Frauenfelder Spitalneubau bietet Eichenparkett und Strahlentherapie

Zeitgemässer Komfort verbunden mit neuster Technik: Die Spital Thurgau AG bringt alle ihre Gebäude bis 2022 auf den neusten Stand.

Thomas Wunderlin
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Der Neubau ist so konzipiert, dass sich alle Patienten und Besucher schnell im Gebäude zurechtfinden.
Im Eingangsbereich befindet sich zentral der Empfang, die Räume für weitergehende Untersuchungen sind vorwiegend ebenfalls da angesiedelt.
Die Patientenzimmer im neuen Bettenhaus sind grosszügig und ansprechend gestaltet.
Auch die Räume für das medizinische Personal sind modern und freundlich eingerichtet.
Im Kantonsspital Frauenfeld können neu Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen mit Röntgenstrahlen am Linearbeschleuniger behandelt werden.
Der Neubau entspricht dem Minergie-Standard P. Die Biogas-Heizung erzeugt neben der Wärme auch Elektrizität, die für die Energieversorgung des Spitals verwendet werden kann.

Bild: Donato Caspari

Bereits im alten Frauenfelder Kantonsspital tragen die Patienten ein Armband. Im Neubau erhält es neue Funktionen. Beispielsweise kann man damit den Zugang zum Tablet freischalten, das an einer galgenartigen Konstruktion über dem Bett hängt. Das sogenannte Patiententerminal ermöglicht den Zugang zu Radio und Fernsehen, Internet und Hörbüchern, wie Pflegedirektorin Doris Rathgeb bei einem Medientermin am Dienstag erklärt.

Eichenparkett und teilweise getäferten Wände schaffen eine beruhigende Atmosphäre. Wie der bald fünfzigjährige Spitalturm, dessen Abriss im November beginnt, bietet der neue Querriegel Aussicht auf die Stadt Frauenfeld und ihre Umgebung. Das Leid der Patienten wird durch das Gefühl gemildert, an einem schönen Ort behandelt zu werden.

Ihre Kleider können sie in einem eigens konstruierten Schrank unterbringen, der zugleich als Nachttisch dient. Während es im alten Spital noch Zimmer mit fünf Betten gibt, enthält der Neubau nur noch Ein- und Zweibettzimmer. Die 164 Zimmer sind alle gleich gross. In den Einbettzimmern hat es deshalb Platz für einen Fauteuil.  

Eine eigene Abteilung für demente Patienten

Das Armband löst einen Alarm aus, wenn ein Patient die neue Demenzabteilung verlässt. Sie umfasst sechs Zimmer mit zwölf Betten im fünften Stock des Neubaus. Die Bewohner leiden unter Demenz, werden aber wegen anderer Gebrechen im Spital behandelt. In der Demenzabteilung verändert sich die Beleuchtung synchron zum Licht im Freien. So werden die Bewohner mit dem Sonnenaufgang aktiver und in der Abenddämmerung wieder ruhiger.

Stefan Duewell, Ärztlicher Direktor, Doris Rathgeb, Pfledirektorin, Marc Kohler, CEO, Norbert Vetterli, Spitaldirektor.

Stefan Duewell, Ärztlicher Direktor, Doris Rathgeb, Pfledirektorin, Marc Kohler, CEO, Norbert Vetterli, Spitaldirektor.

Donato Caspari

Die Abteilung ist nicht geschlossen, sagt der Ärztliche Direktor Stefan Duewell; die Glastür am Eingang steht offen. Doch geht ein Patient hindurch, kommen die Pflegerinnen und kümmern sich um ihn.

Zu den zahlreichen Neuerungen des Neubaus gehört die Strahlentherapiestation im zweiten Untergeschoss. Damit nicht die Falschen bestrahlt werden, sind ihre Mauern 1,5 bis 1,6 Meter dick und bestehen aus Beton, der ein Drittel schwerer als normaler Beton ist.Der Linearbeschleuniger hat drei Millionen Franken gekostet, der Raum fünf Millionen, sagt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG.

