Frauenfelder Spardruck trifft auch Kulturvermittler

Zur Reduktion des Millionen-Defizits in Frauenfeld setzt auch das Amt für Kultur den Rotstift an – nicht zum Gusto aller Beteiligten.

Samuel Koch
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Rahel Wohlgensinger von der städtisch unterstützten Theaterwerkstatt Gleis 5 probt im Hof des Naturmuseums für eines der diesjährigen Stücke «Sängerkrieg und Heidehasen».Bild: Donato Caspari (April 2019)

Rahel Wohlgensinger von der städtisch unterstützten Theaterwerkstatt Gleis 5 probt im Hof des Naturmuseums für eines der diesjährigen Stücke «Sängerkrieg und Heidehasen».Bild: Donato Caspari (April 2019)

Mit Unverständnis. So reagierte der Präsident der Frauenfelder Stadtmusik auf die Anfrage des Kulturbeauftragten Christof Stillhard, ob der wiederkehrende Beitrag aus der Stadtkasse in Höhe von jährlich 25'000 Franken aufs nächste Jahr reduziert werden könne. Denn der Spardruck aus dem Stadtrat hat spätestens nach der ersten von drei Lesungen Anfang September zum Budget 2020 die 16 städtischen Amtsleiter erreicht. Damals budgetierte die Stadtverwaltung ein Defizit von rund vier Millionen Franken, das sie bis am Donnerstag auf 2,11 Millionen Franken drücken konnte.

Die Stadt hat diesen Herbst also den Sparhebel in die Hand genommen und alle Ausgaben nochmals überdacht. «Viele kleine Einsparungen ergeben auch eine grosse Wirkung», sagte Finanzleiter Reto Angehrn zum innert Kürze fast um die Hälfte reduzierten Defizit. Sparzwang sei nichts Neues. Er sagt:

«Wir versuchen doch immer, mit dem Steuerfranken möglichst viel zu bewegen.»
Reto Angehrn, Leiter Finanzamt. (Bild: Andrea Stalder)

Reto Angehrn, Leiter Finanzamt. (Bild: Andrea Stalder)

Generell setzte sich der Stadtrat zum Ziel, mit dem Budget 2020 näher an die Realität zu kommen. «Wir haben versucht, den Speck aus dem Budget zu bringen», meint Angehrn, auch wenn das ein schier unmögliches Unterfangen sei. Welche genauen Auswirkungen die im Haushaltsgleichgewichtsprojekt Balance vorgesehenen Massnahmen auf das Budget haben, erfolgt mit der baldigen Beantwortung der Interpellation der CH-Gemeinderäte Peter Hausammann und Heinrich Christ.

Verschiedene Massnahmen führen zum Ziel

Nachdem der Stadtrat anfangs September Alarm geschlagen hatte, machte sich auch Christof Stillhard an die Arbeit und überarbeitete sein Budget. Durch Kürzungen bei Kulturvermittlern, die mit der Stadt eine Leistungsvereinbarung haben und deshalb wiederkehrende Beiträge erhalten, versucht der Kulturbeauftragte, neue Ausgaben so gut wie möglich aufzufangen.

Somit steigt das Budget 2020 fürs Amt für Kultur gegenüber jenem des Vorjahres zwar immer noch an, jedoch statt um zunächst vorgesehene knapp 105'000 Franken lediglich noch um 65'000 Franken.

Mehr Geld zur Verfügung hat der Kulturbeauftragte nächstes Jahr etwa deshalb, weil wieder das alle zwei Jahre stattfindende Jazz-Festival Generations über die Bühne geht. Zudem sollen Vereine wie «Out in the Green Garden» oder «Musig idä Stadt» nächstes Jahr erstmals je 25'000 Franken als wiederkehrende Beiträge bekommen, die zuvor aus dem Kulturfonds unterstützt worden sind. Er meint: «Das ist üblich nach neun respektive sieben Jahren Aufbauarbeit.»

Kürzungen möglichst gleichmässig verteilen

Christof Stillhard, Kulturbeauftragter. (Bild: Christine Luley)

Christof Stillhard, Kulturbeauftragter. (Bild: Christine Luley)

Bei den bisherigen wiederkehrenden Kulturbeiträgen stehen nächstes Jahr aber auch Kürzungen in Höhe von 50'000 bis 60'000 Franken bevor. «Damit wir keine neuen Projekte verunmöglichen und die bisherigen nicht gefährden, wollen wir die Kürzungen möglichst gleichmässig verteilen», sagt Stillhard. So könne die Kürzung bei vermögenden Vereinen – wie eben der Stadtmusik – höher ausfallen als bei jenen mit tiefem Eigenkapital. Er sagt: 

«Steuerzahler sind ja nicht dazu da, dass Kulturvereine Geld auf ihre hohe Kante legen.»

Ein Eigenkapital von mehr als 200 Prozent des Jahresaufwandes sei sinnfrei. In der Vergangenheit ist bereits einmal einem Verein der jährliche Beitrag gekürzt worden, weil er ein beachtliches Vermögen angesammelt hatte.

Zum Unverständnis bei der Stadtmusik meint Stillhard: «Mögliche Kürzungen haben überhaupt nichts mit fehlender Wertschätzung zu tun.» Die Stadt sei sich sehr wohl bewusst, dass sie ohne das oftmals ehrenamtliche Engagement der vielen Vereine kein so buntes Kulturleben hätte. Speck habe es im Kulturbudget nie drin gehabt, denn laut Stillhard hinkt Frauenfeld bei den Kulturausgaben im nationalen Vergleich meilenweit hinterher, unter anderem weil die Stadt kein eigenes Museum, kein Theater und keine Bibliothek unterhalten müsse.

FRAUENFELD: Die Stadt soll leben, nicht schlafen

Der Stadtrat setzt sich für ein reichhaltiges Kulturangebot ein. Das geht aus der Antwort auf eine Interpellation hervor. Er nimmt aber auch Veranstalter und Bewohner in die Pflicht.
Samuel Koch