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Frauenfeld-Wil-Bahn: Kleine Bahn hat Grosses vor

Auf der Bahnstrecke zwischen Frauenfeld und Wil soll im nächsten Jahrzehnt ein Viertelstundentakt eingeführt werden. Die Zeichen dafür stehen günstig. Wohl im nächsten Jahr gibt der Bund die Mittel für die Taktverdichtung der Frauenfeld-Wil-Bahn frei.
Sebastian Keller
Heute noch einspurig: Die Haltestelle Lüdem soll in den nächsten Jahren zu einer Kreuzungsstelle ausgebaut werden. (Bild: Reto Martin)

Heute noch einspurig: Die Haltestelle Lüdem soll in den nächsten Jahren zu einer Kreuzungsstelle ausgebaut werden. (Bild: Reto Martin)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Es gibt leichtere Fragestellungen für Ingenieure. Jene der Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB) hatten die Aufgabe, einen Viertelstundentakt durchs Murgtal zu planen. Die grosse Schwierigkeit dabei: Die rund 17 Kilometer lange Schmalspurstrecke ist grösstenteils einspurig. Eine weitere Bedingung erschwerte die Arbeit: Die Anschlüsse auf die Schnellzüge an den beiden Endbahnhöfen sollen weiterhin schlank sein. Keine Option war zudem der Kauf weiterer Züge.

Mit diesen Vorgaben im Kopf haben die Ingenieure gerechnet. Das Resultat: Um einen Viertelstundentakt zu realisieren, müssen die Züge auf der Strecke dreimal kreuzen. Und zwar nicht dort, wo bereits heute Kreuzungsstellen existieren. Sondern exakt an den Haltestellen Münchwilen Pflegeheim, Jakobstal und Lüdem. Doch die Züge können an den Haltestellen Jakobstal und Lüdem heute noch nicht kreuzen, da die Strecke in diesen Bereichen einspurig ist. Anders in Münchwilen Pflegeheim. An dieser Haltestelle ist die Strecke bereits zweigleisig – ein Kreuzen ist möglich

Neue Haltestelle soll neues Wirtschaftsgebiet erschliessen

Dass es sich beim Viertelstundentakt nicht um ein Planspiel von Ingenieuren handelt, wurde unlängst von höchster Stelle bestätigt. In der Botschaft zum Ausbauschritt 2035 stellt der Bundesrat die Signale für eine Taktverdichtung durchs Murgtal auf grün. Er empfiehlt dem Parlament, 29 Millionen Franken für dieses Projekt freizugeben. Eingerechnet in diesem Betrag ist auch der Bau der neue Haltestelle Wil West. Diese soll ein neues Wirtschaftsgebiet mit bis zu 3000 neuen Arbeitsplätzen am Rande der Stadt Wil mit dem öffentlichen Verkehr erschliessen. Heute sieht man auf dem Gebiet Wiesen und Fruchtfolgeflächen.

Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr, begründete Anfang Monat gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag», wieso die FWB Geld erhalten soll: «Wenn eine Bahn mit vernünftigen Investitionen eine grosse Nachfragesteigerung erzielen kann, wie die Frauenfeld-Wil-Bahn, dann wird das Projekt hoch eingestuft und kommt in den Genuss von Finanzmitteln.»

Als nächstes ist das eidgenössische Parlament am Zug. Voraussichtlich 2019 entscheiden die Räte über den Kredit für den Bahnausbauschritt 2035. Dieses Ausbauprogramm umfasst Investitionen von 11,9 Milliarden Franken mit einem Realisierungshorizont bis ins Jahr 2035. Die Taktverdichtung durchs Murgtal ist im Vergleich zu Milliardenprojekten wie dem Brüttenertunnel günstig.

Die Verantwortlichen der Frauenfeld-Wil-Bahn warten den Entscheid aus Bern ab. «Sobald die Finanzierung gesichert ist, kann die Planung konkreter werden», sagt FWB-Sprecherin Sabrina Huber. Wann die ersten Züge – einem Tram gleich – im Viertelstundentakt verkehren, ist noch nicht definitiv. «Denkbar ist ein Zeithorizont frühestens per 2026», sagt Huber. Vorstellbar sei auch, die Taktverdichtung schrittweise einzuführen. Zum Beispiel zuerst während der Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Abend und später ganztags. Huber betont: «Abhängig ist die Taktverdichtung vor allem auch von der Nachfrage, also vom prognostizierten Fahrgastaufkommen.»

Die Züge müssen drei Minuten gewinnen

Neue Fahrzeuge muss die Frauenfeld-Wil-Bahn keine kaufen. «Der Viertelstundentakt auf der Linie-Frauenfeld-Wil ist mit dem heutigen Fahrzeugpark von fünf Zügen möglich», sagt die FWB-Sprecherin. Diese Fahrzeuge sind noch relativ neu, sie wurden vor etwas mehr als fünf Jahren in Betrieb genommen. Beim Viertelstundentakt wären gleichzeitig vier Züge auf der Strecke und einer «ist betriebliche und technische Reserve». Aber: Die Fahrzeuge müssen die Strecke zwischen Wil und Frauenfeld schneller zurücklegen. Heute benötigen sie zwischen der Äbtestadt und dem Thurgauer Hauptort 29 Minuten.

Für einen Viertelstundentakt – auch das haben die Ingenieure berechnet – müssen sie die Strecke in 26 Minuten zurücklegen. Um Zeit zu gewinnen, hat das Bahnunternehmen bereits per Fahrplanwechsel die Haltestelle Murkart aufgehoben. Doch es sind noch weitere Anpassungen nötig. FWB-Sprecherin Huber nennt etwa «punktuelle Kurvenstrecken, damit die Geschwindigkeit erhöht werden kann sowie kleine Optimierungen an den Anlagen, um wertvolle Sekunden zu gewinnen».

Die Kreuzungsstelle Lüdem soll bereits 2020 realisiert werden

Die grössten Infrastrukturbauten sind aber die neue Haltestelle Wil West sowie die zwei neuen Kreuzungsstellen in Lüdem und Jakobstal. Lüdem soll bereits im Jahr 2020 realisiert werden. An einem Informationsanlass für Anwohner hiess es, die Strecke soll in diesem Bereich auf 381 Metern doppelspurig werden. Dazu benötigt die Bahngesellschaft Land. Die Rede ist von einem Streifen von bis zu acht Metern. Deshalb verhandeln die Verantwortlichen mit den Besitzern von Parzellen über Landerwerb. «Die Landverhandlungen sind im Gang», sagt Sabrina Huber. Für diese Kreuzungsstelle muss die Bahn nicht auf die Freigabe der Mittel im Rahmen des Ausbauschritts 2035 warten. «Die Kreuzungsstelle Lüdem wird als Ersatz für die Kreuzungsstelle Murkart gebaut und nicht über das Programm zum Ausbauschritt 2035 finanziert.»

Die Kreuzungsstelle Jakobstal soll erst 2025 oder 2026 gebaut werden. Grund: Die Mittel dafür müssen erst noch freigegeben werden. Dies dürfte voraussichtlich im neuen Jahr der Fall sein.

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