Frauenfelder Obernärrin mit Italianità: Antonella I. übernimmt bis nächsten Dienstag das Zepter

Ho Narro! Seit Donnerstagabend ist die Stadt in fasnächtlicher Hand. Bis Dienstag regiert Antonella Pasina. Den Golfschläger hat sie immer zur Hand. Und im Notfall muss es Prosecco sein.

Mathias Frei
Merken
Drucken
Teilen
Anprobe: Obernärrin Antonella I. bekommt von ihrem Vorgänger René II. den Umhang angelegt, flankiert von ihren Begleiterinnen Nadine Läderach und Sandra Badertscher.

Anprobe: Obernärrin Antonella I. bekommt von ihrem Vorgänger René II. den Umhang angelegt, flankiert von ihren Begleiterinnen Nadine Läderach und Sandra Badertscher.

(Bild: Andrea Stalder)

Forza Antonella! Toto Cutugnos Hit «Insieme» (dt.: «zusammen») läuft auf dem Rathausplatz, als Antonella Pasina unter Applaus am Donnerstagabend kurz vor 19.30 Uhr stilgerecht in einer Ape vorfährt. Murgratz Anders Stokholm übergibt ihr Kelch, Becher und Zepter – und wünscht schönen Untergang.

Antonella I. folgt auf René Hahn alias René II. Nach Obernärrin Maya Schöni vor drei Jahren übernimmt nun also wieder eine Frau das Rathaus. Und das kann was werden, da kann man sich sicher sein – so erfrischend lebhaft, wie sie ist.

«Ich bin schon ein rechtes ‹Alpechalb›.»

Das meint Antonella Pasina. Die 47-Jährige ist Hausfrau und Übersetzerin für die Kantonspolizei. Auf den Mund gefallen sei sie nicht, sagt sie. «Ich kann austeilen und einstecken.» Und vor allem ist die Obernärrin 2020 perfekt dreisprachig. Natürlich Deutsch, dazu noch Italienisch und Spanisch, weil Mama und Papa von dort kommen.

Frauenfelder Fasnacht bis kommenden Dienstag

Am Freitag, 21.Februar, steigt in der Rüegerholzhalle die Fasnachtsunterhaltung. Die Kinderfasnacht geht am Samstag, 22.Februar, über die Bühne mit Umzug und Maskenball in der ID-Halle in der Stadtkaserne. Abends ist die Guggenparty Alkazüül in der Festhalle Rüegerholz. Am Sonntag, 23.Februar, findet der grosse Umzug in der Innenstadt statt, danach im Rüegerholz das Monsterkonzert. Und nächsten Dienstag, 25.Februar, geht die Fasnacht mit der Stadtrückgabe zu Ende. (ma)

www.murganesen.ch

Antonella I. ist Urfrauenfelderin, im Sonnmattquartier aufgewachsen. Und Fasnacht lebt sie schon ihr Leben lang. «Als Meitli war ich immer gern Prinzessin. Meine Mutter hat die Kleidli genäht.» Der Frauenfelder Umzug war immer Pflichtprogramm. Später sah man Antonella Pasina an allen Maskenbällen in der Region. Und auch heute noch verkleidet sich die Mutter von einem Sohn (18) und einer Tochter (19) leidenschaftlich.

«Aktuell mache ich an der Fasnacht kostümtechnisch auf Steam-Punk.»

Mit Citro in Hurricane fing alles an

Ivan Gubler, Murganesen-Präsident.

Ivan Gubler, Murganesen-Präsident.

(Bild: PD)

Statt Lederkluft und Nietengürtel trägt sie nun aber bis nächsten Dienstag die Insignien der Obernärrin zu Schau. Ganz am Anfang dieses Ehrenamts steht Murganesen-Präsident Ivan Gubler. Vor 22 Jahren war Antonella mit ihrem Mann auf Flitterwochen in den USA. In einem Kaff namens Hurricane lernte das Ehepaar Pasina Gubler und deren damalige Lebenspartnerin kennen.

«Wir hatten es glatt zusammen, obwohl wir den ganzen Abend nur Citro tranken.»

Richtig ernst wurde es aber an der vergangenen Fasnacht. Obernarr René II. meinte: «Das wär’ doch was für dich.» Und dann kann noch Hahns Obernarr-Vorgänger Pablo Moirón dazu. «Überreden mussten sie mich nicht.» Antonella I. hat einfach Bock auf das Amt.

Stadtübernahme 2019: Der neue Obernarr René II. lässt sich von seinem Vorgänger Pablo I. einkleiden.

Stadtübernahme 2019: Der neue Obernarr René II. lässt sich von seinem Vorgänger Pablo I. einkleiden.

(Bild: Reto Martin)

Sie gehe zwar regelmässig abstimmen. «Aber ich bin nicht so ein politischer Mensch.» Gleichwohl setzt sie auf Frauen-Power. So lässt sie sich nicht wie üblich von zwei Herren begleiten, sondern von zwei Frauen.

«Sandra und Nadine sind meine besten Freundinnen. Wir kennen uns schon seit den Sandkastenzeit im Sonnmatt-Quartier.»

Mit ihnen passe es einfach, gemeinsam ziehe man gerne um die Häuser. Und notfalls hat Antonella I. während der Fasnacht ihren Golfschläger auf Frau. Denn gemäss dem diesjährigen Motto ist sie ziemlich sportlich. Beim Golfclub Klosters amtet sie als Ladies-Captain. Ihr Mann stammt aus dem Bündnerland. So ist Skifahren ein Hobby von ihr. Und sie hat auch schon am Strongman-Run teilgenommen, einem Action-Rennanlass in Engelberg, bei dem man durch Schlamm robbt.

«Ich bin definitiv kein Sensibelchen.»
Ein Gläsli Prosecco.

Ein Gläsli Prosecco.

(Bild: Ralph Ribi)

Dass sie gesellig ist: keine Frage. «Meist bin ich die erste, die kommt, und die letzte, die geht.» Ihre privaten Mottopartys sind legendär. Das Obernärrinnen-Amt fülle sie gerne, weil sie der Frauenfelder Fasnacht so etwas zurückgeben könne. Zwar habe sie Respekt vor der Aufgabe. «Aber ein Gläsli Prosecco hilft gegen die Nervosität.»