Frauenfelder Poststellenschliessungen: «Wo die Post bleibt, investiert sie auch»

Mit der Eröffnung der neuen Hauptpost schliessen in Frauenfeld gleichzeitig die Poststellen Talbach und Kurzdorf. Sie werden zu sogenannten Agenturenlösungen umfunktioniert. Martin Widmer, Leiter Netzentwicklung der Post, erklärt warum.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Die neue Hauptpost an der Rheinstrasse in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Die neue Hauptpost an der Rheinstrasse in Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Warum verändert sich die Post-Landkarte so rasant?

In den vergangenen Jahren hat sich das Kundenverhalten fundamental verändert. Seit dem Jahr 2000 sind schweizweit an Schaltern zirka zwei Drittel weniger Briefe abgegeben worden.

Ist die Digitalisierung schuld?

Ja, durch die starke Nutzung von Smartphones ist der Umsatz an hunderten Poststellen eingebrochen, nicht nur im Thurgau. Ein guter Vergleich ist das Fax-Gerät, das heutzutage auch nicht mehr gebraucht wird.

Martin Widmer ist Leiter Netzentwicklung bei der Post. (Bild: PD)

Martin Widmer ist Leiter Netzentwicklung bei der Post. (Bild: PD)

Gibt es im Thurgau bald nur noch eine Handvoll Schalter?

Poststellenentwicklung gibt es nicht erst seit kurzem. Die Post überprüft ständig, wo ein Schalter ökonomisch noch sinnvoll betrieben werden kann. Bis 2020 reduziert sich die Anzahl Poststellen weiter. Wo wir bleiben, investiert die Post aber, etwa in Frauenfeld oder Diessenhofen.

Geschlossen werden vermehrt auch Poststellen in boomenden Gemeinden wie Matzingen oder Islikon.

Bevölkerungswachstum hilft höchstens, den Rückgang zu verlangsamen. Selbst in einer wachsenden Grossstadt wie Winterthur hat die Post zwar stabile Kundenfrequenzen, diese wachsen aber auch dort nicht.

Blick auf alte und neue Post vom Gebäude vis-à-vis an der Rheinstrasse. (Bilder: Reto Martin und Andrea Stalder)
14 Bilder

Blick auf alte und neue Post vom Gebäude vis-à-vis an der Rheinstrasse. (Bilder: Reto Martin und Andrea Stalder)

Was entgegnen Sie Kritikern?

Poststellen sind mit Emotionen verbunden, was vielerorts Angst auslöst. Mit Partnerfilialen oder My-Post-24-Automaten wollen wir aber weiterhin nahe bei den Kunden sein. Und es gibt auch jene, die damit zufrieden sind.

Wie lukrativ sind Partnerfilialen für die Post?

Wegen der Entschädigungsmodelle an Partner wie Umsatzbeteiligung können sie knapp kostendeckend betrieben werden.

Was passiert mit den fünf Mitarbeitenden der Poststellen Talbach und Kurzdorf?

Alle werden an anderen Arbeitsorten weiterbeschäftigt.

Post modern in Frauenfeld

Der Neubau der Hauptpost und die Sanierung des Altbaus sind in diesen Tagen abgeschlossen. Die ersten Mieter ziehen ein, die Pizzeria bewirtet Gäste, und die Post öffnet am 1. Oktober die Schalter. Der Bau strahlt moderne Urbanität aus.
Stefan Hilzinger

Islikon verliert seine Poststelle

Noch sieben Monate, dann schliesst die Poststelle in Islikon ihre Schalter. Künftig bietet eine Agentur in der Landi postalische Dienstleistungen an. Behördlicher Widerstand sei zwecklos, sagt der Gemeindepräsident.
Stefan Hilzinger