Frauenfelder Berufsschüler haben jetzt alle einen Laptop

Das Bildungszentrum für Technik in Frauenfeld legt beim digitalen Unterricht Wert auf Lehrerweiterbildung.

Thomas Wunderlin
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Lehrerinnen und Lehrer des Bildungszentrums für Technik bilden sich in digitalisierten Prüfungsformen weiter.

Lehrerinnen und Lehrer des Bildungszentrums für Technik bilden sich in digitalisierten Prüfungsformen weiter.

Bild: Donato Caspari (Frauenfeld, 6. August 2020)

Die Berufsschüler brauchen ab Montag alle einen Laptop. Letztes Jahr galt noch eine Ausnahme für Haustechniker und Absolventen des Brückenangebots. Doch nun müssen sämtliche 1400 Schüler des Bildungszentrums für Technik (BZT) in Frauenfeld über einen tragbaren Computer verfügen.

Die Schule macht zur Vorgabe, dass man auf dem Bildschirm mit einem Stift Eingaben machen kann. Ein solches Gerät ist nicht unter 1000 Franken zu haben.

Für das BZT fallen die Kosten für Anschaffung und Unterhalt der 500 PC weg, die bisher in den Schulzimmern zur Benützung durch die Schüler bereit standen. Dadurch werden laut Rektor René Strasser die zusätzlichen Ausgaben für Weiterbildung und Support aufgewogen.

Hardware reicht nicht für die Digitalisierung

Mit der Hardware ist die Digitalisierung noch nicht geschafft, auch nicht mit der Software. Ein entscheidender Faktor ist die Weiterbildung der Lehrerschaft. Das Berufsbildungszentrum legt grossen Wert darauf. Um diesen Aspekt der Öffentlichkeit darzulegen, nützte Rektor Strasser eine Sommermedienfahrt des kantonalen Informationsdiensts. Im Schulhaus an der Kurzenerchingerstrasse im Kurzdorfquartier findet zum zweiten Mal eine zweitägige Weiterbildung statt, die für die 36 Hauptlehrer und 47 Lehrbeauftragten obligatorisch ist.

BZT-Rektor René Strasser

BZT-Rektor René Strasser

Bild: Donato Caspari

An diesem Donnerstagmorgen stehen von 9.30 bis 12 Uhr sechs Kurse zur Auswahl. Unter anderem berichtet Christian Schlegel, Dozent der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, über alternative Prüfungsformen in der Digitalisierung.

Es geht darum, ob die Laptops bei notenrelevanten Prüfungen eingesetzt werden dürfen. Tendenziell ja, lautet Schlegels Antwort. Die Schüler erhalten so Zugriff auf ihre Unterlagen, die sie ja auf ihren Geräten gespeichert haben. Sie könnten auch auf Quellen im Internet zugreifen. «Die Prüfung soll zur betrieblichen Situation passen», meint Schlegel.

Ein Informatiker, der stets mit Computer arbeitet, soll dies auch an der Prüfung tun. Möglich ist auch ein Einsatz des Safe-Exam- Browsers der ETH, der das Surfen im Internet begrenzt.

Vorläufig müssen am BZT weiterhin viele Prüfungen zumindest teilweise auf Papier geschrieben werden. Gute Lehrer gestalten ohnehin vielfältige Tests, bei denen nicht nur Wissen abgefragt wird, sondern auch damit etwas gemacht werden muss.

Andere Kurse versprechen Übersicht im «App-Jungle» oder bei «Instagram, Netflix, Youtube, WhatsApp».

Übers Wochenende auf Fernunterricht umgestellt

Als das BZT 2015 begann, die Einführung der elektronischen Geräte vorzubereiten, waren andere Schulen etwa im Kanton Zürich schon damit ausgerüstet. Dank dem ganzheitlichen Ansatz sei das BZT heute schweizweit führend bei der Digitalisierung des Unterrichts, glaubt Rektor Strasser.

Eine Berufsfachschule muss nach seiner Meinung offen für Veränderungen sein, besonders für die Digitalisierung, die in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft nicht aufzuhalten sei. Strasser meint:

«Jede Schule muss den Schritt in die Digitalisierung machen.»

So war es für das BZT beim Ausbruch der Coronaseuche ein Leichtes, auf Fernunterricht umzustellen. Während andere Schulen zwei Wochen dafür brauchten, verlagerte das BZT den Unterricht übers Wochenende vom 14./15. März auf die Lernplattformen Moodle und OneNote.

Am 8. Juni begann der Präsenzunterricht wieder mit einem speziellen Stundenplan. Lehrer und Schüler konnten wieder direkten Kontakt aufnehmen, was beidseits vermisst worden war. Dabei zeigte sich eine Grenze der Digitalisierung: Für das BZT kann die vollständige Umstellung auf Fernunterricht nicht das Ziel sein.

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