Frauenfelder Non-Profit-Organisation lässt Arbeitslose mit Migrationshintergrund niederschwellig Fuss fassen

Die Non-Profit-Organisation Sonrisa will Arbeitslosen mit Migrationshintergrund beim Wiedereinstieg helfen. Zudem startet sie Aktionen zugunsten der Gassenküche oder Betroffenen der Corona-Krise.

Samuel Koch
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Eine Angestellte von Sonrisa arbeitet im Catering-Dienst.

Eine Angestellte von Sonrisa arbeitet im Catering-Dienst.

(Bild: PD)

Lachen zurückschenken. Dieses Ziel hat sich die Frauenfelder Non-Profit-Organisation Sonrisa zuoberst auf die Fahne geschrieben. Passend dazu der Name, denn Sonrisa heisst auf Spanisch Lächeln. Sonrisa-Geschäftsführer Daniel Portugal-Geiser sagt:

«In der Schweiz herrscht eine Kultur der Arbeit.»

Und wer nicht arbeite, sei wertlos. Ein niemand.

Daniel Portugal-Geiser, Geschäftsführer Sonrisa.

Daniel Portugal-Geiser, Geschäftsführer Sonrisa.

(Bild: Samuel Koch)

Der gebürtige Peruaner, der mit einer Frauenfelderin verheiratet ist, will mit Sonrisa Arbeitslose mit Migrationshintergrund wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern. Das Büro des vor zwei Jahren gegründeten Vereins für gemeinnützige Tätigkeiten liegt an der Gewerbestrasse.

Portugal-Geiser – Doppelnamen sind in seiner Heimat üblich – hat nach dem Umzug in die Schweiz zu seinen Grosseltern selber eine Leidensgeschichte erlebt. «Für meine erste Stelle in der Schweiz musste ich über 200 Bewerbungen schreiben», sagt er.

Vergebens, trotz Schweizer Pass, guten Deutschkenntnissen, einer Ausbildung und Arbeitserfahrung. Oder dann sei er von seinen Arbeitgebern ausgenutzt worden. «Schliesslich landete ich in der Sozialhilfe», sagt der gläubige Portugal-Geiser. Er betont aber, dass Sonrisa konfessionell und politisch neutral sei.

Kochen und Putzen zu fairen Bedingungen

Bei Sonrisa gehe es um Nächstenliebe, sagt Portugal-Geiser, «und darum, dass wir die Behörden bei den Sozialhilfekosten entlasten können». In erster Linie rekrutiert er mit seinen derzeit fünf Teilzeitangestellten primär Hausmänner und -frauen, die niederschwellige Arbeiten wie Kochen oder Putzen erledigen können, zu fairen Bedingungen.

«Das können unterschiedliche Leute sein, die lange vom Arbeitsmarkt weg waren oder einfach nur Pech hatten.»
Ein Profiteur von Sonrisa putzt Fensterscheiben.

Ein Profiteur von Sonrisa putzt Fensterscheiben.

(Bild: PD)

In einem Gespräch würden Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit abgeklärt. «Wenn sich jemand eignet, läuft er im Tandem mit», sagt Portugal-Geiser. Eignet sich die Person weiter, darf sie beim zweiten Mal alleine einen Einsatz leisten, die meisten davon im Raum Frauenfeld/Winterthur. Bezahlt werden die Arbeitnehmenden im Stundenlohn.

Unabhängig vom Sozialamt finanziert sich Sonrisa zu zwei Fünfteln aus privaten Spenden, den Rest verdient sie mit Aufträgen von Unternehmen und Institutionen, seit 2020 steuerfrei. Schwarzarbeit toleriert Portugal-Geiser nicht:

«Wir stehen für unsere Werte ein und dulden niemanden, der Sozialgelder bezieht und gleichzeitig Schwarzarbeit nachgeht.»

Deshalb misst er der Rekrutierung der Personen, die für Sonrisa arbeiten dürfen, auch ein solches Gewicht bei. «Wir arbeiten sauber und bezahlen niemandem Handgeld», sagt er.

Mahlzeitendienst mit einem Tuk-Tuk

Das Sonrisa-Tuk-Tuk für die «Buen Provecho»-Mahlzeitenlieferungen.

Das Sonrisa-Tuk-Tuk für die «Buen Provecho»-Mahlzeitenlieferungen.

(Bild: PD)

Nebst der Unterstützung für Arbeitslose greift Sonrisa auch Institutionen unter die Arme. So landen bei Catering-Einsätzen 50 Rappen pro verkauftem Gericht in der Kasse der Frauenfelder Gassenküche. Das nennt sich dann Projekt «Food for Food».

Und bei «Wasser für Wasser» spendet Sonrisa pro genutztem Liter für Putzaufträge einen Beitrag an wohltätige Trinkwasserprojekte in Afrika. Bisher sind für die Projekte schon über tausend Franken zusammengekommen. «Das Ziel ist aber, noch mehr zu schaffen», sagt Portugal-Geiser. Zudem soll Sonrisa in fünf Jahren spendenunabhängig sein.

Dazu beitragen soll auch ein neues Angebot. Voraussichtlich ab April wollen die Mitarbeitenden im Tuk-Tuk Mahlzeiten verteilen. «Saisonal, lokal, sozial», sagt Portugal-Geiser zum Projekt «Buen Provecho». Verteilt werden aber nicht irgendwelche Mahlzeiten, sondern eigens gekochte, mit Produkten von lokalen Bauernhöfen. Übrigens: Buen provecho heisst auf Deutsch Guten Appetit.

Für Risikopatienten der Corona-Krise organisiert Sonrisa einen kostenlosen und ehrenamtlichen Einkaufsdienst. Kontakt: 077 487 70 53 oder info@sonrisaglobal.ch

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