Glosse

Frauenfelder Leuchttürme im Sturm

Murgspritzer über eine Prise auswärtige Arroganz, Leuchtturmprojekte und nordfriesische Gefühle in Frauenfeld.

Samuel Koch
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Die Zuckerfabrik Frauenfeld ist seit 1963 in Betrieb.

Die Zuckerfabrik Frauenfeld ist seit 1963 in Betrieb.

Bild: Andrea Stalder

Frauenfeld will hoch hinaus, wie immer. Eine Hauptstadt gibt sich nicht zufrieden mit dem zweiten Rang. Nieder mit dem olympischen Gedanken: «Dabei sein, ist alles.» Nur das Beste ist für Frauenfeld gut genug, Genügsamkeit und Demut sind Fremdwörter, pha!

Samuel Koch.

Samuel Koch.

Bild: Reto Martin

Das neueste Objekt der Begierde mit einer Prise auswärtigen Arroganz: ein 80-Meter-Hochhaus aus Holz, finanziert aus dem Kässeli mit den TKB-Millionen. Ein weiteres Leuchtturmprojekt, wie die Verantwortlichen rühmen. Frauenfeld konkurriert schon bald mit Nordfriesland, so viele Leuchttürme sinngemäss hier schon realisiert werden sollen.

Dank des neuen Leuchtturms liesse sich sogar der Verlust des Bettenhauses beim Kantonsspital verkraften. Und sollte das erwähnte Projekt eines Tages in der Murg absaufen, bleibt noch die Zuckerfabrik. Aussichtspunkt oben auf die Silos, inklusive Rundumlicht wie auf Sylt oder Helgoland. Würden bloss noch die dröhnenden Signalhörner fehlen. Ziemlich verlockend, nicht?

Touristen wären der Stadt für die nächsten Jahrzehnte garantiert. Meldungen in den (sozialen) Medien ebenso. Stellt sich nur noch die Frage, ob positive oder negative. Denn Leuchttürme sind zwar hoch und beliebt, sie lotsen aber auch durch stürmische Zeiten.

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