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Julia Schwartz inszeniert «Freedom Papers» im Staatsarchiv in Frauenfeld

«Freedom’s just another word ... for nothing left to lose». Janis Joplin ist unvergessen, hat aber nichts im Staatsarchiv in Frauenfeld zu suchen. Da fragt Julia Schwartz mit ihrem Theaterstück «Freedom Papers» danach, was uns Freiheit heute bedeutet.
Dieter Langhart
Sie rufen ihre Freiheitsworte in den Raum: Proben zu «Freedom Papers» im Staatsarchiv. (Bild: Dieter Langhart)

Sie rufen ihre Freiheitsworte in den Raum: Proben zu «Freedom Papers» im Staatsarchiv. (Bild: Dieter Langhart)

Das Staatsarchiv des Kantons Thurgau ist voller Dokumente, alte und neue. Es registriert laufend, was uns wichtig und wert ist, behalten zu werden. Für die Sängerin, Komponistin und Chorleiterin Julia Schwartz der ideale Ort für «Freedom Papers». Die Idee zum Projekt kam ihr, weil wir das Wort Freiheit oft und leicht in den Mund nehmen. Auch und gerade auf Facebook.

Schwartz hat viele Freunde aus ihrer Kindheit und Jugend in den USA, und sie erschrickt bisweilen, was sie da zu lesen bekommt von glücklichen oder militanten Waffenträgern. «Das Wort Freiheit kommt so oft vor», sagt sie: «Freiheit von, Freiheit zu, sich die Freiheit nehmen, frei sein ...» Der in Frauenfeld lebenden Doppelbürgerin schien es naheliegend, mit einem Theaterstück diese Frage zu stellen: Was bedeutet uns Freiheit heute?

Wer ist diese herbe Frau in Frack und Zylinder?

Probenbesuch im ersten Stock des Staatsarchivs, Zugang über den Hof, fernab der gestapelten Ziegelsteinmauer von Jessenvollenweider. Hier stimmen die fünf Profimusiker ihre Instrumente, die Gesichter ernst. Hier bewegen sich die zehn Sängerinnen und Sprecher warm, die Texthefte in der Hand. Und mittendrin wuselt und hechtet und blickt mit stechenden Augen die Figur in Frack und Zylinder: ein Mephisto, eine Moderatorin, die Rattenfängerin von Frauenfeld, das kollektive Gewissen?

Wir wissen es noch nicht. Die zehn singen ihre Worte und deklamieren ihre Worte. Es sind nicht ihre Sätze, es sind welche, die Julia Schwartz auf einen Aufruf hin erhalten hat: Erinnerungen und Gedichte, Aphorismen und Statements. Und die sie zu einem Potpourri gefügt und Musik dazu komponiert hat.

Und wenige Minuten später wuselt der Raum, purzeln die Sänger durcheinander und übereinander, schreien ihre Freiheits-Worte in den Raum, nehmen ihren Platz wieder sein, als sei nichts geschehen. Auch einige von ihnen haben Texte geschrieben, die Julia Schwartz als «instant lyrics» bezeichnet, als «komische und spontane Gedichte», die sie flugs und aus dem Bauch heraus vertont hat.

«Es geht um rohe Gefühle, nicht um Literatur»

Da kommt die Technologie vor und die Religion und manch anderes, das mehr oder minder mit Freiheit zu schaffen hat, persönlicher wie gesellschaftlicher Freiheit. Julia Schwartz betont: «Es geht nicht um Literatur, es geht um rohe Gefühle.» Kein Wort habe sie verändert, denn was sie will, ist ungefiltertes Dokumentartheater. Dazu passt, dass sie den Besuchern keine Texte abgibt. «Theater ist flüchtig.»

Die Spieler/Sänger werfen ihre Antworten in den Raum: «Für welche Freiheit würden Sie kämpfen?» Sie bekennen: «Freiheit heisst ...» Sie bilden einen Jammerverein: «Jetzt küren wir den Jammerer des Monats.» Sie fragen: «Wer beschränkt unsere Freiheit?» Sie sagen Appelle wie: «Toleranz macht frei.» Und sie freuen sich wie wir auf die Aufführungen.

Premiere: Fr, 18.1., 20 Uhr, Staatsarchiv. Weitere Aufführungen: 19.1.–10.2., Fr/Sa 20 Uhr, So 17 Uhr

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