Die Berufsberatung zügelt ins Zentrum von Frauenfeld

Das kantonale Amt für Berufsbildung und Berufsberatung befindet sich neu in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Frauenfeld.

Sebastian Keller
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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung im Eingangsbereich.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung im Eingangsbereich.

(Bild: Andrea Stalder)
  • Das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung war jahrelang in Provisorien untergebracht. Zuletzt an der Zürcherstrasse 285 im Osten Frauenfelds.
  • Nun hat das Amt Anfang Monat neue Räume an zentraler Lage an der Grabenstrasse 5  Frauenfeld bezogen. Es handelt sich um ein Mietobjekt. 
  • Rund 10 Jahre sind seit den ersten Gesprächen bis zum Bezug der neuen Räumlichkeiten  vergangen.
  • An einer Pressekonferenz streichen die Verantwortlichen die Nähe zum Bahnhof Frauenfeld hervor. Sie hoffen nun auf mehr Laufkundschaft. 

Die Frauenfelder Grabenstrasse könnte man in «Bildungsstrasse» umtaufen. Mit dem Einzug des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung (ABB) ins Haus Nummer 5 haben nun drei kantonale Bildungsämter einen Standort an dieser Strasse. Dazu gesellt sich das Bildungszentrum Adler.

Der mehrstöckige Neubau, in den das ABB gezügelt ist, macht den Eindruck, als ob Verpackungskünstler Christo am Werk wäre. Doch die Umhüllung hat einen anderen Grund: Die Fassade ist noch nicht fertig montiert, weshalb das Gerüst noch steht. Das Netz schützt Fussgänger vor herunterfallenden Hämmern.

Der Empfang ist auch für Menschen im Rollstuhl ausgerichtet.

Der Empfang ist auch für Menschen im Rollstuhl ausgerichtet. 

(Bild: Andrea Stalder)

Wer das Gebäude ebenerdig betritt, sieht Prospekte aus der Welt der Berufs-, Aus- und Weiterbildung. Tische und PC-Stationen laden zur Recherche ein. Unübersehbar ist der Empfang. Die Theke ist zweistufig – Menschen im Rollstuhl müssen sich so den Kopf nicht verrenken.

An einer Medienkonferenz freuen sich die Mitarbeiter über den neuen Standort. Es scheint ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk zu sein. Oder ein verspätetes – erster Zügeltermin ins neue Mietobjekt wäre der 1. April gewesen. Zuvor arbeiteten sie an der Zürcherstrasse 235 – im Osten Frauenfelds, wo Burger King und McDonald’s Hamburger braten. «Jetzt sind wir zentral, wo auch unsere Kundschaft ist», sagt ABB-Chef Marcel Volkart. Der Bahnhof Frauenfeld liegt auch für Laufmuffel noch in Gehdistanz.

Berufsberatung neu im Zentrum Frauenfelds

Neuer Standort des kantonalen Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung

Mit Kundschaft sind rund 90 Klassen aus der Region Frauenfeld gemeint, die im Rahmen der Berufswahl die Berufs- und Studienberatungen – kurz BIZ – besuchen. 15000 Personen werden im Jahr in allen BIZ-Regionalstellen beraten. «Wir hoffen nun auf mehr Laufkundschaft», sagt Ernst Kurzbein, Leiter Berufs- und Studienberatung.

Am alten Standort war das kaum je der Fall. 40 Prozent der Beratungen werden unterdessen von Erwachsenen beansprucht. «Tendenz steigend», sagt Kurzbein. Als Begründung führt er lebenslanges Lernen, aber auch den Wiedereinstieg nach einer Familienzeit an.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kantons anlässlich der Medienkonferenz.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kantons anlässlich der Medienkonferenz. 

(Bild: Andrea Stalder)

Auch die Abteilung Berufliche Bildung ist an die «Bildungsstrasse» gezügelt. Ihr Leiter heisst Stefan Curiger. Er und sein Team wachen über aktuell 6565 Lehrverhältnisse in 149 Berufen und 2859 Betrieben. Neue Berufsbilder kommen dazu, andere verschwinden. ICT-Fachfrau/ICT-Fachmann ist das jüngste Kind in der Familie der Berufe. «Die Ausbildungen sind aktuell, sie entsprechen den Bedürfnissen der Wirtschaft», betont Marcel Volkart.

Der Eingangsbereich ist hell und freundlich gestaltet.

Der Eingangsbereich ist hell und freundlich gestaltet. 

(Bild: Andrea Stalder)

Kurz vor Lehrbeginn 2019 waren im Thurgau 470 Lehrstellen nicht besetzt. Der Lehrstellenüberhang ist nicht neu. Wie präsentiert sich die Situation aktuell? «Ähnlich wie in den vergangenen Jahren», sagt Curiger. Was Lehrverträge betrifft, machen er und weitere ABB-Mitarbeiter zwei Feststellungen: Lehrverträge bei beliebten Berufen – KV, Fachfrau Gesundheit – würden immer früher abgeschlossen.

Die gegenläufige Entwicklung bei anderen Berufen bereitet den Verantwortlichen aber mehr Sorgen. Curiger: «Lehrverträge werden erst kurz vor Lehrbeginn abgeschlossen.» Das stelle Berufsschulen und Berufsverbände vor Probleme. Sie müssen kurzfristig weitere Dozenten rekrutieren. Oder sie wissen nicht, ob sie eine Klasse füllen können. 

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