Frauenfelder Bluesfestival steht wegen finanzieller Schieflage vor dem Aus

Ruedi Laubacher ist seit zehn Jahren Mister Bluesfestival Frauenfeld. Ob der Anlass weiterbestehen kann, steht in den Sternen.

Dieter Langhart
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Frauenfeld TG - Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
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Frauenfeld TG - Die Band Rosdedale am Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
Frauenfeld TG - Die Band Rosdedale am Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
Frauenfeld TG - Die Band Rosdedale am Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
Frauenfeld TG - Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
Frauenfeld TG - Die Band Rosdedale am Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
Frauenfeld TG - Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
Frauenfeld TG - Die Band Rosdedale am Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.
Frauenfeld TG - Die Band Rosdedale am Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.

Frauenfeld TG - Bluesfestival Frauenfeld 2019 in der Rüegerholzhalle.

Auf der Website steht «Thank you folks – see you in 2020.» An Ruedi Laubacher liegt es nicht, ob es ein elftes Festival geben wird, auch wenn er in wenigen Tagen achtzig wird. Auch nicht am Verein Bluesfestival Frauenfeld und schon gar nicht am Herzblut, mit dem der künstlerische Leiter und OK-Präsident Laubacher und seine Helfer seit zehn Jahren den Anlass organisieren. Es liegt am Geld. Am Geld, das in der Kasse fehlt.

Das Bluesfestival hat sich, wie das Open Air, längst einen Namen weit über Frauenfeld hinaus gemacht, es steht in einer Linie mit dem Jazzfestival Generations, das alle zwei Jahre stattfindet. Das Bluesfestival ist Jahr für Jahr gewachsen – die Ausgaben mehr als die Zuschauerzahlen.

Auf die Euphorie folgt die Ernüchterung

Ruedi Laubacher, Leiter Bluesfestival Frauenfeld. (Bild: PD)

Ruedi Laubacher, Leiter Bluesfestival Frauenfeld. (Bild: PD)

Durchschnittlich wurden zwanzigtausend Tickets verkauft, Stadt und Kanton verdoppelten im dritten Jahr ihre Beiträge, später legten sie noch etwas drauf, doch mehr als die teure Technik frassen die stetig steigenden Gagen alles wieder auf. Die Verluste der ersten drei Festivals glich Laubacher mit seinem Geld aus, auch danach trug er einen Teil des Defizits. Im Gespräch sagt er: 

«Ich kann und will nicht mehr»

Er wirkt müde, matt, desillusioniert. Laubachers Jahresbericht Anfang April klang noch euphorisch, war voller Dank an die Helfer und Sponsoren, beschwor die Höhepunkte mit Stars und Bands von Weltklasse, zuvorderst Lokalmatador Pepe Lienhard mit Band just an seinem 73. Geburtstag. «Die Profis rockten – nein – swingten am Samstagabend die Rüegerholzhalle», schrieb unsere Zeitung.

Die Pepe Lienhard Band swingt am zehnten Bluesfestival Frauenfeld und beweist, wie viel Blues im Jazz steckt. (Bild: Reto Martin)

Die Pepe Lienhard Band swingt am zehnten Bluesfestival Frauenfeld und beweist, wie viel Blues im Jazz steckt. (Bild: Reto Martin)

Dann schrieb Ruedi Laubacher Stadtpräsident Anders Stokholm einen Brief: «Der Verein Blues Festival Frauenfeld muss über eine sehr schwierige Situation eine Entscheidung fällen. [...] Trotz der sehr guten Unterstützung von der Stadt Frauenfeld, dem Kantonalen Kulturamt, den vielen Sponsoren, Gönnern und Vereinsmitgliedern, die unentgeltlich gearbeitet haben, steht der Verein [...] vor dem Aus.» Die Stadt war seinem Ersuchen um mehr Geld für die Jubiläumsausgabe nachgekommen, der Kanton nicht. Dann schrieb Ruedi Laubacher den Vereinsmitgliedern einen Brief: «Leider müssen wir uns nach dem Jubiläumsfestival verabschieden.»

Der entscheidende Grund: Die Thurgauer Kantonalbank hatte dem Verein die Kontokorrentlimite gekündigt. Der im Handelsregister eingetragene Verein ist Konkurs. Die offenen Rechnungen belaufen sich auf knapp 40'000 Franken, die Jahresrechnung hatte mit rund 34'000 Franken im Minus eröffnet. Am meisten muss die Frick Sound ’n Light abschreiben, aber auch andere Firmen und Vereine müssen auf einige hundert oder tausend Franken verzichten. Im Namen des Vereins entschuldigt sich Laubacher bei den Gläubigern.

«Ich habe viel gemacht in meinem Leben»

Laubacher hatte sich einen Namen gemacht in Flims, Chur, Ilanz, fast dreihundert Bands in zwölf Jahren engagiert. 2010 brachte er den Blues nach Frauenfeld. Er organisierte drei Festivals allein, profitierte von seinem Netz und seinem Namen, gründete auf Ersuchen der Stadt einen Verein.

Frauenfeld überholte mit seinen Zuschauerzahlen die älteren Festivals Luzern, Basel, Baden und schaltete Eröffnungskonzerte daheim und in Winterthur. Der Kostendeckungsgrad stieg in fünf Jahren auf stolze 96 Prozent, 2015 aber sackte er auf 80 Prozent – exakt wie beim ersten Festival –, und das Defizit war doppelt so hoch. «Ich gebe nicht auf», sagte er, obwohl er bereits über 70'000 Franken aus dem eigenen Sack investiert hatte.

Ruedi Laubacher musste abspecken und auf die Freikonzerte und die Opening Night für die Sponsoren verzichten. Er beliess die je drei Bands am Freitag und Samstag und setzte weiter auf Zugpferde wie Philipp Fankhauser (2014, ausverkauft) oder John Lee Hookers Tochter Zakiya Hooker (2016, unbekannt). Sein Rezept hiess über die zehn Jahre tanzbarer Chicago Blues, oft mit einer Bläsergruppe, aus zwölf Nationen stammten die Bands. Vielleicht aber hätte auch der eine oder andere Abstecher in andere Bluessparten dem Programm gut getan.

«Das Programm 2020 steht», sagt er und holt die «Bibel des Festivals» hervor, einen dicken Ordner.

«Mein Nachfolger kann sich in ein gemachtes Nest setzen, braucht nur Startkapital.»

Ruedi Laubacher lächelt: «Ich habe viel gemacht in meinem Leben.»

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Dieter Langhart

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Rudolf Steiner