Frauenfeld-Wil-Bahn: Schmalspurbahn fährt in eine taktvolle Zukunft

Die Frauenfeld-Wil-Bahn verzeichnet einen leichten Passagierrückgang. Deshalb intensiviert die Bahn das Marketing. Auch das Angebot soll ausgebaut werden: Die Vorbereitungen für den Viertelstundentakt laufen.

Sebastian Keller
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Die Frauenfeld-Wil-Bahn hat 2018 etwas weniger Fahrgäste transportiert als im Jahr zuvor. (Mareycke Frehner)

Die Frauenfeld-Wil-Bahn hat 2018 etwas weniger Fahrgäste transportiert als im Jahr zuvor. (Mareycke Frehner)

«Wir haben im Jahr 2018 1,3 Millionen Fahrgäste befördert», sagt Carlo Parolari an der 132. Generalversammlung der Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB) in Wängi. «Das ist eine stolze Zahl.» Es gelte aber, alles zu unternehmen, «um die Nachfrage anzukurbeln». Denn: 2018 fuhren 0,86 Prozent weniger Passagiere durchs Murgtal als im Vorjahr. FWB-

Direktor Thomas Baumgartner relativiert: «Andere Verkehrsunternehmen hatten grössere Rückgänge zu verkraften.» Potenzial ortet er im Freizeit- wie im Pendlerverkehr. Mit einer neuen Broschüre positioniert sich die FWB als Erlebnisbahn, die sich für Wanderungen im Murgtal empfiehlt. Grosse Hoffnung setzt Baumgartner auf den Viertelstundentakt. Dieser soll um das Jahr 2025 realisiert werden.

Bundesparlament stellt Signal auf Grün

Das Signal aus Bern steht auf Grün – zumindest finanziell. In der Sommersession haben die eidengössichen Räte 24 Millionen Franken im Rahmen des Bahnausbauschrittes 2035 für die FWB freigegeben. Dieses Geld ist für eine Kreuzungsstelle Jakobstal und eine neue Haltestelle im geplanten Wirtschaftsstandort Wil West reserviert. Doch der höhere Takt wirkt sich auch auf die Strasse aus. Zwischen Frauenfeld und Wil queren Strassen rund 100-mal das Bahntrasse. In Frauenfeld ist die Schmalspurbahn auf der Hauptschlagader der Stadt unterwegs.

Thurbo plant die Anschaffung neuer Züge

Die Regionalbahn Thurbo mit Sitz in Kreuzlingen hat im Jahr 2018 einen Verlust von 1,4 Millionen Franken geschrieben. Das geht aus dem druckfrischen Geschäftsbericht hervor. Der Verlust entstand wegen einer finanziellen Bereinigung im Zusammenhang mit dem Doppelspurausbau Weinfelden-Berg. «Ohne diesen Effekt würde Thurbo erneut mit einem kleinen Gewinn abschliessen.» Die Fahrausweiserträge haben sich 2018 um knapp 4 Prozent erhöht. Thurbo hat mit 34,5 Millionen rund ein Prozent mehr Fahrgäste als im Vorjahr befördert. Eindrücklich ist, welche Distanz die 122 Thurbo-Züge zurückgelegt haben: 2018 fuhren sie 20,1 Millionen Kilometer. Das entspricht 500 Erdumrundungen. Einige Fahrzeuge müssen ersetzt werden. Im Geschäftsbericht heisst es: «Um zirka 2025 bereit zu sein, die ersten Gelenktriebwagen der zweiten Generation zu ersetzen, startet Thurbo die Vorbereitungen für eine Fahrzeugneubeschaffung.» Dabei arbeitet Thurbo mit den SBB, in deren Besitz die Regionalbahn mehrheitlich ist, zusammen. (seb.)

Wie der FWB-Direktor sagt, werde Anfang Juli eine Studie präsentiert, welche die Auswirkungen der Taktverdichtung auf den Strassenverkehr ausleuchtet. Bevor aber die rot-weissen Züge jede Viertelstunde durchs Murgtal brausen, treibt die FWB die Modernisierung der Haltestellen voran. Noch ist der hindernisfreie Zustieg in Frauenfeld Marktplatz, Lüdem und Münchwilen nicht möglich. «Unsere Zielsetzung ist Ende 2020», sagt FWB-Präsident Carlo Parolari.

Lüdem soll Kreuzungsstelle werden

Doch die Erneuerung wird nicht überall beklatscht. «Lüdem ist ein hartes Pflaster», sagt Direktor Baumgartner. An dieser Haltestelle soll nicht nur das Perron erhöht, sondern für den Viertelstundentakt eine Kreuzungsstelle gebaut werden. Dazu benötigt die FWB Land. Die Landverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, ebenso verzögern Einsprachen den Prozess. Doch die Bahn muss bereits in diesem Jahr Gewissheit haben, ob sie im nächsten Jahr bauen kann. Denn: Dann könnte sie alle Lokführer im Sommer 2020 in die Ferien schicken, weil die Passagiere mit Bussen befördert werden.