Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Turnhalle und Feuerwehrdepot unter Wasser: Frauenfelder Stadtbach verschlingt nach Unwetter Unsummen

Von den sintflutartigen Regenfällen Anfang Juni in Frauenfeld sind auch öffentliche Einrichtungen betroffen. Stadt und Kanton arbeiten jetzt an Massnahmen, um in Zukunft besser gegen Unwetter gewappnet zu sein.
Samuel Koch

Über 340 Meldungen sind am Abend des Freitags, 8. Juni, bei der kantonalen Notrufzentrale eingegangen, als sich kurz vor 18 Uhr ein heftiges Gewitter über der Stadt und der Region Frauenfeld entlud. Alleine bei der Feuerwehr Frauenfeld gingen innert weniger Stunden über 270 Meldungen mit dem Status «WIK» (Wasser im Keller) ein, wie Feuerwehrkommandant Fabrizio Hugentobler erzählt.

Das Untergeschoss des Feuerwehrdepots an der Marktstrasse steht unter Wasser. (Bilder: PD, 8. Juni 2018)

Das Untergeschoss des Feuerwehrdepots an der Marktstrasse steht unter Wasser. (Bilder: PD, 8. Juni 2018)

Dabei gehört das Feuerwehrdepot an der Marktstrasse selbst zu den Opfern des Unwetters, das ebenso unvorhergesehen wie wuchtig auftrat. «Als ich nach der ersten Meldung beim Feuerwehrdepot eintraf, kam mir auf der Marktstrasse knöcheltief Wasser entgegen», sagt Hugentobler. Der Stadtbach führte derart viel Wasser durch die teils unterirdisch verlaufenden Meteorwasserkanäle, dass es zwei Schachtdeckel lupfte und die untere Fahrzeughalle schnurstracks bis zu einem Meter hoch mit Schmutzwasser überflutete. Nebst zwei Anhängern mit Motorspritzen sowie der Anhängeleiter, die alle gerettet und revidiert werden konnten, mussten die Feuerwehrleute machtlos zusehen, wie drei Fahrzeuge wegen defekter Elektronik Totalschaden erlitten.

«Als ich nach der ersten Meldung beim Feuerwehrdepot eintraf, kam mir auf der Marktstrasse knöcheltief Wasser entgegen.» (Fabrizio Hugentobler, Kommandant Feuerwehr Frauenfeld)

Betroffen sind ein Mannschaftsbus, ein Sanitätsfahrzeug sowie ein Materialtransporter. Zwar sind die Fahrzeuge alle älter als zwölf Jahre, und der Wert entspricht nicht mehr dem Kaufpreis von addierten 490'000 Franken. «Der Zeitwert liegt aber sicher noch bei circa 200'000 Franken, weil ältere Fahrzeuge nicht mehr Vollkasko versichert sind», sagt Hugentobler. Für einen Mannschaftsbus sowie einen Materialtransporter laufen derzeit die Vorbereitungen für die Ausschreibungen des nötigen Ersatzes. «Bis es soweit ist, organisieren wir uns selber oder mit einem Mietwagen», sagt Hugentobler.

Verschraubte Dolendeckel als Sofortmassnahmen

Als öffentliche Einrichtungen ebenfalls vom Unwetter betroffen sind die Schulen Frauenfeld. Die Wassermassen drückten bei der Turnhalle der Schulanlage Reutenen ein Fenster ein und zerstörten zudem die Inneneinrichtung zweier Klassen- sowie eines Informatikzimmers. Eine definitive Schadensumme kann Schulpräsident Andreas Wirth noch nicht nennen. «Es werden fast täglich Aufträge für die Instandstellung an die Handwerker erteilt», sagt er. Der Schaden werde wegen des zerstörten Mobiliars und der kaputten Böden aber einige Hunderttausend Franken betragen. Sowohl bei der Feuerwehr als auch bei den Schulen übernimmt die Gebäudeversicherung einen Teil der Schadenssummen. Trotzdem werden Stimmen nach Massnahmen laut.

Feuerwehrleute pumpen Wasser aus der überfluteten Turnhalle der Schulanlage Reutenen.

Feuerwehrleute pumpen Wasser aus der überfluteten Turnhalle der Schulanlage Reutenen.

Nebst den zwei Dolen, deren Deckel als Sofortmassnahmen neuerdings verschraubt sind, ist man sich beim städtischen Amt für Tiefbau und Verkehr des Problems Stadtbach mit möglichen Überschwemmungen schon länger bewusst. «Derzeit arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft zweier Ingenieurbüros an den Detailplänen, damit die Schwachstellen des Stadtbachs möglichst beseitigt werden», sagt Oberbauleiter Peter Sutthoff, der mit den Plänen vertraut ist. Nach einer hydrologischen Untersuchung anfangs Jahr ist vor allem der Durchmesser des teils unterirdischen Meteorwasserkanals zwischen der Firma Rieser+Vetter bei der Thundorferstrasse und der Murg zu sanieren.

«Das Unwetter vom 8. Juni war von seiner Dauer her ein 100-jähriges.» (Peter Sutthoff, Oberbauleiter des städtischen Amtes für Tiefbau und Verkehr)

Was genau die Pläne in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Umwelt genau vorsehen, werde sich frühestens im Herbst zeigen. Zu einer Investitionssumme kann sich Sutthoff noch nicht äussern. Zudem seien Investitionen immer auch eine Abwägung des Risikos. «Das Unwetter vom 8. Juni war von seiner Dauer her ein 100-jähriges», meint Sutthoff. Das heisse aber nicht, dass sich ein solches nächste Woche nicht wiederhole.

Gefahrenkarten liefern neue Erkenntnisse

Die ganze Thematik beschäftigt auch Stadtrat Urs Müller, Departementsvorsteher Bau und Verkehr. «Wir müssen leider davon ausgehen, dass uns in Zukunft vermehrt solche Ereignisse bevorstehen», sagt er. Zwar sei anfangs Juni die ganze Stadt vom Unwetter betroffen gewesen, aber vor allem der Stadtbach richtete Schäden an öffentlichen Einrichtungen an. «Ironischerweise hat am Montag nach dem Ereignis eine Projektsitzung zum Stadtbach stattgefunden», sagt Müller. Die Stadt mache also ihre Hausaufgaben. «Analysen und Erkenntnisse haben wir aus den Gefahrenkarten, die erst seit kurzem vorliegen.»

«Wir müssen leider davon ausgehen, dass uns in Zukunft vermehrt solche Ereignisse bevorstehen.» (Urs Müller, Stadtrat Bau und Verkehr)

Es sei klar, dass solche Projekte immer auch teuer sind, und deren Umsetzung Zeit braucht, wie etwa die bereits umgesetzten Kies- und Holzfänger beim Mühletobel- oder Bannhaldenbach bewiesen hätten. «Sie haben aber gerade Anfang Juni auch ihre Wirkung gezeigt», meint Müller, der auch den regelmässigen Unterhalt dieser Fänger durch Mitarbeiter des Werkhofes erwähnen will. Trotz des Unwetters und hohem Sachschaden spricht Müller der Feuerwehr und der Frauenfelder Bevölkerung Dank aus: «Die Soforthilfe und die Nachbarschaftshilfe hat funktioniert, dafür ist allen ein grosses Kränzchen zu winden.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.