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Frauenfelder Cineasten feiern den 25. Geburtstag ihres Arthouse-Kinos

Das Frauenfelder Studiokino Cinema Luna widersteht seit 25 Jahren dem Mainstream.
Manuela Olgiati
Der Luna-Vorstand (v. l.): Präsident Beat Oswald, Mitbegründer Christof Stillhard, Martina Braun, Noemi Signer, Manuela Florentin und Fabio Schönholzer. (Bild: Manuela Olgiati)

Der Luna-Vorstand (v. l.): Präsident Beat Oswald, Mitbegründer Christof Stillhard, Martina Braun, Noemi Signer, Manuela Florentin und Fabio Schönholzer. (Bild: Manuela Olgiati)

Es drehte sich am Samstag alles um die Zahl 25. Das Frauenfelder Cinema Luna im Lindenpark ist ein beliebter Treffpunkt. Das Arthouse-Kino zeigt seit 1994 hochwertige Filme. Das dem so ist, verdankt Frauenfeld dem Verein «Frauenfelder FilmfreundInnen» (FFF). Bereits in den 1980er-Jahren veranstaltete der Verein Filmnächte und Open-Air-Kinos.

Verrauchte Nächte und Filme, die mich weinen machten

Älterwerden  Gopf, schon 25 Jahre. Als wäre es vorgestern gewesen, sind mir die Nächte Ende der 1990er-Jahre geblieben. Damals im alten Cinema Luna an der Bahnhofstrasse. Als man noch rauchen und schwofen konnte nach dem Film in der kleinen Kinobar, weil der Operateur der beste Kumpel war und man in der Kanti noch Zeit dafür hatte. Einmal lief eine Bob-Marley-Doku in der Nocturne, nüchtern war da niemand. Das Luna prägte mich cineastisch, und die Luna-Filme machten mich weinen. Nach «Dancer in the Dark», dieser himmeltraurigen Geschichte von Selma, rollten bei mir die Tränen. Die von mir damals angehimmelte Kinobegleitung wusste nicht damit umzugehen. Es kam zu keiner Heirat. Mittlerweile bin ich emotional gefestigt. Und das Luna begleitet mich immer noch. (ma)

«Rund ein Viertel der 200 Filme, die wir pro Jahr zeigen, sind Schweizer Filme», sagt Beat Oswald, der Vereinspräsident. Am Jubiläumsanlass vom Samstag spricht der Leiter und Mitgründer, Christof Stillhard vom Engagement von Vorstand, der Stadt Frauenfeld, dem Kulturamt und weiteren Beteiligten. Regierungsrätin Cornelia Komposch mischt sich unter die rund 30 Gäste. Besucherin Monika Müller spricht von Begegnung und Austausch.

Die Filme kommen schneller in die Kinos

Am Rednerpult steht Gastredner Christian Iseli von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Der Filmemacher und Regisseur produzierte 1994 den Film «Der Stand der Bauern». Er spricht von der Digitalisierung, die sich darauf auswirke, wie schnell die Filme ins Kino kommen und für wie lange. Ab der Jahrtausendwende erlebte die Filmbranche einen fundamentalen Umbruch. Die über 100-jährige analoge Technik wurde durch digitale Verfahren ersetzt.

«We want Sex» – und zwar auch im Kino

Geburtstag  Kinogänger war ich schon immer. Die Initiation erlebte ich im Alter von sechs Jahren. Es war ein Stan-Laurel-&-Oliver-Hardy-Film. Beide Protagonisten turnten auf dem Gerüst eines Hochhauses herum. Und der eine hatte einen zwickenden Krebs in der Hose. Diesen Film habe ich später wieder gesehen. Im «Unsichtbaren Kino» in der Wiener Albertina. Im Filmcasino – ein architektonischer 50er-Jahre-Tempel in Wien – hatte ich eine Dauerkarte. Auch meinen 45. Geburtstag habe ich im Kino verbracht. Im Cinema Luna. Meine Gattin hatte zu diesem Zweck einen Film mit Sex bestellt. Bekam sie auch. Es war ein britischer Film über streikende Frauen («We want Sex»). Jetzt ist Frauenfeld keine grosse Stadt, aber dieses Kino macht es zu einer. Das wollte ich nur mal gesagt haben. (pex)

Weiterhin emotional obwohl digital

Im Rahmen eines interdisziplinären Projekts habe die Fachrichtung Film der ZHdK drei Kurzfilme produziert, die gleichzeitig auf Film und auf digitale Datenträger aufgezeichnet wurden. «Die Untersuchung zeigten, dass der Wandel von analogen zu digitalen Aufnahmeformaten das emotionale Kinoerlebnis nicht grundsätzlich trüben konnten», sagt Iseli. Von der analogen 35-mm-Filmprojektion zeigten sich im Vergleich zur digitalen Projektion bei einer kleineren Testgruppe allerdings höhere Emotionen.

«Schweizer Kinos könnten sich künftig verändern», spielt Iseli auf rückgängige Besucherzahlen an. Es würden neue Formen getestet. Dereinst könnte Erlebniskino mit Theater, Kunst und anderem angereichert sein. Oswald und sein Vorstand sind zuversichtlich, dass das Cinema Luna wie die vergangenen 25 Jahre ein treues Frauenfelder Publikum anlocken wird.

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