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Frauenfeld verwandelt sich in die Hauptstadt der Lyrik

Im Eisenwerk gingen übers Wochenende die 15. Frauenfelder Lyriktage vor viel Publikum über die Bühne. Die Autoren gewährten Einblick in ihr Schaffen. Zum Ende der Veranstaltung huldigten sie dem Festivalgründer Beat Brechbühl.
Claudia Koch
Anja Kampmann trägt eines ihrer deutschen Gedichte vor. (Bild: Reto Martin)

Anja Kampmann trägt eines ihrer deutschen Gedichte vor. (Bild: Reto Martin)

Drei Tage voller Lyrik und Poesie, voller Sprache mit Klang und Rhythmus versprach die Präsidentin des Stiftungsrates der Kulturstiftung des Kantons Thurgau Renate Bruggmann-Hössli in ihrer Begrüssungsrede. Am Thema Sprache knüpfte auch die Gastkuratorin Anna Gulp an. «Dichtung lässt die Sprache leben», lautet jeweils ihre Antwort, wenn sie erklärt, wofür Lyrik gut sein soll. Ausserdem öffnen Gedichte das Herz und das Gemüt.

Wie unterschiedlich diese Gedichte auch sprachlich daherkommen, zeigte sich bei den Lesungen der sieben nationalen wie auch internationalen Autorinnen und Autoren. Der Schotte John Burnside etwa trug seine Gedichte in Englisch vor. Die in Moskau geborene und heute in Genf lebende Marina Skalova schreibt zweisprachig, in Deutsch und Französisch, manchmal gesellte sich auch Englisch dazu. Und die Gedichte des Südtirolers Sepp Mall geben deutlich seinen österreichisch geprägten Dialekt wider.

Brachzeiten beim Schreiben

Anja Kampmann las ihre hochdeutschen Gedichte melodiös, ja fast singend vor, und kostete dabei manch ein Wort genüsslich aus. Beim gebürtigen Egnacher Christian Uetz hingegen sprudelten die Worte nur so heraus, mit einer Geschwindigkeit und Intensität, welche die rund 60 Besucherinnen und Besucher im Eisenwerk fast atemlos hinterliessen.

Fest verbunden mit den Frauenfelder Lyriktagen ist die in Müllheim lebende Zsuzsanna Gahse, die eine Carte blanche erhielt, um einen Dichter oder eine Dichterin einzuladen. Ihre Wahl fiel auf den Südtiroler Sepp Mall. «Eigentlich müsste man deine Gedichte ausstellen», sagte Gahse und sprach die Sonderzeichen an, mit denen Mall seine Gedichte versieht. Er habe diese Idee in jungen Jahren von einem Dichterkollegen gestohlen, gibt Mall unumwunden zu und erntet Gelächter. Kennengelernt haben sich Gahse und Mall vor vielen Jahren im österreichischen Literaturhaus Krems.

Der Schotte John Burnside liest in Englisch. (Bild: Reto Martin)

Der Schotte John Burnside liest in Englisch. (Bild: Reto Martin)

Als Aufgabe musst jede Autorin, jeder Autor ein Gedicht ziehen und dieses weiterzuführen. Mall präsentierte dem Publikum die Weiterführung eines A-Gedichtes von Gahse, zu dem er, zur Überraschung der Autorin, gar eine zweite Version geschrieben hatte: Ein Z-Gedicht, mit viel Humor und Wortgewandtheit.

Momentan stellt Mall eine Sammlung zusammen, die mit dem Thema Holz zu tun hat und stetig ergänzt wird. Zu seiner Arbeitsweise sagte Mall:

«Wenn ich mit dem Kopf arbeite, komme ich nicht gut voran.»

Er habe inzwischen jedoch die Geduld abzuwarten. Gahse ergänzt, bevor sie aus ihren Werken einige Gedichte liest, dass es gelegentlich Brachzeiten brauche.

Die Besucherinnen und Besucher hören gespannt zu. (Bild: Reto Martin)

Die Besucherinnen und Besucher hören gespannt zu. (Bild: Reto Martin)

Ein lyrischer Felsen namens Beat Brechbühl

Der Mann des Abends war jedoch Beat Brechbühl, einer der Festivalgründer der Frauenfelder Lyriktage vor fast 30 Jahren. Laudator Christian Uetz nannte Brechbühl einen lyrischen Felsen, der Frauenfeld zur Hauptstadt der Lyrik erhob. Uetz sagte:

«Beat Brechbühl ist ein Rebell als Lebenshaltung, ein Grübler und Melancholiker.»

Dazu rezitierte er einige Gedichte aus Brechbühls «Temperatursturz» von 1984. Wenn Beat Brechbühl erzähle, so werde das Leben lebendiger. Es sei poetisches Glück, «mit dem er uns hier in Frauenfeld beschenkt», sagte Uetz. «Ich bin ein Ende suchender Erzähler», sagte ein sichtlich bewegter Brechbühl, der in seiner anschliessender Lesung auch viel Humor und Aberwitz bewies.

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