Getätigt worden ist die Investition, um die bisher einzige Thurgauer Bestrahlungsstation im Spital Münsterlingen zu entlasten, die an ihre Kapazitätsgrenze gelangt ist. Krebskranke aus dem westlichen Thurgau haben es nun näher zur Therapie. Diese müssen beispielsweise während dreissig Tagen täglich für eine zwanzigminütige Sitzung in die Strahlentherapie kommen, wie Duewell erklärt. Wie weit sich der Spitalneubau auf dem neusten Stand der Technik befindet, zeigt ein Detail: Damit die Strahlung stets genau die selbe Körperregion trifft, wird sie mit den Atemzügen des Patienten koordiniert.

89 Erdsonden reichen 200 Meter in den Untergrund

Auf dem selben Untergeschoss liegt die Heiz- und Klimazentrale. Von dort gehen die Leitungen weg zu den 89 Erdsonden, die in zwei Aussenfeldern 200 Meter in den Boden versenkt worden sind. Mit ihrer Hilfe erreicht der Neubau den Minergie-P-Standard.

Ausbezahlt hat sich gemäss Spitaldirektor Norbert Vetterli, dass sich die Planung konsequent auf die Nutzer ausrichtete. Mit 35 Nutzergruppen seien die Abläufe durchgespielt worden. Beispielsweise wurde ein Operationssaal mit Sagex gebaut, um die Anschaulichkeit zu verbessern.
Patienten sollen sich einfach im Gebäude zurecht finden. Vom Empfang im Parterre, der zentralen Patientenanlaufstelle, werden sie direkt zur Sprechstunde mit dem zuständigen Arzt gewiesen.

Weisse Kreise im Kunststeinboden weisen den Weg zum Lift. Ebenso erspart ein Pflegewagen den Pflegerinnen manchen Gang, da sie von den neuen Pflegewagen aus Zugriff auf die Patientendaten haben.

Tag der offenen Tür: Samstag, 18. Januar, 9 bis 15 Uhr.

45 Millionen Franken unter Kredit bei den Baukosten

Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG, zeigt sich äusserst zufrieden mit dem Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld und der Leistung des Generalunternehmers Steiner. Er freue sich, «etwas extrem Schönes» präsentieren zu dürfen. Als «extrem cool» bezeichnet Kohler die Kostenunterschreitung von rund 10 Prozent. Da sich abzeichnete, dass der Baukredit von 278 Millionen Franken nicht ausgeschöpft wird, entschied sich die Spitalleitung für einige Extras wie einen zusätzlichen Fassadenteil.

Inklusive dieser Zusätze erwartet der CEO Kosten von 251 Millionen Franken, was zehn Prozent unter dem Kredit liege; ohne Zusatzoptionen seien sie 45 Millionen Franken tiefer. Der Anteil der Gesamtkosten, der auf den Generalunternehmers entfällt, beträgt laut Kohler 170 Millionen Franken.Die tiefen Kosten begründete Kohler mit der guten Planung: «Wir überlegen genau, was wir wollen, und wir wissen genau, wie es funktioniert.»

Die Thurmed Immobilien AG, die mit der Spital Thurgau AG Teil der Thurmed-Holding ist, muss laut Kohler wie ein Privatspital den Bau selber finanzieren. Vom Kanton Thurgau habe sie einen 120 Millionen Kredit erhalten, der aber zurückbezahlt werden müsse. Die erste Tranche von 30 Millionen Franken werde Ende März überwiesen. Dank dem Neubau, der den Projektnamen Horizont trägt, bewegt sich die Spital Thurgau AG in Kohlers Worten auf «absolutem Toplevel».

Alle Gebäude der gesamten Spital Thurgau AG werden von 2014 bis 2022 entweder neu gebaut oder total saniert. So wird im Spital Frauenfeld bis 2022 anstelle der bisherigen Operationsräume ein interdisziplinäres Ambulatorium errichtet. Inklusive Medizinaltechnik investiert die Thurmed-Gruppe über 550 Millionen Franken. Mit den Neubauten wird das Thurgauer Spitalunternehmen laut Kohler «noch attraktiver» für Patienten und für Mitarbeiter. (wu)

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