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Interview

Freidorfer Autorin: Stricken ist für Andrea Gerster, was für andere Yoga ist

Andrea Gerster bezeichnet sich selbst als grenzwertige Optimistin. Die Schriftstellerin arbeitet gerade an einem neuen Roman. Auch wenn sie sonst sehr gerne liest, hat sie aktuell gerade keine Lust dazu.
Maria Keller
Andrea Gerster geht Gassi mit Laurin, dem Hund ihrer Tochter. (Bilder: Andrea Stalder)

Andrea Gerster geht Gassi mit Laurin, dem Hund ihrer Tochter. (Bilder: Andrea Stalder)

Sie werden am 21. April 60 Jahre alt. Wie werden Sie Ihren runden ­Geburtstag feiern?

Andrea Gerster: Ganz einfach mit ­Familie und Freunden in einem Restaurant in St. Gallen. Mit der Künstlerin Lika Nüssli werde ich zwei kurze ­Performances mit Spoken Word und ­Livezeichnen machen.

Was ist Ihr gefühltes Alter?

Ich habe eigentlich kein gefühltes Alter. Schliesslich erreiche ich jedes Jahr ein neues Alter, also weiss ich gar nicht, wie sich ein anderes Alter anfühlen würde.

Wenn Sie den Thurgau verlassen müssten, wohin würden Sie ziehen?

Nicht viel weiter weg. Vielleicht mehr Richtung Bodensee, etwa in das nächste Örtchen, das am See liegt.

Gibt es einen Lieblingsort für Sie im Thurgau?

Ich gehe jeden Tag laufen und Freidorf eignet sich da gut dafür. Hier gibt es einen wunderbaren Aussichtspunkt mit drei Birken – ich nenne ihn auch «Drei Birken». Von da hat man einen grossartigen Blick auf den Bodensee.

Was sollte man im Thurgau im Frühling unbedingt machen?

Einfach wieder vor die Türe gehen. Wenn ich nicht gerade schreibe, verbringe ich meine Zeit am liebsten draussen.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Schlussendlich sind es ja eher Dinge, die man nicht machen sollte, als solche, die man machen sollte, nicht wahr? Ich achte jedenfalls auf genügend Bewegung und gehe oft vor die Tür.

Haben Sie ein Morgenritual?

Als Freischaffende sehen meine Morgen immer unterschiedlich aus. Der perfekte Morgen startet bei mir aber ohne Wecker, ich lasse mich nicht gerne wecken.

Können Sie kochen?

Ich würde sagen, dass ich jedes Gericht zubereiten kann. Ich koche aber lieber kein Fleisch, weil ich auch keines esse. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich einerseits ein Kalb auf der Weide streichle und danach sein Fleisch esse.

Zur Person

Andrea Gerster ist in Steinach aufgewachsen. Als freischaffende Autorin arbeitet sie in den Bereich Literatur, Theater und Kunst. Bislang hat Gerster fünf Romane, drei Erzählbände und drei Kinderbücher veröffentlicht. Daneben begleitet sie eine Writers Class am Feldkircher Gymnasium und ist mit Workshops und Lesungen unterwegs.

Lügen Sie manchmal? Bei welchen Gelegenheiten?

Bewusst lüge ich nie, nein. Ich sehe auch nicht ein, wieso ich lügen sollte. Wir können in der Schweiz ja glücklicherweise unsere Meinung offen kundgeben. Ausserdem wäre ich eine schlechte Lügnerin. Meinem Gegenüber fiele in einem Gespräch vermutlich schnell auf, wenn ich lügen würde,dann beginne ich mich zu winden. Nein, lügen, das kann ich nicht.

Worüber kann man mit Ihnen nicht reden?

Mit mir kann man über alles reden und ich rede auch gerne über alles. Natürlich kann ich das Gespräch aber auch steuern.

Welches ist Ihr Lieblingsbuch?

Ich lese sehr viel und je nachdem, was ich lese, ist dieses Buch vielleicht zu der Zeit mein Lieblingsbuch. Dazu gehören auch Werke meiner Kolleginnen und Kollegen. Zurzeit lese ich gerade nichts, weil ich an einem ­neuen Roman arbeite. Während des Schreibens habe ich jeweils nicht wie sonst die Lust, selbst etwas zu ­lesen.

Die Schriftstellerin Andrea Gerster.

Die Schriftstellerin Andrea Gerster.

Was nehmen Sie immer mit, wenn Sie aus dem Haus gehen?

Kommt darauf an, wohin ich gehe. Zurzeit ist das öfters einmal die Hundeleine. Unser Familienhund ist vor ein paar Jahren gestorben aber mein Mann und ich hüten gerade zwei ­Hunde unserer Tochter und unseres Sohnes.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Als Freischaffende habe ich ja eigentlich nie wirklich frei. Ich definiere ein freies Wochenende aber so, dass bis Freitagabend alles erledigt ist, was ich mir vorgenommen habe. Ich richte mir es auch gerne so ein, dass ich immer wieder einmal ein Wochenende ohne Arbeit habe.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?

Mit einem Adler oder einem Fisch, etwa einem Wal oder Delfin. Ich kann mich bereits so gut in Menschen einfühlen, dass ich nicht noch das Leben eines anderen Menschen leben will. Da reizt mich die Tierwelt mehr.

Ihr erster Traumberuf war?

Tatsächlich wollte ich mit neun oder zehn Jahren bereits Schriftstellerin werden, später wurde dieser Wunsch dann mal abgelöst durch Tierärztin. Aber ich wollte schon früh selbst ­Bücher schreiben und habe auch schon eigene kleine Geschichten geschrieben.

Was möchten Sie unter allen Umständen in diesem Leben noch machen?

Im beruflichen Bereich würde ich sehr gerne einmal ein Drehbuch schreiben. Ich habe schon Theaterstücke geschrieben, aber Filme sind nochmals was anderes. Da wird die Welt, die ich erfinde, die meinen Gedanken entspringt, von anderen Künstlern in die Realität umgesetzt. Das finde ich spannend.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

Als Chirurgin. Ich kann mir nicht vorstellen, etwas Menschliches durchschneiden zu müssen. Nun ja, im Notfall ginge das vermutlich schon, aber wenn ich die freie Wahl hätte, dann könnte ich das nicht.

Was würde Ihre Mutter über Sie sagen?

Dass ich ihre beste Tochter bin. Dann würde sie in Klammern noch beifügen, dass sie ja auch nur eine hat.

Was ist Ihr heimliches Hobby?

Manche sind jeweils überrascht, dass ich in gerne stricke. Das ist für mich wie Yoga. Ich mache da unterschiedliche Produkte, und das bekommt meistens irgendjemand geschenkt.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Meine fünf Kinder, die nun insgesamt selbst schon neun Kinder haben. Ich bin stolz darauf, wie sie alle ihr Leben meistern, jeder auf seine individuelle Art und Weise.

Wie lautet der Buchtitel Ihres Lebens?

«Alles in Ordnung». Der Satz beinhaltet vieles. Für mich ist es sehr oft in Ordnung. Ich bin eine Optimistin, manchmal vielleicht fast eine grenzwertige Optimistin. Das Buch wäre eine Tragikomödie. Das Leben ist ja irgendwie auch eine Tragikomödie.

Ihre Kinder machen Sie ­glücklich, wenn …

Grundsätzlich machen mich meine fünf Kinder glücklich, wenn sie selbst glücklich sind.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Das fällt mir spontan ein Zitat aus dem Roman «Schandbriefe» ein: «Das Leben geht weiter – wenn nicht das eigene, dann das der anderen.»

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