Frauenfelder Turf Club beerdigt sich nach 17 Jahren selbst

Der Turf Club Frauenfeld löst sich auf. 2020 gibt es noch zwei Tage mit Pferderennen in der Grossen Allmend. Zum Schluss richtet der Vereinspräsident Heinz Belz noch Durchhalteparolen in Richtung Rennverein

Margrith Pfister-Kübler
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Ein Rennjockey am vorerst letzten Frühjahrsmeeting. (Bild: Donato Caspari, Mai 2019)

Ein Rennjockey am vorerst letzten Frühjahrsmeeting. (Bild: Donato Caspari, Mai 2019)

Trister hätte sie nicht sein können: Die Stimmung an der ausserordentlichen Generalversammlung des Turf Clubs Frauenfeld am Dienstagabend im Reiterstübli in der Reithalle Allmend. Ein Ausnahmezustand. Präsident Heinz Belz konnte 20 von heute noch 77 zahlenden Mitgliedern begrüssen; einst waren es 180 Mitglieder.

«Wir sind heute hier, um den Turf Club zu beerdigen», sagte Belz. Er blendete zurück auf die Erfolgsgeschichte bis zu den wachsenden Problemen: Mitgliederschwund durch Überalterung und nachlassendes Sponsoring im Kanton, in der Industrie und im Gewerbe. Viele Personen seien bei der Gründung schon über 50 Jahre alt gewesen. Belz:

«Junge Leute nachzuziehen und für den Pferderennsport zu begeistern, ist in der heutigen Zeit leider fast ein Ding der Unmöglichkeit.»
Heinz Belz und Christoph Müller besiegeln im Reithüsli das Ende des Turf Clubs. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Heinz Belz und Christoph Müller besiegeln im Reithüsli das Ende des Turf Clubs. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Noch 1600 Franken fliessen an den Rennverein

Als er dann den Antrag zur Auflösung zur Diskussion stellte, folgte Schweigen, Schweigen mit gesenkten Köpfen. Keine Voten. Abstimmung: 19 Ja, eine Enthaltung, ein Nein. Das extra aus Muttenz BL angereiste Gründungsmitglied Werner Bischoff stimmte Nein. «Ich bedaure die Auflösung sehr, denn Heinz Belz hat vollen uneigennützigen Einsatz gezeigt», sagte Bischoff wehmütig.

Einstimmig genehmigt wurde die Überweisung des Kassenbestandes von 1600 Franken an den Rennverein Frauenfeld. Rennvereinspräsident Christoph Müller dankte Heinz Belz und dem Turf Club für dessen vorbildliche Leistungen und sagte:

«Ich muss den Schock zuerst noch verdauen. Man denkt, es geht immer nur aufwärts und sieht die aktuellen Probleme nicht.»

Man werde neue Wege suchen, um den für die Schweiz bedeutenden Frauenfelder Rennplatz hochzuhalten. Heinz Belz gab Rennvereinspräsident Christoph Müller mit auf den Weg: «Erkennt die Zeichen der Zeit. Haltet das Fähnlein aufrecht, positioniert euch neu, setzt neue Impulse.»

Leidleute sitzen wie nach Abdankung zusammen

32 Personen gründeten den Turf Club Frauenfeld am 1. November 2002. Der Turf Club hat zuerst die Durchführung eines Herbstrenntages, dann das Frühjahrsmeeting ermöglicht. Initiant und Präsident Heinz Belz fand schnell eine grosse Gefolgschaft, brachte Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Kultur auf die Rennbahn und der Turf Club finanzierte eben den zusätzlichen Renntag für den Rennverein Frauenfeld.

«Den Herbstrenntag auf den Frühling zu verlegen, das war eine schlechte Entscheidung», sagte Präsident Heinz Belz an der ausserordentlichen GV. Doch damals waren alle überzeugt, dass im Interesse des Pferderennsports in der Schweiz ein dritter Renntag im Frühling auf der Grossen Allmend ein Erfolg werde. Wie bei einer Abdankung sassen die Leidleute nachher zusammen. Monika und Norbert Hasler von der Pferdeversicherung Awigo spendierten Speckbrot und Getränke.