Freie Fahrt für Frauenfelder Tour-de-Suisse-Etappe – trotz Spardruck von oben

Die Schweizer Radrundfahrt Tour de Suisse kämpft ums nackte Überleben. Das Zeitfahren in Frauenfeld am 7. Juni findet aber wie vereinbart statt.

Samuel Koch
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Das Peloton der Tour de Suisse rollt bei der Rundkursetappe um Frauenfeld durch die Gemeinde Pfyn.

Das Peloton der Tour de Suisse rollt bei der Rundkursetappe um Frauenfeld durch die Gemeinde Pfyn.

(Bild: Andrea Stalder
(10. Juni 2018))

Die Wolken über der Schweizer Velorennlandschaft verdunkeln sich zunehmend. Dabei feierte Frauenfeld vor anderthalb Jahren die Rückkehr der Tour de Suisse mit einem Prolog und einer Rundetappe durch die Region. Das grosse Volksfest bei bestem Sommerwetter und strahlend blauem Himmel zog Tausende Schaulustige an.

Im Modus des Überlebenskampfes befinden sich derzeit die nationalen Organisatoren. So hat die Schweizer Radrundfahrt – notabene die viertgrösste der Welt – in den vergangenen Jahren Defizite zwischen 500'000 und einer Million Franken eingefahren.

Deshalb spart die neue Besitzerfirma Cycling Unlimited etwa beim Taggeld für Helfer im Sicherheits- und Aufbaubereich, erwägt einen weiteren Leistungsabbau und liebäugelt gar mit Subventionen der öffentlichen Hand, wie unsere Zeitung berichtete. Tour-Direktor Olivier Senn lässt unmissverständlich verlauten:

Tour-Direktor Olivier Senn.

Tour-Direktor Olivier Senn.

(Bild: Donato Caspari)
«Wir müssen klar festhalten, dass es die Tour de Suisse in ein paar Jahren nicht mehr geben wird, falls wir es nicht schaffen, diese auf finanziell gesunde Beine zu stellen.»

Um einiges optimistischer als der Tour-Chef gibt sich der Chef der lokalen Organisation, des Vereins Tour de Suisse HUB Frauenfeld. «Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Rennen im kommenden Juni und auch 2022 wie vertraglich vereinbart durchführen können», sagt Vereinspräsident Anders Stokholm. Frauenfeld bleibt vom Spardruck von oben verschont. «Die Sparmassnahmen betreffen uns nicht. Wir stellen ein eigenes OK, das sich für die Organisation rund um die eigentlichen Rennen einsetzt», sagt er.

Jährliches Budget von 150'000 Franken

Anders Stokholm, Präsident Verein Tour de Suisse Hub Frauenfeld.

Anders Stokholm, Präsident Verein Tour de Suisse Hub Frauenfeld.

(Bild: PD)

Den Ansatz des Sparens findet Stokholm per se nicht schlecht. Zweifel hegt er hingegen bei den diskutierten Degradierungsplänen, die Tour de Suisse in Zukunft nicht mehr als World-Tour-Event, sondern als Rennen auf Continental-Stufe zu organisieren. Stokholm sagt:

«Das wäre ex­trem schade, weil einerseits der Aufwand gross bleibt und andererseits die Attraktivität sinkt.»

Von der Dachorganisation erhofft er sich genügend Atem und Durchhaltewillen: «Man muss auch ans Produkt glauben.» Denn in der Gesellschaft und der Mobilität erlebe das Velo ja derzeit einen regelrechten Boom.

(Bild: Andrea Stalder)
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Stokholm zeigt Verständnis dafür, dass die nationale Tour-de-Suisse-Organisation sich neuerdings als Verein aufgestellt hat, um so bessere Finanzierungschancen zu haben. Denn das Sponsoring gestaltet sich seit Jahren als schwierig, auch für das lokale OK. «Wir sind dran», sagt Stokholm kämpferisch. Immerhin stemmen die lokalen Organisatoren ein Rennbudget von rund 150'000 Franken.

Im Rampenlicht der Fernsehkameras

Unabhängig davon, wie, wann und ob die Dachorganisation der Tour de Suisse überhaupt finanziell gesundet, geht die Organisation fürs lokale OK für den diesjährigen Tour-Besuch in die entscheidende Phase. Vor dem Zeitfahren am Sonntag, 7. Juni, mit Start- und Ziel auf der Frauenfelder Allmend beginnt am Freitag der Aufbau der ganzen Infrastruktur. Am Samstag folgt der Kickoff-Tag mit Teampräsentation, Rennen für Hobbyfahrer und Unterhaltung mit Konzert und Festwirtschaft. Stokholm sagt:

«Cycling Unlimited bringt die Tour, und wir unterstützen sie in der Bewilligungsarbeit und der Organisation rundherum.»

Beim Rahmenprogramm hingegen würden sich die beiden OK Platz und Kosten brüderlich teilen. Besonders freut er sich auf das Rennen mit Fokus auf Frauenfeld als Wirtschaftsstandort. «Im Gegensatz zu den Rennen vor zwei Jahren rückt am 7. Juni die Stadt ganz klar ins Rampenlicht der Fernsehkameras», sagt er.

Für die Zukunft vertraglich festgesetzt ist, dass Frauenfeld nach 2018 und 2020 im Jahr 2022 erneut für einen Tour-Besuch in die Kränze kommt. Zum Inhalt der Verträge sagt Stokholm lediglich:

«Wir gehen davon aus, dass die unterzeichneten Verträge für 2020 und 2022 eingehalten werden.»

Sollte die Tour de Suisse wider Erwarten zuvor zu Grabe getragen werden, verfallen laut Stokholm die gegenseitigen Verpflichtungen. Er hofft aber, dass es weitergeht, «denn ein Konkurs wäre ein grosser Verlust für alle».