Ganz Frauenfeld weint: Der Bechtelistag 2021, der höchste Feiertag in der Hauptstadt, ist abgesagt

Ein leider historischer Entscheid, den der Frauenfelder Stadtrat am Dienstagnachmittag gefällt hat: Am 18.Januar 2021 wird keine Nacht der Nächte stattfinden. Die Pandemie ist schuld. Das Risiko für Ansteckungen sei zu gross, heisst es.

Mathias Frei
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Ein Bild aus dem Archiv: Ausgelassene Stimmung in der Frauenfelder Bechtelisnacht.

Ein Bild aus dem Archiv: Ausgelassene Stimmung in der Frauenfelder Bechtelisnacht.

Bild: Donato Caspari (21.Januar 2019)

Der Dienstag, 24.November 2020, wird leider in die Frauenfelder Geschichtsbücher eingehen. Um 15.02Uhr wird öffentlich, dass die Bechtelisnacht 2021 am kommenden 18.Januar der Coronapandemie zum Opfer fällt. Vor Wochenfrist kamen alle Beteiligten zusammen, am Dienstagnachmittag hat der Stadtrat den Beschluss in seiner Sitzung offizialisiert. Zu gross sei das Risiko, dass sich Leute an einer der zahlreichen Veranstaltungen mit dem Coronavirus ansteckten. Dieses Risiko könne und wolle man nicht eingehen.

«Erstmals finden aufgrund der aktuellen Coronabestimmungen während der Bechtelisnacht in Frauenfeld keine Veranstaltungen der Bürger- und Fasnachtsgesellschaften sowie der Schamauchen statt.»

So heisst es denn auch in der gemeinsamen Medienmitteilung der Stadt, der Bürger- und Schaumauchengesellschaften sowie der Fasnachtsvereine. Es würden auch keine Freinacht-Bewilligungen erteilt.

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Gastronomiebetriebe müssten entsprechend regulär schliessen. Aktuell gilt die Sperrstunde um 23 Uhr. Und es macht den Braten auch nicht feiss, falls die Beizen dann vielleicht wieder bis Mitternacht offen haben dürfen. Keine Bechtelisnacht ist keine Bechtelisnacht. «Ebenfalls verboten sind gemäss der aktuell gültigen bundesrätlichen Verordnungen spontane Menschenansammlungen von über 15 Personen im öffentlichen Raum», liest man in der Medienmitteilung.

Festmahl und Freinacht

Am dritten Montag im Jahr feiert Frauenfeld die Nacht der Nächte. Diese Tradition geht zurück ins 13. Jahrhundert, als sich die Bürger in der Konstablergesellschaft im Rathaus zum Festmahl mit Salzisse, Weissbrot und Bürgerwein trafen. Der Brauch hält bis heute, wenn sich spätabends Mitglieder der nunmehr zahlreichen Gesellschaften mit verkleideten Gästen vermischen und die Freinacht startet. (sko)

Bis Mitte Januar keine Besserung in Sicht

Der Entscheid aller Beteiligten ist leider richtig. So heisst es auch in der Medienmitteilung, aus heutiger Sicht sei die Annahme unrealistisch, «dass sich bis zum 18. Januar 2021 die Lage in Bezug auf Covid-19 markant bessere und der Bundesrat die zurzeit gültigen Bestimmungen für das Gastgewerbe und Zusammenkünfte von Gruppen im öffentlichen Raum lockere».

Bechtelisnacht 2019.
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Bechtelisnacht 2019
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Bechtelisnacht 2019.

Werner Spiri, Leiter des Amtes für öffentliche Sicherheit der Stadt Frauenfeld.

Werner Spiri, Leiter des Amtes für öffentliche Sicherheit der Stadt Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Historisch ist der Entscheid dahin gehend, weil der Bechtelis in der Neueren Geschichte der Stadt immer stattfand. Das sagt Werner Spiri, Leiter des städtischen Amtes für öffentliche Sicherheit. Er hat sich bei Stadtarchivar Stephan Heuscher kundig gemacht. Demnach wurde die Nacht der Nächte sogar in den Hungerjahren 1817 und 1830, während des Ersten Weltkriegs sowie auch in der Zeit der Spanischen Grippe und während des Zweiten Weltkriegs gefeiert. «Nur in den Jahren 1942 und 1943 ist der Bechtelis aufgrund des fleischlosen Montags auf den Sonntag vorverschoben worden», sagt Spiri.

Der Amtsleiter Öffentliche Sicherheit sagt, man gehe davon aus, dass es am besagten Abend zu keinen grösseren Menschenansammlungen im öffentlichen Raum komme, weil alle Aktivitäten abgesagt sind. Details zur Umsetzung und Kontrolle der vom Bundesrat verordneten Massnahmen sind gemäss Spiri noch nicht bekannt.

«Wir haben demnächst eine Sitzung mit der Kantonspolizei.»
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
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Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
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Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)
Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)

Bechtelisnacht 2016 (Bild: Reto Martin)

«Traurig, aber der einzig mögliche Entscheid»

Titus Moser, Frauenfelder Bürgerpräsident.

Titus Moser, Frauenfelder Bürgerpräsident.

Bild: PD

Dass das Rathaus – im Besitz der Bürgergemeinde – am 18. Januar 2021 verwaist bleibt, tue einem schon weh, sagt Bürgerpräsident Titus Moser. «Es ist traurig, aber der einzig mögliche und vor allem vernünftige Entscheid.» Aktuell lasse es die Bürgergemeinde zwar noch offen, ob am Morgen des Bechtelistages die gleichnamige Versammlung durchgeführt wird. «Politische Versammlungen sind derzeit noch erlaubt. Aber im Grossen Bürgersaal sind gemäss aktuellem Schutzkonzept nur 50 Personen zugelassen.» Deshalb werde er die Bechtelisversammlung voraussichtlich absagen. Die Traktanden liessen sich problemlos auf die Jahresversammlung im Frühling 2021 schieben.

Anders Stokholm, Frauenfelder Stadtpräsident.

Anders Stokholm, Frauenfelder Stadtpräsident.

Bild: PD

Stadtpräsident Anders Stokholm hat den Stadtratsbeschluss zur Absage unterzeichnet. «Es ist sehr bedauerlich, aber den Umständen in der jetzigen Situation geschuldet.» Die Bevölkerung sei vernünftig und könne das nachvollziehen. Er hoffe, dass es bei dieser einmaligen Absage bleibe. Dafür könne man dann den Bechtelis 2022 umso mehr geniessen.