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Frauenfelder Schirme stellen Zürcher in den Schatten

Seit zwei Wochen steht ein Dutzend Schirme der Frauenfelder Firma Glatz auf dem Sechseläutenplatz. Die erste Garnitur ausländischer Provenienz gab vor einem Jahr innert zweier Tage den Geist auf. Die neuen sind nun EMPA-geprüft und Windkanal erprobt.
Stefan Hilzinger
Seit zwei Wochen stehen die neuen Schirme auf dem Sechseläutenplatz in Zürich.(Bild: Keystone/Walter Bieri)

Seit zwei Wochen stehen die neuen Schirme auf dem Sechseläutenplatz in Zürich.(Bild: Keystone/Walter Bieri)

Filippo Leuteneggers Freude währte nur 48 Stunden. Der Stadtrat höchstpersönliche räumte am Sonntagmorgen die zerfetzten Sonnenschirme vom Zürcher Sechseläutenplatz. Am Freitag davor erst hatte er die «filigrane Beschattung» im Beisein der Medien eingeweiht. Das war Anfang August vor einem Jahr. Nachdem eine Böe den 20 Schirmen (Kostenpunkt total 40000 Franken) arg zugesetzt hatte, musste Leutenegger mediale Häme über sich ergehen lassen: «Blamage auf dem Sechseläutenplatz», titelte der «Blick». «Leutenegger lässt Sonnenschirme bereits wieder verschwinden», schrieb die «NZZ».

Frauenfelder Schirme wetzen eine Scharte aus

Vor solchen Schlagzeilen sollte der Zürcher FDP-Politiker und einstige Fernsehmann nun gefeit sein, dank Hilfe aus Frauenfeld. Ende Juni weihten Leutenegger und der neue Tiefbauvorsteher Stadtrat Richard Wolff ein Dutzend nigelnagelneue Schirme aus dem Hause Glatz ein. «Diesmal wollten die Zürcher auf Nummer sicher gehen», sagt CEO Markus Glatz, der bei der Einweihung der neuen Beschattung dabei war. Dort demonstrierte er auch den patentierten Mechanismus, mit dem die Schirme gespannt und wieder geschlossen werden.

«Dieses Mal wollten die Zürcher auf Nummer sicher gehen», sagt Glatz-CEO Markus Glatz.

«Dieses Mal wollten die Zürcher auf Nummer sicher gehen», sagt Glatz-CEO Markus Glatz.

Es ist für die Frauenfelder Traditionsfirma nicht das erste Mal, dass sie im öffentlichen Raum nach Schirmkollapsen in die Bresche springen darf. Schadenfreude kommt bei Glatz deswegen aber keine auf. Eher ist es Genugtuung über die Qualitäten der eigenen Produkte und ein gewisses Bedauern, nicht schon beim ersten Anlauf zum Zuge gekommen zu sein. «Die Anforderungen an Schirme werden allgemein unterschätzt», sagt Glatz. «Lokale Starkwinde haben wegen der Klimaerwärmung zugenommen», weiss er. Glatz-Schirme kommen deshalb in den Windkanal, etwa bei Porsche in Stuttgart. «Sie halten Winde von 90 bis 100 Kilometern pro Stunde aus», sagt Glatz. 100 km/h entsprechen Windstärke 10 nach Beaufort, was schwerer Sturm bedeutet.

Gleiche Verankerung wie beim Knie-Zelt

Schon vor gut einem Jahr, als es um die erste Anschaffung von Schirmen für den Sechseläutenplatz ging, hätten sich die Zürcher bei seiner Firma nach Produkten erkundigt. «Uns wurde leider damals nicht gesagt, worum es eigentlich geht», sagt Glatz. Im zweiten Anlauf sei der Auftrag öffentlich ausgeschrieben worden, mit exakten Anforderungen an das Produkt. «Von sieben, acht Firmen sind wir als letzte im Rennen geblieben.» Eine knifflige Sache sei die Befestigung gewesen, denn die Schirme werden in die gleichen Verankerungen gesteckt, die für das Zelt des Circus Knie eingelassen wurden. «Unsere Hülse aus Stahl hat die Tests der Materialprüfungsanstalt EMPA bestanden», sagt Glatz.

Frauenfelder Schirme auch in Linz, Avignon und Singapur

Jetzt stehen die zwölf hellen Schirme mit einem Durchmesser von gut vier Metern auf dem Platz aus Valser Quarzit im Halbkreis. Angestellte des nahen Caffé Collana sind verantwortlich dafür, dass die Schirme geöffnet werden und auch wieder geschlossen, von Hand mittels Kurbel. Es gibt zwar auch Schirme, die sich automatisch schliessen. «Doch im Falle eines Unwetters geht das zu langsam», sagt Glatz.
Geschlossen erinnerten die neuen Schirme «einer hiesigen Traditionsfirma namens Glatz» an den Böögg auf dem Scheiterhaufen, schreibt die «NZZ». Wer Glatz-Schirme nicht in Zürich bestaunen will, findet sie etwa auch in Linz, Avignon oder Singapur.

Schirme in vierter Generation

Albert und Luise Glatz-Lätsch gründeten 1895 ihr Schirmatelier an der Rheinstrasse 12. Albert Glatz jr. und Frieda Glatz-Spahn übernahmen 1926 als zweite Generation den Betrieb. 1927 zog das Schirmatelier in die Schlossmühle um. Der Wechsel an den heutigen Standort, den damaligen Neubau an der Neuhofstrasse bei der Kleinen Allmend, erfolgte 1967 unter der dritten Generation Gustav-Adolf und Anne-Marie Glatz-Hausammann. Seit 1993 führen Markus und Christa Glatz-Maurermeier die Firma in vierter Generation. 2006 wurde die zusätzliche Produktionshalle an der Hummelstrasse erstellt.
Heute beschäftigt das Unternehmen rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 40 Millionen Franken, 70 Prozent davon im Export und 30 Prozent im Inland. Seit 2000 ist Glatz in einem Joint-Venture mit einem taiwanesischen Partner mit Produktion an zwei Standorten in China vertreten. Ein zweites Joint-Venture gibt es in Brasilien für den südamerikanischen Markt.
Ihren Erfolg verdankt die Firma laut eigenen Angaben unter anderem den patentierten Entwicklungen, angefangen 1931 mit dem Gelenkschirm «Alexo», der noch heute im Angebot ist. (hil)

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