Frauenfelder Gemeinderat legt vorweihnachtliches Gesamtpaket unter den Tannenbaum

Der Frauenfelder Gemeinderat sagt deutlich Ja zur neuen Zusammenarbeit bei der Aufsuchenden Elternarbeit, trotz höheren Kosten.

Samuel Koch
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Der Gemeinderat debattiert im Grossen Bürgersaal des Rathauses. (Bild: Andrea Stalder)

Der Gemeinderat debattiert im Grossen Bürgersaal des Rathauses. (Bild: Andrea Stalder)

Ein laues Lüftchen. So darf der Gegenwind gegen die dem Gemeinderat am Mittwochabend vorgelegte Botschaft zur Aufsuchenden Elternarbeit (AEA) bezeichnet werden. 33 von 37 Ratsmitgliedern bei zwei Enthaltungen sind denn auch der vom Stadtrat vorgeschlagenen Übertragung der AEA an den neuen Anbieter Zeppelin aus Zürich grossmehrheitlich gefolgt.

Notwendig gemacht hat diese Vergabe die von mehreren Ratsmitgliedern als überraschend bezeichnete Kündigung der bisherigen Leistungsvereinbarung durch die Perspektive Thurgau.

Alfred Bloch, Sprecher GPK Gesellschaft, Gesundheit, Freizeitanlagen. (Bild: PD)

Alfred Bloch, Sprecher GPK Gesellschaft, Gesundheit, Freizeitanlagen. (Bild: PD)

Mit dem neuen Anbieter steigen zwar die wiederkehrenden Kosten für die Stadt für das für Eltern kostenlose und freiwillige Unterstützungsprogramm auf jährlich rund 8100 Franken pro Familie. «Dafür bekommt die Stadt ein auf sie zugeschnittenes Gesamtpaket all-inclusive», sagte Alfred Bloch als Sprecher der zuständigen Geschäftsprüfungskommission (GPK) Gesellschaft, Gesundheit und Freizeitanlagen.

Kritik wegen Kontrolle und Kommunikation

Christoph Keller, Fraktion SVP/EDU. (Bild: PD)

Christoph Keller, Fraktion SVP/EDU. (Bild: PD)

Nebst dem Ausbau auf zwei Hausbesuche pro Monat und den bisherigen Gruppentreffs beinhaltet die neue Leistungsvereinbarung mit Zeppelin einen Dolmetscher, Personalplanung sowie Administration. «Die Arbeit ist aufwendig und teuer», sagte Bloch. Sie lohne sich aber, wenn damit nur eine Fremdplatzierung verhindert werde. Christoph Keller von der SVP/EDU pflichtete Bloch bei, kritisierte jedoch die ungenügende Kontrolle seitens der Stadt:

«Der unprofessionelle Rückzug der Perspektive Thurgau hinterlässt einen schalen Beigeschmack.»
Samuel Kienast, Fraktion CVP/EVP. (Bild: PD)

Samuel Kienast, Fraktion CVP/EVP. (Bild: PD)

Samuel Kienast (CVP/EVP) zeigte sich von den Zeppelin-Profis überzeugt. Nach dem wahrscheinlich einmaligen Ausstieg der Perspektive Thurgau habe die Stadt rasch gehandelt, soll aber auch «die Lehren daraus ziehen».

Ursula Duewell, Fraktion FDP. (Bild: PD)

Ursula Duewell, Fraktion FDP. (Bild: PD)

Ursula Duewell sagte im Namen der FDP-Fraktion, dass sie die Botschaft zwar begrüsse. «Aber wir waren schon erstaunt über die mangelhafte Kommunikation der Stadt», meinte sie.

Ralf Frei, Fraktion SP. (Bild: PD)

Ralf Frei, Fraktion SP. (Bild: PD)

Das neue Gesamtpaket sei bedarfsgerecht und sinnvoll, sagte Ralf Frei (SP). «Eltern werden in ihrer Eigenverantwortung bestärkt, es geht quasi um Hilfe zur Selbsthilfe», sagte er.

Rückläufige oder fehlende Nachfrage

Für Stadträtin Barbara Dätwyler ist und bleibt die Familie wichtigster Ort der frühen Kindheit. Zu kritischen Voten betreffend Zusammenarbeit mit der Perspektive Thurgau meinte sie:

«Wir standen immer im Dialog und müssen festhalten, dass der Pilot ein Fehlversuch war.»

Gründe dafür seien die rückläufige Nachfrage gewesen oder der fehlende Bedarf für andere Gemeinden. Die Stadt habe keine Ressourcen, eigens eine AEA anzubieten. Dätwyler sagte: 

«Deshalb haben wir nun mit Zeppelin ein kompaktes Paket, das wir sehr bewusst begleiten und kontrollieren.»
Barbar Dätwyler, Stadträtin Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Barbar Dätwyler, Stadträtin Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Unklarheiten zur Zuständigkeit über die neue Aufgabenübertragung entgegnete Dätwyler: «Wir haben im Stadtrat ausreichend darüber diskutiert.» Laut Reglement über die Übertragung von Aufgaben sei das Geschäft richtigerweise an die GPK Gesellschaft, Gesundheit und Freizeitanlagen gegangen, und nicht an die GPK Finanzen und Administration.

Neuer externer Anbieter

Die Stadt Frauenfeld unterstützt die Elternarbeit hinsichtlich Früher Förderung durch Dritte seit 2013 dank einem Leistungsvertrag mit der Perspektive Thurgau. Seit zwei Jahren geht die Nachfrage für das für Eltern kostenlose Angebot zurück. Nun hat Perspektive Thurgau den Vertrag mit der Stadt per Ende Mai 2019 gekündigt, weshalb sie einen neuen externen Anbieter gesucht und mit der gemeinnützigen GmbH «Zeppelin – Familien startklar» gefunden hat. Weil das neue Programm nebst Hausbesuchen neu auch Gruppentreffen vorsieht, steigen die jährlichen Kosten pro Familie von knapp 6400 auf 8100 Franken. Für die finanzielle Beteiligung hat die Stadt beim Kanton ein Gesuch eingereicht.