Frauenfelds erste Stadtschreiberin: Bettina Beck übernimmt per 1.März 2021 die Leitung der Stadtkanzlei

Bettina Beck hatte zuvor dasselbe Amt in Romanshorn inne. Sie setzte sich gegen rund zwei Dutzend Bewerberinnen und Bewerber durch. In der Causa Wahlfälschung sind die Untersuchungen laut Generalstaatsanwalt Stefan Haffter mittlerweile abgeschlossen.

Mathias Frei
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Blick vom Sämannsbrunnen auf das Rathaus Frauenfeld.

Blick vom Sämannsbrunnen auf das Rathaus Frauenfeld.

(Bild: Donato Caspari, 9.November 2018)
Bettina Beck, zukünftige Frauenfelder Stadtschreiberin.

Bettina Beck, zukünftige Frauenfelder Stadtschreiberin.

Daniel Ammann

Wurde ja auch Zeit. Seit 1946 kennt Frauenfeld das Amt des Stadtschreibers. Fünf Männer wirkten seither als Stadtschreiber, zuletzt Thomas Pallmann während 36 Jahren und Ralph Limoncelli die vergangenen zwölf Jahre. Nun bekommt die Stadt ihre erste Stadtschreiberin. Bettina Beck übernimmt per 1.März 2021 die Leitung der Stadtkanzlei. Das hat die Stadt am Montagvormittag kommuniziert. Die 38-Jährige ist aktuell noch Stadtschreiberin in Romanshorn. Nebst der Stadtkanzlei leitet sie dort die Einwohnerdienste sowie das Amt für Sicherheit und ist für die Administration des Personalwesens, die Betreuung des Ressorts Freizeit und Sport sowie die Lehrlingsausbildung verantwortlich.

Laut Stadtpräsident Anders Stokholm gingen rund zwei Dutzend Bewerbungen für die aktuell vakante Kaderstelle ein. «

Sechs Personen kamen in die engere Auswahl. Im Stadtrat haben wir schliesslich von vier Bewerbungen auf deren zwei reduziert.»

Bettina Beck verfüge über eine breite Erfahrungspalette in der öffentlichen Verwaltung, sagt der Stadtpräsident. «Sie kann das neue Amt ab dem ersten Tag voll ausfüllen, unter anderem auch das Aktuariat des Wahlbüros – wie bisher in Romanshorn.» Im Übrigen weise die zukünftige Stadtschreiberin eine sehr gute Ausbildung vor und bringe die nötigen Führungsqualitäten mit.

Wenn es passt, bleibt sie auch länger

Was für Stokholm wichtig ist: «Bettina Beck hat in Aussicht gestellt, dass die Anstellung in Frauenfeld keineswegs ein kurzfristiges Engagement sein soll.» Beck sagt auf Anfrage, sie wolle sicher fünf bis zehn Jahre bleiben. «Wenn es passt, auch länger.» Wenn sie nächsten Frühling wechselt, wird sie knapp sechs Jahre Romanshorner Stadtschreiberin gewesen sein. Auch ein Umzug von ihrem jetzigen Wohnort Romanshorn nach Frauenfeld könne sie sich mittelfristig vorstellen, sagt sie.

Wahlfälschung: Untersuchungen abgeschlossen

Anfang August kommunizierte die Stadt über die Kündigung von Bettina Becks Vorgänger Ralph Limoncelli per Ende Oktober. Er hatte das Frauenfelder Stadtschreiberamt während zwölf Jahren ausgeübt. Einen knappen Monat später wurde seitens Stadt bestätigt, dass Limoncelli kurz nach seiner Kündigung freigestellt worden war – was bei hohen Kadermitarbeitern durchaus üblich ist. Nicht erst die zeitliche Nähe zwischen der Wahlfälschung im Frauenfelder Wahlbüro im Rahmen der Grossratswahlen vom 15. März und seiner Kündigung schürte aber Gerüchte. Limoncelli wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu den Gerüchten äussern.

Die Untersuchungen zur Wahlfälschung sind seitens Staatsanwaltschaft abgeschlossen. Dies erklärt Generalstaatsanwalt Stefan Haffter auf Anfrage. Der Anwalt der beschuldigten Person habe die Akten am 1. Oktober zugestellt bekommen und eine Fristerstreckung bis Ende November gewünscht, um eine Beweisergänzung vorzunehmen. (ma)

Beck hat nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau auf der Gemeindeverwaltung von Berg TG längere Zeit bei der Gemeinde Salenstein gearbeitet. Später hat sie ein Studium in Business Administration an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) erfolgreich absolviert und eine Stellvertretung auf der Gemeindeverwaltung von Uesslingen-Buch gemacht. Während des Masterstudiums arbeitete sie Teilzeit bei der Gemeinde Berg. Vor dem Stellenantritt in Romanshorn machte Beck schliesslich eine Stellvertretung bei der Gemeinde Kesswil. Sie verfügt über den Master in Business Administration. Zudem hat sie während einer Weiterbildung im Bereich Politik an der Universität St.Gallen (HSG) das Certificate of Advanced Studies (CAS) erlangt.

Ein nächster Karriereschritt: Frauenfeld

Der Abschied von Romanshorn falle ihr nicht leicht, sagt Beck. Gegenüber den neuen Aufgaben habe zwar sie einen gesunden Respekt. «Aber ich gehe Neues offen an.» Die Stelle bei der Stadt Frauenfeld sei zweifellos ein nächster Karriereschritt.

«Von der kleinsten Stadt im Thurgau in die grösste, die auch Kantonshauptstadt ist.»

Diese Grösse reize sie – sowie der Umstand, dass Frauenfeld im Gegensatz zu Romanshorn über ein Stadtparlament verfüge.

Sie freue sich auf ihr neues Team in Frauenfeld sowie auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und den anderen Amtsleitungen. Der erste Eindruck sei jedenfalls sehr gut gewesen. Die Freude ist laut Medienmitteilung gegenseitig: «Der Stadtrat von Frauenfeld freut sich sehr, dass er mit Bettina Beck eine ausgewiesene Fachspezialistin für die Leitung der Stadtkanzlei gewinnen konnte.»