.

Obendrauf gibt’s weisse Linien am Strassenrand. Wer die in der Formel 1 viermal überfährt, muss zur Strafe durch die Boxengasse fahren. Wer’s im Hinterthurgau macht, muss durch Eschlikon fahren. Dort haben sie’s nämlich auch nicht so mit diesen freifahrenden freien Bürgern. Mehrheitlich zwar mit den eigenen, aber das ist eine andere Geschichte.

Um Freiheit geht’s auch im Weiler Karlishub in der Gemeinde Tobel-Tägerschen. Dort gilt Tempo 50. Manche wollen 30, manche gleich ein Fahrverbot. Irgendjemand hat dann als gutschweizerischen Kompromiss einfach eine 40er-Tafel dran geschraubt.

Das war aber illegal. Doch die Staatsanwaltschaft hat – kein Scherz – das Verfahren vorläufig eingestellt. So gilt im Weiler weiterhin das Motto «Freie Beschilderung für freie Karlishuber».